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Tauchausbildung

Impressionen TL1-Prüfung - HTSV - Hyères

Zum zwölften Mal in Folge veranstaltet der Hessische Tauchsportverband e.V. im Auftrag des VDST die TL1-Landesprüfung im VDST in Hyères/Südfrankreich. VDST-Urgestein und TL3 Hansi Hähner betreibt hier seit 13 Jahren den VDST-Divecenter Divin‘ Giens.

Die Tauchgründe gehören mit zu den Besten im gesamten Mittelmeerraum - Wracks und Fische satt säumen die anspruchsvollen Tauchspots. Getaucht wird ausschließlich mit Geräten mit getrennt absperrbaren Ventilen - so dass die Übungen des Tauchen im Kaltwasser zu Hause optimal angepasst werden können.


Hier ein täglicher Bericht der Teilnehmer Maike Kruse (Aurich) und Hendrik Simon (Bremen):


Tag 2

Tag 2, also der erste Tauchtag nach dem gestrigen Anreisetag, weckte uns mit einer steifen Brise aus Westen. Die Vorhersage für die Woche lautete „kein Wind und Sonnenschein“, heute allerdings war von ersterem zunächst wenig zu spüren. Der Tag startete allerdings drinnen mit ein wenig Theorie und wir hofften, dass der Wind in der Zeit nachlässt. Dominik informierte die Gruppe über die Themen "Sicherheit an Bord" und "Sicherheit im Wasser". Was für Aufgaben hat ein Tauchlehrer vom Dienst (TLvD)? Wie organisiert sich die Gruppe auf dem Boot? Was ist bei "Mensch über Bord" wichtiges zu beachten? Welche Signale wollen wir verwenden, damit wir uns auch unter Wasser verstehen? Neben den Regeln unter Wasser wurden auch Fachbegriffe auf dem Boot angesprochen: Es gibt keine Schnüre, sondern Seile und Tampen an Bord und "Abstandshalter" heißen bei Schiffen Fender! Nach der theoretischen Einheit folgte der Ausrüstungscheck. Unsere Geräte wurden zusammengebaut und von den Ausbildern auf VDST-konforme, optimale Konfiguration überprüft.

Im Anschluss gab es einen kleinen, typisch französischen Mittagssnack. Baguette, Käse und Salami. Dazu Oliven. Die Verpflegungsgruppe hat hier ganze Arbeit geleistet. Die praktische Einheit am Nachmittag sollte aus dem Schwimmtest und einem Eingewöhnungstauchgang bestehen. Dieser Plan musste aufgrund der Wetterverhältnisse spontan angepasst werden, da das Sicherungsschlauchboot es bei dem immer noch recht starken Westwind nicht um die Halbinsel schaffte. So wurde der Schwimmtest vertagt und es ging direkt unter Wasser. In vier Gruppen wurden auf engstem Raum Organisationsgeschick und Seefestigkeit getestet. Im Wasser wurde zuerst der Wasser-Nase-Reflex überprüft, sowie vor dem Abtauchen ein Bleicheck durchgeführt.

Nach einem entspannten Erlebnistauchgang durfte dann jeder Teilnehmer einmal das Setzen einer Boje üben. Dies war für viele Teilnehmer ein zweiter Bleicheck und auch dass das Boot dabei im Blick behalten werden sollte, wurde uns nochmal bewusst. So gab es dann am Ende doch noch einen kleinen Schwimmtest. Zurück auf dem Campingplatz wurde der Tag mit dem obligatorischen Debriefing und dem üppigen Abendessen beendet.

 
 

Tag 3 - Das erste Wrack

Kein guter Tag zum Surfen, dafür umso besser für unsere Tauchgänge. Kein Wind mehr, aber noch ein Rest Dünung, also immer noch wackelig auf dem Boot. Kurze Theorie zum Thema Wracktauchen und dann geht‘s los zur Michele C.  Aufgrund der kurzen Anfahrt wird alles Gerödel im Hafen erledigt, fast startklar zum Tauchen legen wir am Vormittag bei strahlendem Sonnenschein ab.

