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Leistungssport

18.11.2018 Tag 5 Die Finalspiele

Der Finaltag war angebrochen in Oberhausen. Um 08:30 wurde des Spiel um Platz 7 zwischen Finnland und der Tschechischen Republik angehupt. Beide Mannschaften waren mit sehr jungen Spielern und gemischten Mannschaften angereist. Die Finne, in deren Reihen mit der erst 15jährigen Hilla Savolainen neben den beiden Tschechinnen Jana Zákostelecká (Nummer 8) und Jana Králová (Nummer 9), eins von drei Mädchen die mit den Jungs spielte, wurden Siebter. Sie schlugen die Tschechen 24-0.

Das Spiel um Platz 5 bestritten die Dänen gegen die Schweden im Turnier der Herren. Die Dänen landeten nur aufgrund einer schmerzvollen Sudden-Death Niederlage gegen Norwegen am Tag zu vor und waren daher leicht favorisiert. Nichts destotrotz brauchten die Dänen fast 10 Minuten für den ersten Torerfolg. Die Dänische Nummer 7 Marius Gronlund erzielte den ersten Treffer für die „Dannebrog“-Mannschaft. Mit einer knappen Minute verbleibender Spielzeit in der ersten Halbzeit erzielte Tobias Schmidt (Nummer 2) das 2-0 für die Dänische Mannschaft. Nach der Halbzeit bauten die Dänen ihre Führung durch Tore von Nummer 14 Lucas Pedersen und noch einmal Tobias Schmidt auf 4-0 aus und entschieden das Spiel so für sich. Dänemark beendete das Turnier auf Platz 5, Schweden auf Platz 6.

Um 10:45 Uhr wurde das erste Spiel um eine Medialle angehupt. Die Deutschen und die Norwegerinnen hatten schon im ersten Spiel für einen Thriller gesorgt, den die Deutschen mit 1-0 für sich entscheiden konnten. Die Norwegerinnen wirkten von Beginn an frischer als die Deutschen, denen noch der 45 Minuten Krimi gegen die Norwegerinnen vom Vortag in den Knochen steckte. Wie schon das erste Spiel, sollte auch dieses Zuschauern und Athleten Nerven kosten. Die Deutschen wollten ein weiteres Drama in der Verlängerung unbedingt vermeiden. 20 Sekunden vor Schluß bekammen sie die Chance dazu: Die Norwegische Torfrau hatte sich mit ihrer Schulter im Korb verkeilt und die Schiedsrichter hupten Strafwurf für Deutschland. Nummer 77 Leonie Schäfle übernahm die Aufgabe die Verlängerung für die Deutschen zu vermeiden. Den ersten Angriff konnte Norwegens Torfrau abwehren, Leonie Schäfle musste auftauchen. Mit frischer Luft tauchte Leonie erneut ab und schaffte es irgendwie den Ball an der Torfrau vorbeizuschmuggeln zur  Deutschen Führung und zum Deutschen Sieg, da die Strafwurfuhr letztendlich auch die Spieluhr runterlaufen ließ.

Im nächsten Spiel ginge es zwischen der Türkei und Norwegen um Bronze. Die Türken musste noch das physische Spiel und die schmerzvolle Niederlage gegen die Deutschen vom Vortrag abschütteln, weshalb man von den Norwegern am Anfang die Iniative erwartete. Zur Überraschung der Zuschauer und der Norwegern, waren es jedoch die Türken die bereits früh im Spiel durch ein Tor von Kerem Demir (Nummer 7) in Führung gingen. Nachdem die Norwegern den ersten Schock überwunden hatten, gelang es ihnen das Spiel etwas ausgeglichener zu gestalten. Zur Halbzeit stand es jedoch nach wie vor 1-0 für die Türken. In die Versuche der Norweger, zu Beginn der zweiten Halbzeit den Ausgleich zu erzielen, konnten die Türken ihre Führung weiter ausbauen. Berkan Mert Sürücüoglu (Nummer 12) erzielte das 2-0. 5 Minuten später erzielte die Türkei das 3-0 durch Samet Ayberk Sayin (Nummer 2).

Kapp über 4 Minuten waren noch zu spielen, als Norwegen noch einmal Hoffnung fasste: Norwegens Nummer 14 Lars Gjermestad den Anschlusstreffer zum 3-1 erzielte. Die Norweger setzen jetzt alles auf eine Karte und ihre Bemühungen schienen belohnt zu werden, als sie den Ball im türkischen Tor unterbrachten. Dem Treffer wurde jedoch die Anerkennung verweigert. Der Schütze hatte sich am Tor festgehalten. So oblag es den Türken, denn Schlußpunkt durch Emrecan Argan (Nummer 10) zu setzen: Am Ende hieß es 4-1. Bronze ging an die Türkei.

