TL werden auf Fuerte
oder „Das ist die perfekte Welle“
Im November des Jahres 2009 haben sich 5 TL3–, 15 TL2-, 2 TL1-Anwärter, 2 Assistenten und 7 Prüfer den weiten Weg nach Fuerteventura auf sich genommen, um ein bisschen Altlantikluft zu atmen. Zwei der TL3-Aspiranten sind die beiden Basisleiter Volker und Roland, die beiden TL1-Anwärter sind der glückliche- auf der BOOT ausgeloste - Prüfungsteilnahme-Gewinner Thomas und ich.
Der erste Tauchtag: Vorstellungsrunde in strukturierter Form – erst die Ausbilder, dann die Assis und danach der Rest im Uhrzeigersinn. Paul lässt es sich nicht nehmen, Heidi Klum auf dem grünen „Kunstrasen“-Laufsteg Konkurenz zu machen und erntet verdienten Applaus.
Im kuscheligen orangefarbenen Zelt, dass im Riesen-Partyzelt aufgebaut ist, weiht Theo uns in die Geheimnisse der TL-Ausbildung ein. Sein Thema:Vorbereitungstauchgang. Am Ende sind wir alle etwas entspannter. Wir wissen nun unter anderem, dass auch die soziale Komponente prüfungsrelevant ist.
Dann die 1. Hürde: Schwimmen mit Neo durch die Bucht von Caleta de Fuste. Ein Engelhai wird vom Hauptfeld aufgescheucht und schwimmt gemächlich unter mir durch. COOOL! Ganz nach dem Prüfermotto: Auch Abnahmen sollen immer Spaß machen.
Der 1. Tauchgang: Bei hoher See ist ein Bleischeck unmöglich, der Wasser-Nase-Reflex mutiert zur Nasenspülung. Das ist am Ende einigen zu viel, die sich prompt und mehrfach über die flache Bordwand erleichtern.
O-Ton des Basisleiters Volker: „Willkommen im Atlantik!“
Diverse Referate über die Tage verteilt, verkürzen unsere Wartezeit zwischen den TG`s, z.B.:
- wieso, weshalb und warum ist es möglich ohne Maske abzutauchen oder
- wie meistere ich mit nur einem LA zu zweit einen Aufstieg aus 40 Plus
Die Referatsthemen dürfen wir anschließend in der Praxis üben, üben und nochmals üben…. So finden wir uns händchenhaltend am Mooringseil ohne Maske wieder oder versuchen uns nach natürlichen Gegebenheiten zu orientieren, abgelenkt von Barakudaschwärmen, Stachelrochen und fetten Muränen.
Gut vorgemacht ist halb bestanden und so demonstrieren uns die Prüfer sowohl die Vor- und Nachbriefings, als auch Übungsteile, wie z.B. die neue Art zu retten.
Theo veranschaulicht uns anhand eines Simulationsopfers und eines menschlichen 12l Stahlflaschen-Dummies, wie schwierig die alte Lehrmethode war. Die neue von vorne, Rütteln, OK abfragen Fixierung und Inflatorbenutzung des Opfers bei gleichzeitiger Sicherung des LA`s erweist sich beim Nachmittags-TG als einfacher und praktikabler. Eine gute Entscheidung!
Am 2. Tag sieht Basisleiter Volker sich genötigt uns Bagger- und Bergseejunkies eine Kurzeinweisung ins Schlauchboot-Handling zu geben: LA-Gehänge vom Hals entfernen, rechte Hand ans Schlauchi, Blei reinreichen, mit linker Hand Schulterklipp lösen, Brust- und Bauchschnalle öffnen – das Jacket rutscht dann automatisch auf den rechten Arm und kann mithilfe der Bootscrew ins Gummiboot gehievt werden. Wieder was dazu gelernt.
Bevor es prüfungsmäßig ernst wird, zeigt Theo uns bei seinem Lieblingsthema „Seemannschaft“ diverse Möglichkeiten, den Palstek zu knoten: „Ihr müsst nur im richtigen Moment wissen, welchen Ihr nehmen müsst.“ Wohl war.
Bei der Gerätekonfiguration sind ab sofort Tannenbäume out, genauso wie furchenziehende 3kg Lampen und wilde Atemreglerschlauchführungen.
