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05.11.10

Vorbild und Visionär - Zum Tode von Karl-Heinz Kerll

 

Nachruf des VDST

Vorbild und Visionär


Zum Tode von Karl-Heinz Kerll

Unser langjähriges Vorstandsmitglied und Ehrenvizepräsident des Welttauchsportverbandes Karl-Heinz Kerll ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) trauert um Karl-Heinz Kerll, der überraschend am 15. Oktober verstorben ist. Karl-Heinz Kerll war fast fünf Jahrzehnte lang ständiger Delegierter des VDST für die Generalversammlungen des Welttauchsportverbandes Confédération Mondiale des Activités Subaquatiques (CMAS). Über 40 Jahre war er im Vorstand des VDST tätig und zuletzt zuständig für „Internationales, CMAS und Schulsport“.

Fünf Jahrzehnte Tauchgeschichte geprägt – mit Visionen und großem ehrenamtlichen Engagement

Seine ersten Taucherfahrungen sammelte der am 01. 03. 1930 geborene Diplom-Chemiker bereits mit zwölf Jahren. Später stand er dann seinem Tauchverein in Münster vor und war von 1962–1980 Präsident des Tauch¬sportlandesverbandes Nordrhein-Westfalen. Fünfzehn Jahre war er als Vizepräsident des VDST tätig und setzte sich seit 1980 auch für die Belange des Tauchsports auf internationaler Ebene ein. Unermüdlich initiierte und unterstützte er dabei die Gründung von Tauchsportvereinen und Tauchsportverbänden im In- und Ausland.

Seit den 70er-Jahren setzte er sich auch für den Schutz der Unterwasserwelt ein. In einer Aktion gegen die Unterwasserjagd kontaktierte er unzählige Organisationen wie die UNO und UNESCO sowie einige Königshäuser und den Vatikan, um seinem Anliegen Gehör zu verschaffen.

Auch eine möglichst enge Anbindung des Tauchsports an wissenschaftliche Einrichtungen war für Karl-Heinz Kerll immer wichtig. Er erkannte die Bedeutung wissenschaftlicher Untersuchungen, galt es doch, den recht jungen Tauchsport mit fundierten Kenntnissen zur Trainingslehre und Tauchausbildung stetig fortzuentwickeln. Sein Einsatz für das „Tauchen als Schulsport“ (seit 1980), die Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Ausbildung im Tauchsport an den Hochschulen“ (AATH; 1989) und der Internationalen Tauchlehrerakademie in Potsdam (ITLA; 1994) waren die zielstrebige Konsequenz.

Von ihm wurden die ersten Tauchlehrer ausgebildet und er erhielt sowohl in Deutschland als auch von der CMAS jeweils das Tauchlehrerdiplom TL*** mit der Nummer 001. Ihm verdankt der VDST, dass er heute zu den schwimmausbildenden Verbänden zählt und VDST-Tauchausbilder auch Schwimmabzeichen vergeben dürfen. Dafür engagierte sich Karl-Heinz Kerll zuletzt auch als Vizepräsident im Bundesverband zur Förderung der Schwimmausbildung (BFS).
Zudem ist seine wissenschaftliche Schriftensammlung mit über 170 akademischen Abschlussarbeiten das Ergebnis seiner kooperativen Zusammenarbeit mit vielen Hochschulabsolventen.

„Nebenbei“ verfasste er mit einer über eintausend Seiten umfassenden „Chronik des Tauchsports – 1954–2010“ eine unerschöpfliche Quelle zu vielen Einzelheiten des nationalen und internationalen Tauchsports.

Flossenschwimmen wird olympisch

Bereits Anfang der 70er-Jahre engagierte sich Karl-Heinz Kerll in der CMAS. Dort schuf er eine Kommission für das Flossenschwimmen, deren Vorsitz er über zehn Jahre innehatte. Darüber hinaus war er Präsident des Sportkomitees und erster Vizepräsident der CMAS. Er sorgte während dieser Schaffensperiode für die offizielle Anerkennung des Flossenschwimmens als olympische Disziplin durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) und wurde dafür 1991 zum Ehrenvizepräsident der CMAS ernannt. Bis zuletzt sprach er von den Möglichkeiten, wie Flossenschwimmen in das Programm Olympischer Sommerspiele gelangen könnte. 2005 übernahm er dann den Vorsitz der Anti-Doping-Kommission.

Für einen sauberen Tauchsport – ohne Doping

Gerade in den letzen Jahren galt seine besondere Aufmerksamkeit einem sauberen Tauchsport – ohne Doping. Er formulierte die Ordnung zum Kampf gegen Doping und schlug Ergänzungen und Präzisierungen vor. Sein Engagement geht bis ins Jahr 1988 zurück, als Doping für viele noch kein Thema war. Karl-Heinz Kerll wurde Vorsitzender der Doping-Kontroll-Kommission der Internationalen World Games Assoziation (IWGA) und war damit verantwortlich für den gesamten Bereich der Doping-Kontrollen bei den World Games in Duisburg (2005) und Taiwan (2009).

Doch auch neben dem Tauchsport war er aktiv und galt als Experte für Erdstrahlen und Energieplätze. Hierzu fertigte er eigene wissenschaftliche Untersuchungen an. So hat er im Laufe seines Lebens mit mehr als 24.000 Messreihen über 130 Energieplätze in 35 Ländern der Erde wissenschaftlich untersucht und seine Ergebnisse in einem viel beachteten Buch „Energie-Plätze – Energiestrahlen und ihre Wirkungen auf den Menschen“ publiziert.

Ein großer Freund des Tauchsports – ein toller „Kerll“!

Sein Engagement ist beispielgebend für uns. Er erhielt dafür höchste Auszeichnungen (Ehrenpräsident des Tauchsportverbandes NRW, Ehrennadel in Gold mit Brillanten des VDST, Ehrenvizepräsident der CMAS) und wurde vielfach zum Ehrenmitglied ernannt, unter anderem von der IWGA. Karl-Heinz Kerll ist Träger des Großen Verdienstkreuzes der Republik (Süd-)Korea (1990) und des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2008).

In tiefer Trauer, aber auch mit großer Dankbarkeit, nehmen wir Abschied von einer der herausragenden Persönlichkeiten des VDST und des weltweiten Tauchsports. Aber wir vermissen nicht nur den Sporttaucher und Verbandsfunktionär. Wir vermissen vor allem den Menschen, der uns in vielen schönen, aber ebenso auch schwierigen Situationen immer fest zur Seite stand.

Bis zu seinem letzten Tag war er damit beschäftigt, seine umfangreichen Sammlungen zum und über den nationalen wie internationalen Tauchsport sowie seine biologischen Präparate zu ordnen. Der VDST ist sehr dankbar, dass er die komplette Sammlung übernehmen und noch gemeinsam mit Karl-Heinz Kerll in die Bundesgeschäftsstelle nach Offenbach bringen konnte.
Diese Sammlung bietet uns eine zusätzliche Möglichkeit, ihm ein ehrendes und bleibendes Andenken zu bewahren und den Visionär Karl-Heinz Kerll auch in der Deutschen Stiftung Sporttauchen weiterleben zu lassen.

Verband Deutscher Sporttaucher

 

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