 

Zwei Spiele verblieben noch bei der ersten CMAS Unterwasserrugby Weltmeisterschaft für Junioren: Die Finalspiele im Wettbewerb der Damen und der Herren.

 

Als erstes war es an den Damen, ins Becken zu steigen. Aufgrund der Ergebnisse der Halbfinale vom Vortag lautete die Partie: Türkei gegen Kolumbien. Das Match sah Mannschaften, die von ihrer Spielweise durchaus vergleichbar sind. Beide Teams setzten mehr auf Schnelligkeit als auf körperliche Überlegenheit. Von daher war es nur folgerichtig, dass es keiner Mannschaft wirklich gelang, sich Vorteile im Spielverlauf herauszuarbeiten. Folgerichtig hieß es nach 2 x 15 Minuten 0:0. Das Spiel ging in die Verlängerung. In der Verlängerung übernahmen die Türkinnen zunächst die Spielkontrolle und drückten gegen den Korb der Kolumbianerinnen. Es waren ca. 4 Minuten in der Verlängerung gespielt, als die türkische Spielerin Nr. 2 Ekin Kalaycioglu den Korb der Kolumbianerinnen von oben angriff und bei diesem Angriff nicht konsequent von ihrer Gegnerin gestört wurde. Der türkischen Angreiferin gelang es, sich durch eine geschickte Drehung unter die Torfrau der Kolumbianerin zu setzen und diese vom Tor zu hebeln und den Ball zum 1:0 in den Korb zu versenken. Das Spiel war aus, die Türkei hatte 1:0 gewonnen und als erstes Damenteam eine Unterwasserrugby Weltmeisterschaft für Junioren gewonnen.

 