Die Prüfungen beginnen mit dem wiederfinden des Bootes, natürlich ohne Kompass. Die „Black und die White magic I“ – unsere beiden Tauchschlauchis - sind am TG-Ende umzingelt von lauter roten Bojen und einer weißen Doktor-Bernd-Boje. Ein schönes Bild.
Der Wechselatmungsprüfungsaufstieg aus größer 40m wird dank riesigem Sandaalfeld und dem vorbeiziehenden Bonitoschwarm für einige zum Tauch-Highlight.
Dann heißt es Retten und zwar demonstrativ. Alle Gruppen asten Ihr Opfer zum Boot. Es läuft wie am Schnürchen. Die Vorbereitungstage zeigen Wirkung. Konzept aufgegangen.
Nicht weniger wichtig: Die Weiterbehandlung an Land. Der sonst eher zurückhaltend wirkende DOC Bernd legt dem freiwilligen Infusionsopfer Theo einen Zugang und zeigt uns was alles nach einem Tauchunfall zu tun ist. Ein wirklich kurzweiliges, interessantes Medizinreferat.
Die Welle wird höher, die Sicht entsprechend schlechter; trotzdem ist sie immer noch 10 mal besser als im heimischen Baggersee. Auf dem Programm stehen Aufstieg ohne Flossenbenutzung und Simulation der Anfänger-ausbildung unter erhöhtem Umgebungsdruck. Bei 4 bar fluten wir Masken, wechseln Haupt-automaten und angeln sie wieder.
Der Ausstieg ins Schlauchi ist am Ende der Prüfungswoche die größte Herausforderung. Nun müssen die geübten Handgriffe sitzen. Alles unfallfrei rein ins Boot und zum Schluss mit der richtigen Welle selbst über den Wulst ohne sich die Rübe zu stoßen. Danach dem Nächsten helfen. Es läuft super. Wir sind eingespielt.
Meterhohe Welleberge rollen auf der Rücktour auf uns zu. Von allen Seiten schwappt Wasser in die „Black Magic I“. Die Lenzpumpen laufen auf Hochtouren. Etwas tiefergelegt, aber ohne Probleme erreichen wir den Hafen. Die Ansteuertonne der Hafeneinfahrt liegt hoch und trocken an Land. Wir haben Welle.
Damit fällt unser sehnsüchtig erwarteter beguideter Abschluss-Spaß-TG leider ins Wasser.
Der schwäbische Volker und der schwedische Roland, unsere sehr versierten Basisleiter, laden uns zur großen Abschlussparty ein. Untertitel: Elvis lebt. Er singt uns live seine Evergreens. Der Mob tobt. Doch das ist noch nicht der Höhepunkt.
Drei tanzende „Strandnixen“ mit wallendem Haar, Muschel-BH und Baströckchen verwandeln die Basis in eine Hexenküche. Theo, Paul und DOC Bernd schwingen Ihre Hüften zu den fetzigen Songs. Ein absolutes Highlight und ein sehr schöner Abschiedsabend, an dem „fast“ alle Ihre TL-Urkunde entgegen nehmen können.
Danke Volker, danke Roland und natürlich danke liebe Prüfer, allen voran Theo und Paul.
Der letzte Tag ist natürlich tauchfrei und steht für die meisten ganz im Sinne des Sightseeings. Mit dem Reisebus erkunden wir die ca. 20 Millionen Jahre alte Insel.
Wir fahren zu den Wanderdünen im Norden, anschließend besuchen wir Ziegen Pepe und lassen bei einem einmaligen 3-Gängemenü im Palmengarten eines Spitzenrestaurants die Seele baumeln. Eine rundum gelungene Tour.
Fazit: Wie sagte der Basisleiter Volker zu Beginn der Prüfungswoche sehr treffend zu mir: Eigentlich machen wir hier ja nix anderes, als unsere Erfahrungen auszutauschen….kann man nur hinzufügen: Das aber sehr erfolgreich.
Noch einmal Dank an alle, die zum Gelingen der TL-Prüfung auf Fuerte beigetragen haben. Ich glaube ich spreche im Namen aller, wenn ich sage: „Es hat riesigen Spaß gemacht.“
Jörn Lühr
DUC Lübeck





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