Das Wrack liegt mit maximaler Tiefe von 40m recht tief, daher ist die Grundzeit eingeschränkt. Vor allem wenn beim Abstieg gegen die Strömung und beim Bubblecheck getrödelt wird. Kann ja nicht jeder so schnell sein wie Dirk Michaelis, der beim Festmachen der Boje vom Grundgewicht gezogen nur 40 Sekunden von seiner Grundzeit für den Abstieg verschwendete. Das Schiff ist vor über 100 Jahren gesunken, so dass große Teile bereits zerfallen sind. Schöner Bewuchs und viele Fische jeder Größe machten den Tauchgang zu einem Erlebnis. Nach Boje setzen auf dem Deepstop und einer kurzen Deko ging es zurück zur Basis.

Für den Nachmittag waren weitere Übungen geplant. Ventil- und Luftmanagement sowie nochmaliges Boje setzen standen neben natürlicher Orientierung auf dem Programm. Am Tauchplatz "Escampo" ankerte die Ar'guevel geschützt in einer Bucht. Nach dem obligatorischen Bubble-Check und dem Ventilmanagement wurde entlang der Felsen nach Westen getaucht. Zu sehen waren wunderschöne Wände mit Gorgonien, viel Fisch und einem Oktopus. Zurück durch den Kamin ging es im Flachbereich gegen die starke Strömung aus Osten zurück in die Bucht. Die von oben beobachteten Bojen standen mittlerweile auch schon ganz gut. Ausstieg, abrödeln, zurück zur Basis, Debriefing, Abendessen und ein voller Tag  neigt sich dem Ende. Es werden wohl alle stickstoffhaltige Träume haben.

 
 
 

Tag 4

Wir bekamen Besuch: Christoph Schmied vom Ausbildungsstab der CMAS Schweiz nimmt nun an der Prüfung als Gast teil. Im Rahmen der Arbeitsgruppe DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz) zur Vermeidung von Kaltwassertauchunfällen, sind in den letzten Jahren gute Kontakte der deutschsprachigen CMAS Verbänden entstanden.

Prüfungstag! In La Gabiniere! Einem der schönsten Tauchplätze im Mittelmeer. Und das bei optimalen Wetterbedingungen. Weder Wind noch Welle! Käptn Hansi berichtet wie Port Cros dem französischen Staat geschenkt wurde, mit der Auflage dort ein Naturschutzgebiet einzurichten. Das Naturschutzgebiet umfasst auch einen großen Teil des umliegenden Meeres. Hier darf nicht gefischt und nur unter strengen Auflagen getaucht werden, was für eine große Fischpopulation gesorgt hat. Es wird zum Beispiel nicht Nachts getaucht, damit die Zackenbarsche sich fortpflanzen können.

Aufgrund der Prüfungssituation ist auf dem Boot dennoch eine leichte Anspannung bei der knapp anderthalbstündigen Anfahrt zu spüren. Auf dem Programm stehen zwei Prüfungstauchgänge. Erlebnistauchgänge mit integrierten Aufgaben. Tauchgang eins bringt uns auf Tiefe (Solltiefe 45m+). Zu sehen gibt es unter anderem Zackis, Muränen und Barrakudas. Anschließend werden im Flachbereich Luft-Not-Situationen mit kleinen Apnoe-Anteilen durchgeführt. Nach wiederfinden des Tauchbootes werden
beim Boot wieder jede Menge Bojen gesetzt.

Die Mittagspause auf Port Cros umfasst ein 3-Gänge-Menü mit Blick auf einen malerischen Hafen. Als geklärt war, wer keinen Fisch oder kein Fleisch oder doch alles ißt, gab es für die alle, die passenden Gerichte. Zum Beipiel Lachs, vermutlich nicht aus der Region. Nach dem obligatorischen Kurzreferat ging es wieder aufs Boot.Auch der zweite Tauchgang des Tages führt uns wieder nach La Gabiniere an den gleichen Einstieg. Diesmal aber in die andere Richtung nach Süden. Auch hier gab es wieder einiges zu sehen. Auf dem Programm stand Luft- und Ventilmanagement. Die angehenden TLs sollten alle mit dem gleichen Restdruck am Boot ankommen und demonstrieren, dass sie auf einen Vereiser am Hauptatemregler selber reagieren können und in derLage sind, das Ventil zu schließen. Mit großer Verspätung erreichen wir die Basis. Nach dem gewohnt gutenAbendessen gab es nur ein knappes Debriefing.


