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22.03.12

Stechlinsee wird Lebendiger See des Jahres 2012

 

Stechlinsee wird Lebendiger See des Jahres 2012

 

Am heutigen Weltwassertag kürt der Global Nature Fund (GNF) traditionell den „Lebendigen See des Jahres“ in Deutschland. In 2012 fiel die Wahl auf den tiefsten See in Brandenburg, den Stechlinsee.

 

Berlin / Stechlin, 22.03.2012: Am heutigen Weltwassertag ernennt der Global Nature Fund (GNF) zum zweiten Mal den „Lebendigen See des Jahres“ in Deutschland. Die Wahl erfolgt durch die Mitglieder des im Jahr 2009 gegründeten Netzwerks Lebendige Seen Deutschland, in welchem auch der VDST beteiligt ist. Der Stechlinsee in Brandenburg, der tiefste und klarste See in ganz Norddeutschland, ist somit der „Lebendige See 2012“.

 

In der Laudatio für den Stechlinsee wird die Wahl folgendermaßen begründet:

„Mit seinem Naturreichtum, seiner Tiefe und hervorragenden Sicht sowie der kulturellen Bedeutung der Region ist der Stechlinsee einer der interessantesten Seen unter den norddeutschen Gewässern. […] Seltene Arten, wie das vom Aussterben bedrohte Faden-Laichkraut, die Erbsenmuschel, von der es nur wenige Nachweise in Deutschland gibt, sowie Armleuchteralgenarten kommen im Stechlinsee vor. Aufgrund der Vielfalt von Seen, Mooren und naturnahen Laubwäldern gehört das ganze Stechlinsee-Gebiet zu den Schutzgebieten von europäischem Rang.“

 

Der im waldreichen Naturpark Brandenburgs Stechlin-Ruppiner Land gelegene Stechlinsee beherbergt eine unzählige Vielfalt an Unterwasserflora, insbesondere die ausgedehnten Bestände der seltenen, auf nährstoffarme Verhältnisse angewiesenen Armleuchteralgen finden hier ideale Lebensbedingungen. Für Touristen bietet das Gebiet einmalige ungestörte Naturerlebnisse. Dabei hat der See eine komplizierte Vergangenheit: Die thermische Belastung aus dem Atomkraftwerk Rheinsberg sowie die Nährstoffeinträge aus der Ortschaft Neuglobsow und aus der Ära des Massentourismus hatte der See aufgrund seines gewaltigen Volumens von 97 Million Kubikmetern und seines guten Puffervermögens durch den hohen Kalkgehalt scheinbar gut verkraftet. Doch ein gutes Jahrzehnt nach Abschaltung des Kraftwerks zeigte der See eine Reihe besorgniserregender Veränderungen. Die Phosphorkonzentrationen im Tiefenwasser stiegen schnell und beständig an. Innerhalb von zwei Jahrzehnten verlor der See 100 Hektar seiner wertvollen Unterwasserpflanzengesellschaften. Die Entwicklung verschiedener Planktonarten nahm massenhaft zu. Noch sind nicht alle Faktoren, die für diese Veränderungen verantwortlich sind, ausreichend analysiert. Auch der Klimawandel könnte hierfür verantwortlich sein.

 

Seit Anfang 2012 ist der Stechlinsee Partner im bundesweiten Netzwerk Lebendige Seen Deutschland, vertreten durch zwei aktive Verbände: den Landestauchsportverband Brandenburg e.V. (LTSVB) und den NABU Landesverband Brandenburg e.V. Der Verband Deutscher Sporttaucher e.V. (VDST) unterstützt die Aktion. Mit umfassenden Informationskampagnen, Aktionstagen und Naturführungen fördern die Partner in ihrer täglichen Arbeit die Wertschätzung für den See. Der Stechlinsee ist einer der wenigen Seen in Deutschland, an dem sich Wassersportler und Naturschützer gemeinsam für die biologische Vielfalt und eine gute Wasserqualität einsetzen.

 

„Der VDST fördert das gute Miteinander von Sport und Naturschutz in Naturräumen, wie hier am Stechlinsee“, erklärt VDST Umweltreferent PD Dr. Ralph Schill. „Durch die Zusammenarbeit von Sportlern und Naturschützern ist es möglich, bereits frühzeitig Veränderungen unter Wasser zu erfassen und gemeinsame Lösungen zu finden, um die Gewässerqualität und Biodiversität zu verbessern. Die VDST Tauchbasis am Stechlinsee ist dabei ein idealer Ausgangspunkt, um mit biologisch geschulten Sporttauchern regelmäßig Unterwasserkartierungen durchzuführen und damit wichtige Daten zum Zustand des Stechlinsees und anderer Seen in der Region zusammen zu tragen. Durch Fortbildungen möchte der Landestauchsportverband das Umweltbewusstsein der Taucher fördern und die Faszination für den einzigartigen See wecken“, so Dr. Thorsten Grospietsch vom LTSVB.

 

Mit der Ernennung des Stechlinsees zum Lebendigen See des Jahres wollen die Partner eine Entwicklung fördern, die die ökologische Bedeutung des Gewässers in den Mittelpunkt stellt. „Indem wir jährlich einen Lebendigen See des Jahres in Deutschland küren, möchten wir gemeinsam mit unseren Partnern unterschiedliche Akteure vor Ort zusammenbringen und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässer- und Uferqualität des ausgewählten Sees initiieren“, erklärt Katja Weickmann, Projektleiterin des Global Nature Fund. Auch der Lebendige See 2011, der Plauer See, liegt im deutschen Norden. Dank dem unermüdlichen Einsatz des GNF-Partners vor Ort, der BUND-Ortsgruppe Plau, startete im Jahr 2011 die Ausarbeitung des für den See dringend notwendigen Management-Plans. Somit bietet sich im Rahmen des Netzwerks Lebendige Seen Deutschland die Möglichkeit, die Bemühungen um eine umweltverträgliche Entwicklung der Seen bundesweit weiter zu vernetzen und neue Partner hinzuzugewinnen.

Mehr zum Stechlinsee, seinen Besonderheiten und Problemen sowie aktuellen Entwicklungen am und rund um den See erfahren Sie unter www.globalnature.org/LebendigerSee2012.

 

Hintergrund

Der Global Nature Fund nimmt den Weltwassertag am 22. März zum Anlass, jährlich einen „Lebendigen See“ in Deutschland zu küren. Diese Aktion soll auf unsere Seen als wertvolle Ökosysteme und einzigartige Naturschätze aufmerksam machen. Die Initiative beruht auf den langjährigen, erfolgreichen Erfahrungen der internationalen Aktion „Bedrohter See des Jahres“ und soll zur Lösung von drängenden Problemen an Feuchtgebieten und Seen beitragen.


Laudatio Stechlinsee  |  Pressemitteilung

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