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Tauchausbildung

Impressionen zur TL2 / TL3 Prüfung in Gulen / Norwegen

1. VDST Bundesprüfung für VDST Tauchlehrer 2 und 3 in Gulen (Norwegen)

Norwegen gehörte (bisher) nicht gerade zu den ersten Adressen für deutsche Taucherinnen und Taucher - so war die Reaktion im Ausbildungsstab auch eindeutig: „Da bekommst du keine Teilnehmer“ -  es kam aber ganz anders: Die Prüfung war nach der Veröffentlichung in Kürze ausgebucht. Ziel war, Tauchlehrer im Trockentauchanzug auf hohem Niveau auszubilden - so wie sie dann auch in unseren Seen tatsächlich VDST Ausbildung betreiben - und dabei noch ausgezeichnete Wracks zu erleben. Gulen gehört weltweit zu den Top Tauchspots. Auch bei den Ausbildern setzen wir nur Profis im Kaltwasser ein - so VDST TL3 Peter Leopold, der als Biologe und Staatlich anerkannter Forschungstaucher seit fünf Jahren in Tromsö/Nordnorwegen lebt und arbeitet, sowie TL4 Hagen Engelmann und  TL3 Dirk Michaelis. Für die ärztliche Betreuung konnten wir Konrad Meyne gewinnen. Die fünf TL3 Anwärter haben alle Sonderaufgaben, die in den Tagesberichten unten folgen. 

 

Hier nun die Tagesberichte der Teilnehmer

Mit sportlichen Grüßen

Frank Ostheimer

 

 

30.06.2019 - Tag 1 : Schwimmübung und 1. Übungstauchgang im Sogne Fjord

Premiere!

TL2/TL3-Bundesprüfung in Norwegen - Tief, Kalt, Trocken (zumindestens im Wasser)

Da alle 13 TL-Anwärter aufgrund der riesigen Vorfreude, in Norwegen tauchen zu gehen, bereits am Samstag im Gulen Dive Resort angekommen waren, begann die Bundesprüfung bereits am Sonntagnachmittag.

Prüfungsleiter Frank Ostheimer eröffnete den Lehrgang mit einem Gruß auf Norwegisch an die Inhaber des Gulen Dive Resorts Monica und Orjan und ihre Mitarbeiter. Anschließend stellten sich der weitere Ausbilderstab und die Teilnehmer sowie Gäste vor.

Bei widrigen Wetterbedingungen mit Regenschauer und Wind (auch „schwerer Nebel“ genannt) wurde die obligatorische Schwimmübung über 1000m Schnorcheln gestartet. Im Wettrennen mit den Feuerquallen und Gezeiten haben alle Teilnehmer die Aufgabe souverän bestanden. Die Wassertemperatur von 17°C war kein Hindernis, da allen Tauchern kuschlig warm wurde.

Anschließend konnten sich alle Teilnehmer beim 1. Übungstauchgang am Hausriff mit den örtlichen Gegebenheiten, dem Salzwasser und ihrer aktuellen Tauchkonfiguration vertraut machen.

Morgen geht es dann unter dem Lehrgangsmotto: „Lernen, Lachen, Schwitzen“ zum ersten Wrack, der FRANKENWALD - ein 120m langer Frachter.


Text: Uwe Etzien, Dirk Preuß

Fotos von: Frank Ostheimer, Gulen Dive Resort

 

 


01.07.2019 - Tag 2

In Norwegen sind die Sommernächte lang. Das gilt auch, wenn der Sommer ausbleibt.

Nachdem der erste Tag eher beschaulich verlief, zeigte sich das Wrack-Traumrevier Norwegen heute von seiner rauen Seite. Trotz schweren Nebels (siehe gestern) stand das Wrack der „Frankenwald“ auf dem Programm für den ersten Tauchgang. Nach einem lebhaften Geschichtsvortrag von Basis-Guide „Guido“ verteilten sich die Teilnehmer auf die beiden Boote der Basis. Mit dem RIB „Pirat“ und der Motoryacht „Viking Fjord“ ging es mit teilweise 35 Knoten zum Ort der Havarie vor knapp 80 Jahren. Das imposante Wrack liegt ideal in einem Tiefenbereich von 25-44 Metern und bietet eine wunderschöne Kulisse für anspruchsvolle Tauchgänge. Das Setzen einer Boje im strömenden Freiwasser gehört hier ebenso zur Tagesordnung wie Deko und fortgeschrittenes Gasmanagement.

