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07.11.12

Weniger Seesterne zur Weihnachtszeit – Tauchsportverbände beim Artenschutz erfolgreich

 

Weniger Seesterne zur Weihnachtszeit
Tauchsportverbände beim Artenschutz erfolgreich


Jedes Jahr landen zur Weihnachtszeit viele Millionen Seesterne im Kerzenwachs als maritime Dekoration auf unseren Tischen. In den überwiegenden Fällen werden dazu die Seesterne lebend gefangen, getrocknet und dann verarbeitet. Vor genau einem Jahr hat der sporttaucher in seiner Ausgabe November/Dezember 2011 über den fragwürdigen Handel mit Seesternen berichtet. Der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST), der Tauchsportverband Österreichs (TSVÖ) und der Schweizer Unterwasser-Sport-Verband (SUSV) stellten Nachforschungen an, ob sich seitdem etwas geändert hat.

Auf Nachfrage hieß es bei einigen Händlern letztes Jahr noch: „…unser Lieferant hat uns versichert, dass es sich bei den Seesternen um am Strand gesammelte, bereits tote Exemplare handelt.“ Andere versprachen aber auch, sich nochmals zu informieren und haben sich für unsere Hinweise bedankt. Nun steht wieder Weihnachten vor der Tür und die Bestellkataloge stapeln sich im Briefkasten. Bei einigen Versandhändlern und Organisation sind keine Kerzen mit eingegossenen Tieren mehr zu finden. Das ist sehr erfreulich und zeigt, dass ein Umdenken durchaus möglich ist. Andererseits lassen sich insbesondere im Internet lebendig getrocknete Seesterne in allen möglichen Farben beziehen. Seesterne sind Massenware. Eine 100er-Packung ist bereits für unter fünf Euro erhältlich. Bei größeren Abnahmemengen halbiert sich der Preis.

Um die Arten zu bestimmen und dadurch die Herkunft der Wildfänge zu ermitteln, untersuchten die drei Tauchsportverbände 25 Kerzen mit Seesternen und Muscheln. Alle Kerzen wurden geschmolzen, die Seesterne und Muschelschalen sortiert. Hierbei zeigte man sich  vor allem über die großen Mengen an Muscheln überrascht, die teilweise 30 Prozent der Kerzen ausmachten und eher als Füllmaterial denn zur Dekoration dienten.

Die Bestimmung der Seesterne wurde dadurch schwieriger als vermutet. „Nicht, weil die Tiere in einem schlechten Zustand waren, sondern weil es an entsprechenden Experten fehlt, die sich mit tropischen Seesternen auskennen“, so Umweltreferent PD Dr. Ralph Schill vom VDST. „Weder an den Museen noch an den Universitäten wurden wir fündig. Letztlich teilte uns ein Kollege vom Smithsonian Naturkundemuseum in Washington (USA) mit, dass es sich um Archaster typicus, den Grabenden Seestern handelt.“ Diese Art lebt im westlichen Indischen Ozean und im Indopazifik in Tiefen von bis zu 60 Metern, meist aber an flacheren, sandigen oder mit Seegras bewachsenen Küstenabschnitten. Die Tiere haben fünf lange, langsam dünner werdende Arme und erreichen ausgewachsen einen Körperdurchmesser von bis zu 15 Zentimetern.

Archaster typicus wird besonders in den Philippinen in sehr großen Mengen einfach aus dem Meer gesammelt, da sich die Zucht aus wirtschaftlichen Gründen nicht lohnt. Sie werden vor Ort getrocknet und anschließend in die ganze Welt verschickt. Kaum einer weiß, dass zum Beispiel die rund ums Mittelmeer den Touristen angebotenen Seesterne aus Asien kommen.

Der VDST, TSVÖ und SUSV sind sich darin einig: Seesterne gehören nicht in Kerzen, sondern ins Meer, um ihnen bei Tauchgängen auf Augenhöhe begegnen zu können. Dasselbe gilt natürlich für alle getrockneten, lackierten und oft zu „Skulpturen“ zusammengeklebten Meerestiere und Schalen des so genannten Kuriositätenmarkts für Touristen. Verbraucher werden weiterhin darum gebeten, solche Produkte zu vermeiden und die meist unwissenden Händler solcher Waren direkt auf die Problematik anzusprechen.


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