Es folgte das finale Spiel dieser ersten Weltmeisterschaft in Oberhausen: Das Finale im Wettbewerb der Herren Deutschland gegen Kolumbien. Beide Mannschaften hatten ihre Vorrundengruppe gewonnen, wobei sich die Kolumbianer in der Gruppe A dabei gegen die ebenfalls äußerst stark aufspielenden Türken durchsetzen konnten. Das mit Spannung erwartete Finale sahen sich über 350 Zuschauer live im Hallenbad Oberhausen an und es wurde von weiteren 1.000 Zuschauern weltweit im Livestream verfolgt. Während die Kolumbianer in erster Linie auf ihre Schnelligkeit setzen würden, war die große Frage des Finales, ob es den Deutschen gelingen würde, ihr Spiel aufzuziehen, in dem sie den Gegner mit Überzahlsituationen am eigenen Korb unter Druck setzen würden und so zu Fehlern zwingen könnten, die von den äußerst angriffsstarken Deutschen in Turbo umgemünzt werden. Das Spiel war zu Beginn der ersten Halbzeit völlig ausgeglichen. Beiden Mannschaften gelang es nicht, ihre Stärken umzusetzen, die Kolumbianer störten das deutschen Aufbauspiel früh und die Deutschen gaben den Kolumbianern keine Gelegenheit ihre Schnelligkeit auszuspielen. Die Zuschauer hatten den Eindruck, dass nicht sechs gegen sechs Spieler im Wasser waren, sondern eher zehn gegen zehn. Situationen, in denen einzelne Spieler unter Wasser ohne Anspielpartner war, waren Mangelware. Drei Minuten vor Ende der ersten Halbzeit wurde den Kolumbianern ein Freistoß im Mittelfeld gegen die deutsche Mannschaft zugesprochen. Die Situation schien bereinigt, als es den Deutschen gelang, den Ball zu erobern. Sie waren jedoch nicht in der Lage, ihn aus dem Mittelfeld heraus vor das kolumbianische Tor zu tragen. Den Kolumbianern gelang es, den Ball an der offenen deutschen Seite zu halten und ihren Topscorer Nr. 99 Juan Laverde in Szene zu setzen. Laverde überschwamm an der offenen Seite die deutsche Verteidigung und es gelang ihm, den Ball in die Lücke zwischen dem Kopf des Torhüters und den Korb zu stecken. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit hieß es, Kolumbien 1 und Deutschland 0. Es war nun die Aufgabe des deutschen Teams in der zweiten Halbzeit alles daran zu setzen, diesen Rückstand aufzuholen, wobei sich in der Halbzeit das Spiel der Kolumbianer insbesondere durch äußerst aggressives For-checking ausgezeichnet hatte. Immer wieder gelang es ihnen, den deutschen Spielaufbau bereits früh im Mittelfeld zu stören. Offensichtlich hatte das kolumbianische Trainerteam seine Hausaufgabe wirklich gemacht und ihre Mannschaft eingeflößt, dass es den deutschen unter allen Umständen den Aufbau ihres dominanten Überzahlspieles vor dem kolumbianischen Tor versagen sollte. Mit großer Spannung wurde die zweite Halbzeit erwartet. Die Kolumbianer konnten zwar das Anschwimmen der zweiten Halbzeit für sich entscheiden, verloren den Ball jedoch früh aufgrund eines guten Freiwurfes an die Deutschen. Nach Ausführung des Freiwurfes gelang es den Deutschen, den kolumbianischen Korb anzugreifen und weitere Angreifer für die zweite und dritte Welle zu platzieren. Die Deutschen schienen das Spiel besser in den Griff zu bekommen. Mit 9 Minuten und 44 Sekunden in der zweiten Halbzeit noch zu spielen, hatten die Kolumbianer eine Großchance vor dem deutschen Tor ihre Führung auszubauen. Aufgrund eines Massengriffs hupten die Schiedsrichter Freiwurf für die deutsche Mannschaft. Der brachte jedoch nichts ein. Mit 3 Minuten Restspielzeit auf der Uhr hupten die Schiedsrichter Strafwurf gegen Kolumbien und griff in den Korb. Erneut war es Deutschlands Nr. 20 Teamkapitän Philipp Kreißig, der die Verantwortung übernahm und hoffte mit dem Ausgleich der deutschen Mannschaft zurück in Spiel zu bringen. Juan Laverde, der Topscorer der Kolumbianer, tauchte ab, um sein Tor zu verteidigen. In diesem „Kampf der Titanen“ gelang es zunächst Juan Laverde, den angreifenden Philipp Kreißig abzuwehren. Dieser sortierte sich knapp vor dem kolumbianischen Tor, ohne aufzutauchen, neu, griff erneut an, drückte den kolumbianischen Spieler gegen den Korb, griff über den Kopf an die Schulter, riss die Lücke auf und versenkte den Ball zum viel umjubelten Ausgleich für die deutsche Mannschaft: 1:1. Das Spiel war wieder völlig offen. Ausgehend vom Spielverlauf war nun eine weiter Overtime nicht unwahrscheinlich. Allerdings ließen es die Kolumbianer zu dieser nicht kommen. Mit 90 Sekunden verbleibender Spielzeit griffen die Kolumbianer das deutsche Tor mit aller Wucht an. Der Ball gelangte in die Hände von Kolumbiens Nr. 1 Juan Diaz, der von der offenen Seite kommend das deutsche Tor angriff. Der deutsche Verteidiger, der eigentlich gut in Position lag, erwartete offensichtlich einen Pass auf die geschlossene Seite und griff nicht energisch genug ein, Juan Diaz hatte jedoch andere Pläne, drückte den deutschen Verteidiger nach unten und schob den deutschen Torwart soweit vom Korb, dass er eine Lücke fand, in welcher er den Ball versenken konnte. Kolumbien führte in diesem Finale 2:1. Die Deutschen versuchten alles, in das Spiel zurückzufinden. Ein durchaus vielversprechender Angriff ca. 30 Sekunden vor Schluss wurde abgehupt: Freiwurf gegen Deutschland und damit Ballbesitz für Kolumbien mit noch 13 zu spielenden Sekunden auf der Uhr. Diese Chance durch Ballkontrolle die Uhr herunterzuspielen, würden sich die Kolumbianer nicht nehmen lassen. Das Endergebnis des Finales lautete 2:1 für Kolumbien. Die Kolumbianer gewannen die erste Weltmeisterschaft im Junioren-Unterwasserrugby. In einem Herzschlagfinale musste sich die starke deutsche Mannschaft mit der Silbermedaille zufriedengeben.

 

Mit der abschließenden Medaillenzeremonie ging dann die erste Unterwasserrugby Juniorenweltmeisterschaft in Oberhausen zu Ende. Über vier Tage konnten wir fantastische Spiele auf extrem hohem Niveau beobachten. Die Organisation war hervorragend. Livestream und Livestream-Kommentar auf allerhöchstem Niveau. Diese Veranstaltung war wirklich Werbung für den Unterwasserrugby-Sport. Athletinnen und Athleten sowie Zuschauer, Experten und Kommentatoren freuen sich bereits jetzt auf die Unterwasserrugby Weltmeisterschaft der Senioren vom 25.07. bis 03.08.2019 im österreichischen Graz. 

Von Dr. Grergor Reiter

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