Der Nachmittag startete mit Vorträgen zum Auffrischen der wichtigsten Kenntnisse zur HLW durch unseren erfahrenen Arzt Konrad Meyne und dem ersten TL3 Thema von Georg Schmitt aus dem Höhlen- und Grottentauchbereich - zum Legen, Reparieren und Nutzen von Leinen bei Null-Sicht. Das aus der Höhlentaucherei gewonnene Wissen kann auch dem Sporttaucher einen deutlichen Sicherheits- und Komfortgewinn verschaffen. Nach ersten Trockenübungen wurden die neu erworbenen Kenntnisse in die Praxis umgesetzt. Beim zweiten Tauchgang am Hausriff der Basis konnten die Tauchergruppen die Fertigkeiten vertiefen und durch ausprobieren den eigenen Erfahrungsschatz erweitern. Hier wurde der neue „Workshop-Ansatz“ hervorragend umgesetzt. Die Leinenübung empfanden alle Teilnehmer als einen echten Gewinn. Entsprechend ausführlich und lebhaft vielen die Nachbriefings aus.

Beim Anblick des über 120m großen Wracks der FRANKENWALD hatten alle Taucher das Gefühl, noch lange nicht alles gesehen zu haben und freuten sich deshalb auf den morgigen ersten Tauchgang, der uns wieder dorthin führen wird.

Text: Erik Gutzmann, Oliver Pfeiffer

 

02.07.2019 - Tag 3

Der neue Tag hielt zunächst einen Theorie-Einschub für uns bereit. Konrad Meyne mit Unterstützung von Dirk Michaelis verstanden es durch ihre lange Erfahrung im Bereich der Tauchmedizin, uns die Wichtigkeit eines VDST-Tauchunfall-Protokolls näher zu bringen und eindrücklich dessen Vorteile bei der Behandlung von verunfallten Tauchern zu zeigen. Danach konnten die tags zuvor erneut ermittelten Atem-Zeit-Volumina in einem weiteren Theorieblock dazu benutzt werden die Atemgasplanung für den anstehenden Tauchgang in einzelnen Teams durchzuführen. Sozusagen die „Hausaufgaben“ für uns Taucher, um einen Tauchgang mit dem sicheren Gefühl anzugehen, immer genug Gas zur Verfügung zu haben.

Auch heute brachten uns das RIB „Pirat“ und die Motoryacht „Viking Fjord“ wohlbehalten zum Wrack der Frankenwald.

Der schwere Nebel hatte sich gelichtet und gab den Blick auf einen weiß-blauen Himmel frei.  Damit war klar, dass wir die Frankenwald unter besten Vorzeichen erreichen würden. Auch unter Wasser war es dann nicht weiter verwunderlich, dass sich hier ein klarer Blick auf die am Vortag noch in leichten Nebeln liegenden Räume, Lager und Decks auftat. Eindrucksvoll präsentierten sich uns die verbliebene Ruderanlage, Teile des Maschinenraumes und auch die bereits vor Jahrzehnten um ihre Schraube beraubte Antriebswelle. All das vermittelte eine fast schon melancholische Sicht auf dieses ehemals in Hamburg vom Stapel gelaufene Schiff, das nun nur noch als Altmetall auf dem Grund der See liegt.

Beim folgenden Aufstieg vom Wrack traten wir dann den praktischen Beweis dafür an, dass wir unsere Hausaufgaben auch richtig gemacht hatten. Denn der Taucher, der als ersten seinen vorher bestimmten Umkehrdruck erreicht hatte, musste nun noch zusätzlich einen weiteren Taucher aus seinem Team mit Atemgas versorgen, um den Totalausfall der Gasversorgung des nun wieder mit Gas versorgten zu simulieren.

