ABC  ABC
Tauchausbildung

Instrukteurs-Workshop

Die Instrukteure des Fachbereichs Ausbildung trafen sich auf Korsika zu einem Workshop, um neue Ausbildungsinhalte zu erarbeiten und auch gleich in der Praxis zu testen.

Der Leuchtturm der Landzunge Revellata wirft seine Lichtzeichen in die Bucht von Calvi, und darunter am Ufer deuten Lichter darauf hin, dass sich dort am Meer noch Gebäude befinden. Sonst ist ringsherum kein Zeichen der Zivilisation zu erkennen. An der Hauptstraße werden wir von Franz Brümmer abgeholt, der uns erläutert, dass diese Gebäude unser Ziel sind, die Station de Recherches Sous-marines et Océanographiques, kurz „STARESO“. Obwohl die Lichter so nah erscheinen, sei es noch etwa eine halbe Stunde Fahrt. Schnell stellten wir fest, warum: der einzige Weg dorthin war eine steinige unbefestigte Straße, die nur etwas mehr als Schrittgeschwindigkeit zuließ. Das sei bewusst so angelegt, damit keine Touristen zur STARESO kommen, erläuterte Franz Brümmer. Und so sollte es denn auch sein: abgeschieden vom Rest der Welt verbrachten wir eine Woche in schönster Naturlandschaft und unmittelbar am Meer, um uns intensiv mit der Erarbeitung oder Erneuerung von Ausbildungsinhalten und -richtlinien zu beschäftigen. Unterstützt und betreut wurden wir dabei von Prof. Dr. Franz Brümmer, Ralph-Walter Müller und Jennifer Tersteegen von der Uni Stuttgart, die schon öfter an STARESO waren und uns zusätzlich die Geheimnisse der Meeresbiologie vermittelten.

Zu Beginn stand dann gleich das Setzen der Boje auf dem Programm. Welche Boje ist von der Bauform geeignet und welche Art der Befüllung funktioniert gut? Idealerweise konnte dies gleich beim Tauchen ausprobiert werden. Befüllung der Boje mit dem Atemregler, mit der Luft aus dem Jacket oder mit der Ausatemluft, alles wurde getestet und funktionierte mehr oder weniger gut je nach Situation. Geübt wurden dann auch Standard-Ausbildungsinhalte wie Ventilmanagement, Simulation einer Luftnot mit Abgabe des Atemreglers oder das Setzen der Boje, während der Partner aus dem Hauptatemregler atmet. Recht schwierig aber machbar war dann das Setzen der Boje unter Wechselatmung.

Ein neues Thema der Tauchausbildung ist auch die Ermittlung des Umkehrdrucks, bei dem spätestens der Tauchgang zu beenden ist (vgl. sporttaucher 6/2017). Dies wurde für den konkreten Tauchgang zunächst rechnerisch ermittelt und dann auch in der Praxis getestet, indem bei Erreichen des Umkehrdrucks der Aufstieg unter Atmung von zwei Tauchern aus einem Tauchgerät erfolgte. Das funktionierte gut und zeigte auch, dass in den Annahmen zur Berechnung noch gute Reserven stecken.

Wie kann bei einer normalen Luftabfrage dem Tauchpartner unter Wasser kommuniziert werden, wie hoch der aktuelle Flaschendruck ist? Eigentlich eine ganz einfache Thematik, und doch ist die Zeichengebung hier recht uneinheitlich. Auch die Zeichengebung zur Anzeige der Dekompression erfolgt in der Praxis unterschiedlich, so dass hierzu Empfehlungen für eine einheitliche Kommunikation erarbeitet wurden.

Was wäre aber die gesamte Tauchausbildung, wenn wir nicht den Blick auf das Wesentliche, nämlich die Welt unter Wasser, richten? Welche Organismen leben im Mittelmeer, und welche davon haben wir beim Tauchen gesehen? Jeder Taucher sollte sich fünf Organismen merken, die ihm bis dato unbekannt waren. In gemeinsamer Runde wurde dann mit Hilfe von Franz Brümmer erarbeitet, um welche Arten es sich dabei handelte. Nicht nur die Fische, sondern auch die Bedeutung von Seegras, Algen, Schwämmen, Korallen und vielen anderen Organismen vermittelte Franz Brümmer in kurzweiliger und anschaulicher Art. Ralph Walter Müller erläuterte die Entstehung des Mittelmeers und gab Praxistipps, wie beim Spülen der Tauchausrüstung die Entstehung von Dolomit verhindert werden kann. Schließlich nahmen wir alle noch an einem Citizen-Science-Projekt der Organisation Cigesmed teil, indem bei Korallenvorkommen die Umgebung und die dort anzutreffenden Arten beobachtet und notiert wurden. Allen Teilnehmern wurde schließlich die erfolgreiche Teilnahme am Spezialkurs Meeresbiologie bestätigt.

Insgesamt brachte der Workshop viele Ergebnisse, die jetzt noch in die Tauchausbildungsvorgaben einzuarbeiten sind und dann auch kommuniziert werden. STARESO auf Korsika bot dazu ideale Rahmenbedingungen mit wunderschönen Tauchplätzen in unmittelbarer Nähe, hervorragender Verpflegung und einer gerade für das konzentrierte Arbeiten geeigneten Abgeschiedenheit.

Peter Bredebusch
TV Werne 03
VDST Fachbereich Ausbildung


Homepage STARESO   |   Video zu STARESO   |   Homepage Citizen-Science-Projekt