Tag 5

Schwimmtest! Das Boot ist repariert, damit steht dem Fitnesstest nichts mehr im Weg. Vor dem ersten Tauchgang springen die TL-Anwärter zirka 1000m vor dem Ankerplatz ins Wasser und legen den Rest der Strecke mit Hilfe der Flossen zurück - natürlich im dickem Neopren oder auch im Trocki, wäre ja sonst langweilig! Alle kommen nach mehr oder weniger Zeit am Boot an und werden entweder von den Ausbildern gelobt oder erhalten vom Rest der Gruppe Applaus, dafür, dass sie doch noch angekommen sind. Trockis sind für solche Dinge leider nur nach vorherigem Praxistest geeignet.

Am Tauchplatz angekommen ist erstmal verschnaufen angesagt. Danach steht die Demonstration der Rettung eines verunfallten Tauchers auf dem Programm. Zunächst demonstrieren die TL-Anwärter, wie sie die Rettungsübung einem Tauchschüler zeigen, dann müssen sie selber einen bewusstlosen Taucher kontrolliert an die Oberfläche und anschließend auf das Tauchboot bringen. Tauchmediziner Dirk steht an Deck bereit, um fachspezifische Fragen zu stellen.

Nach dem Mittag geht es dann erneut zum bereits vorgestern betauchten Tauchplatz "Escampo". Die Aufgabe bestand darin möglichst viel zu sehen und den Weg zurück zum Boot zu finden. Eine einfachere Aufgabe im Vergleich zu den vorherigen. So kamen am Nachmittag dann alle Gruppen zu einem schönen, entspannten Tauchgang. Gesichtet wurden Drachenköpfe, Oktopusse, Muränen, Conger, riesige Nacktschnecken und vieles mehr. Zum Abschluss fanden dann noch einige Übungen statt. Wechselatmung, Notfallatmung und das obligatorische Boje setzen wurden ein weiteres Mal geprobt und es gab wieder wertvolle Tipps der Ausbilder.

Zur Belohnung nach den anstrengenden Schwimm- und Rettungsübungen gab es Burger und ein Prosit auf unser Geburtstagskind Jürgen.

 
 
 
 

Tag 6

Am Abend stieß ein weiterer Gast zur Gruppe hinzu. Steffen Scholz, TL4 im VDST und Mitglied der Technischen Kommission der CMAS weltweit, nutzt die Tage zur Einstimmung auf die bevorstehende VDST-Trainingswoche für TL4 in Korsika ab dem 14. Oktober. Doch zunächst zu den weiteren Tauchgängen.

Tauchgang an der „Donator“! Lange erwartet, nun ist es endlich soweit. Eins der schönsten Wracks im Mittelmeer steht auf dem Programm und alle sind voller Erwartung was der Tauchgang mit sich bringen wird. Alex gibt ein kurzes Briefing zum Wrack am Morgen, danach geht es zügig los. Für Aufrödeln und Briefing der einzelnen Tauchgruppen ist während der 45 minütigen Anfahrt ausreichend Zeit.

15 Minuten Grundzeit sind als Maximum geplant, eigentlich viel zu wenig für dieses schöne Wrack. Bei 50m Maximaltiefe aber auch sinnvoll. Ein schneller Abstieg muss schon sein, um möglichst viel Zeit am Wrack zu haben. Das schaffen auch alle Gruppen. Unten angekommen ist das Wrack vor lauter Fischschwärmen kaum zu sehen. Die Schiffswände sind vollerGorgonien, ein toller Anblick. Der Besuch der Schraube ist obligatorisch. Während des Tauchgangs muss auf Anweisung des Ausbilders jeder Taucher einmal einen Knoten stecken, um die Auswirkungen der Tiefe zu demonstrieren. Nach 15 Minuten muss nach viel zu kurzer Zeit der Tauchgang beendet werden. An der Leine wird die Deko abgesessen, dann geht es zurück zum Mittagessen.

Am Nachmittag steht dann noch einmal Wechselatmung auf dem Programm. Während eines Tauchgangs am "OK-Felsen" demonstrieren die angehenden TLs auf Zeichen des Ausbilders die Wechselatmung. Währenddessen zeigt sich die Cote d'Azur auch hier wieder von ihrer besten Seite. Muränen, Goldstriemen, Zweibandbrassen und Gorgonien gibt es auch hier zu bewundern. Das obligatorische Boje-setzen darf am Ende des Tauchgangs natürlich nicht fehlen. Am Abend berichtet Christoph Schmied, TL4 von der CMAS Schweiz, noch, wie die TL-Ausbildung in der Schweiz abläuft. Ein interessanter Blick über den Tellerrand.


