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08.12.11

Weihnachten ohne Seesterne - Artenschutz unterm Weihnachtsbaum

 

Weihnachten ohne Seesterne – Artenschutz unterm Weihnachtsbaum

 

Zu Weihnachten werden wieder vermehrt Kerzen mit eingegossenen Seesternen verkauft. In den überwiegenden Fällen werden dazu die Seesterne lebend gefangen, getrocknet und dann verarbeitet. Der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) und der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) bitten Verbraucher, solche Produkte zu vermeiden und die meist unwissenden Händler solcher Waren direkt auf die Problematik anzusprechen.

Oft wissen weder Käufer noch Verkäufer, woher die Seesterne kommen. Jedes Jahr landen viele Millionen Seesterne aus dem Indopazifik im Kerzenwachs als weihnachtlich-maritime Dekoration auf unseren Tischen. Der VDST hat bei einigen Händlern nachgefragt und die Antworten sind nahezu identisch. Kurz und knapp heißt es meistens: "Unser Lieferant hat uns versichert, dass es sich bei den Seesternen um am Strand gesammelte, bereits tote und getrocknete Exemplare handelt." Diese Aussage ist jedoch höchst zweifelhaft. Kaum ein an einem tropischen Strand angespülter toter Seestern ist noch so intakt, dass man ihn für die Kerzendekoration verwenden könnte.

Seesterne als Massenware gehandelt

Lebend getrocknete Seesterne sind längst zur Massenware geworden. Solange sie in großen Mengen einfach aus dem Meer gesammelt werden können, lohnt sich deren Zucht aus wirtschaftlichen Gründen nicht. 100 Seesterne in einer Größe von vier Zentimetern sind bereits für knapp acht Euro erhältlich. Bei größeren Abnahmemengen halbiert sich der Preis nochmals. Obwohl einige Anbieter bereits Plastik- und Gummiseesterne herstellen, bleibt die Verarbeitung des lebend getrockneten Tieres günstiger. Neben der Verwendung in Kerzen enden sie eingegossen auch oft als Schlüsselanhänger, Tisch- oder Wanddekoration. Sie können bunt eingefärbt oder naturbelassen in jeglichen Größen erworben werden.

"Es ist ein Skandal, dass die Seesterne für reinen Schnickschnack sterben müssen", so Dr. Ralf Sonntag, Direktor des IFAW-Deutschland. "Aber hier scheint Unwissenheit eine der Hauptursachen zu sein. Den meisten Menschen ist vermutlich nicht klar, dass es sich bei Seesternen tatsächlich um Tiere handelt." Wie viele Seesterne jedes Jahr im Meer gesammelt und getrocknet werden, ist weitgehend unklar. Der Raubbau hinterlässt aber seine Spuren im Korallenriff. "Seesterne gehören nicht in Kerzen, sondern ins Meer, wo wir ihnen bei unseren Tauchgängen auf Augenhöhe begegnen können.", so VDST-Umweltreferent PD Dr. Ralph O. Schill.

Seepferdchen unterliegen Artenschutzabkommen

Bis vor wenigen Jahren waren auch Seepferdchen in viele Kerzen eingearbeitet. Gerade Sporttaucher haben sich sehr für ihren Schutz engagiert. Seit Mai 2004 unterliegen alle Seepferdchen-Arten, von denen einige stark bedroht sind, dem Washingtoner Artenschutzabkommen CITES. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden jährlich etwa 24 Millionen Seepferdchen aus den Meeren gefischt. Zu den größten Abnehmern zählte neben asiatischen Ländern auch Europa.



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