Das Finale - die Abschlusstage

Der letzte Tag der TL1-Prüfung startet mit der für uns freudigen Nachricht, dass es erneut zur Donator geht. Die Vorfreude auf dieses tolle Wrack ist beim Ablegen am Kai auf dem gesamten Boot zu spüren. Die Teams rödeln sich mittlerweile wie selbstverständlich auf engstem Raum an und auch die Briefings werden kompakt gehalten. Alles, was nötig ist, wird klar und kurz angesprochen, alles, was überflüssig ist, nicht. Der Lerneffekt der Woche macht sich deutlich bemerkbar.

Der Weg zum Wrack startet aber zunächst mit ein bisschen Aufregung. Einer der Ausbilder geht - natürlich absichtlich - über Bord und es wird ein vorbildliches MOB-"Mensch über Bord"-Manöver gefahren. Am Tauchplatz angekommen sind bereits 25 Taucher eines anderen Tauchbootes am Bug der Donator am Tauchen, so dass wir uns auf das Heck konzentrieren. Unter Wasser bietet sich ein fantastisches Bild. Schwärme von Brassen, dazwischen Zackis. An den Wänden und in den Laderäumen ein wunderschöner Bewuchs. Die leichte Strömung sorgt für fantastische Sichtweiten. Die Gruppenaufgabe ist diesmal die sichere Erkundung der Laderäume und die exakte Einhaltung der berechneten Vorgaben für Tiefe und Zeit und der Dekompressionsvorgaben, sodass alle Taucher der Gruppe mit 50bar zurück an Bord sind.

Zurück auf der Basis verkündet der Prüfungsleiter Frank Ostheimer die für uns erlösende Nachricht, dass alle Teilnehmer bestanden haben. Die Freude ist natürlich groß. Nach dem Gruppenfoto bei strahlendem Sonnenschein geht es dann zum abschließenden Spaßtauchgang. Der Tauchplatz "Les Grottes" ist zur Abwechslung mal relativ flach - Maximaltiefe 10m. Es gibt insgesamt vier relativ große Grotten in die hineingetaucht werden kann. In den Grotten gibt es Krebse, Hummer, einen riesigen Conger, einen sehr scheuen Zacki, Garnelen, wunderschöne Felsformationen und vieles mehr. Selbst eine Seenadel ließ sich blicken. Ein super Abschlusstauchgang.

Elf Ausbildungs- und Prüfungstauchgänge liegen nun hinter uns. Am Abend werden dann feierlich die Urkunden überreicht und Poseidon schaut vorbei, um die frischgebackenen TLs zu taufen. Eine sicher anstrengende, aber sehr erfolgreiche Woche geht zu Ende. Vielen Dank an das gesamte Ausbilderteam des HTSV für diese lehrreichen Tage und die tollen Tauchgänge! Das vorher gesteckte Ziel der Ausbildercrew, dass wir alle viel dazu lernen und dass wir dabei Super Tauchgänge machen und auch viel Freude dabei haben, wurde voll erreicht. Auch das Konzept der Hessen, dass wir hier mit der eigenen und somit absolut gleichen Ausrüstung wie in unseren Seen tauchen, in den wir nun ausbilden, hat uns viel gebracht. Merci dafür!!

Texte: Hendrik und Maike
Bilder: Andreas Oest, Frank Ostheimer, Stefan Eilers, Peter Leopold


Wir gratulieren den neuen VDST/CMAS Tauchlehrer 1:


Karl Heinz Donhauser, Frankfurt

Stefan Eilers, Aurich

Fabian Friese, Hannover

Sabine Gärtner, Marburg

Dominik Hartmann, Alzenau

Maike Kruse, Aurich

Alexander Perry-Saßmannshausen, Wetzlar

Jürgen Scharrenbach, Laubach

Jan Schlichting, Itzehoe

Hendrik Simon, Bremen

Fabian Tann, Gießen

Martin Thies, Kessin

Yannic Weigl, Obertshausen

 

Euch allen schöne und sichere Ausbildungstauchgänge!


Ein besonderer Dank geht an die Crew des VDST Divecenter „Divin Giens“ Hansi Hähner und Horst Wirtz sowie an die Ausbildercrew: die VDST TL3 Andreas Brandl, Carsten Schneider, Andreas Stramka und Dirk Michaelis.

Vielen Dank auch an Christoph Schmied von der CMAS Schweiz für seinen Besuch und den netten Erfahrungsaustausch.

Frank Ostheimer, Leiter der Prüfungskommission