Der Nachmittag berichtete Frank über Unfälle im Umgang mit Sauerstoff und über Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Booster“. Der weitere Nachmittag war geprägt durch das TL3 Thema von Kerstin Reichert: „Tauchen an Leinen“. Wir konnten uns dem Tauchen mit Signal- und Handleinen sowohl theoretisch, als auch ganz praktisch in unserem Hausfjord nähern. Diese Art zu tauchen wird im Bereich des Sporttauchens zum Eistauchen eingesetzt, hat jedoch auch bei eisfreien Gewässern eine große Verbreitung bei Forschungs-, Rettungs- und Bergungstauchern. Was uns der nächste Tag wohl bringen wird?

Text: Carsten Hutmacher

Fotos von: Frank Ostheimer, Kerstin Reichert, Gulden Dive Resort

 

 

 

03.07.2019 - Tag 4

Bedeckt, regnerisch, sonnig. Das Wetter hält im Laufe eines Tages hier alles für uns bereit. Der Morgen startet wie gewohnt mit einem Kurzvortrag zum Übungsteil des ersten Tauchgangs: Gasmanagement. Die gesamte Gruppe soll mit dem gleichen Restdruck aus dem Wasser kommen. Danach folgt wieder ein spannendes Briefing von Tauchbasis TL Guido zum Ziel des heutigen Vormittagstauchgangs. „Ferendale“ und „Parat“ stehen auf dem Programm. Zwei Wracks, die direkt nebeneinander liegen. Die „Ferendale“ nahezu senkrecht an einem Felsen von 7m bis 45m, direkt daneben auf dem Grund auf 60m die kleinere „Parat“, die beim Versuch, die „Ferendale“ freizuschleppen, gesunken ist. Zieltiefe ist 50m plus. Mit "Pirat" und "Viking Fjord" geht es gewohnt zügig und komfortabel zum Ziel und es folgt ein unglaublich schöner Tauchgang. Zwei tolle Wracks, sehr gute Sichtweiten und ein entspanntes Austauchen bis auf den ersten Dekostopp am Wrack. Dieser gestaltet sich besonders schön, da im flachen Bereich auf den Algenblättern einige Nacktschnecken und Fische zu bestaunen sind. Natürlich war der Klassiker "Boje setzen" für alle Teilnehmer wieder dabei.

 Der Nachmittagsblock startete mit einem Vortrag von Frank Ostheimer zum Thema Kaltwasserunfälle. Hier wurde besonderes Augenmerk auf die ausschlaggebenden Unfallfaktoren gelegt, um diese zu kennen und somit zu Vermeiden. Eine wesentliche Erkenntnis: Kompromisse sind unter Wasser gefährlich: "eigentlich ..." und "normalerweise ...“ führen zu Unfällen.

 Weiter ging das Programm dann mal wieder mit einem für die meisten komplett neuen Thema: Tauchen mit Vollmasken. Julian Ostheimer gab eine kurze Einführung in das Handling von Vollmasken und dann ging es an den experimentellen Praxisteil. Ziel war das Tauchen mit Vollmaske kennenzulernen und Unterschiede zum Tauchen mit normaler Maske und Probleme im Handling anhand einiger Übungen zu beschreiben. Diese fließen in den VDST SK „Tauchen mit Vollmaske“ ein. Hier war der Schwerpunkt auf die Luftspende des Vollmaskentauchers an einen Taucher ohne Vollmaske gesetzt.

 Bei der allabendlichen Tageszusammenfassung wurden viele Erkenntnisse und Eindrücke für den kommenden "SK Vollmaske" zusammengetragen und auch das Für und Wider der einzelnen Masken aufgezeigt. Grundsätzlich war das Erlebnis für alle positiv und spannend. Gerne wieder!

 Wir sind gespannt auf den morgigen Tag und überlegen, dieses Mal die Bojen mit Helium zu setzten, dann stehen sie auch ordentlich! ;)

 

Text: Florian Kustermann und Hendrik Simon

Fotos von: Peter Leopold, Frank Ostheimer, Gulen Dive Resort

 
 
 

04.07.2019 - Tag 5

Norwegen überraschte uns heute mit Sonne und die Prüfer mit der Aufgabe, im Flachwasser unter Wechselatmung die Boje zu setzen. Dazu besuchten wir das Wrack „Tyrefjord“. Das Wrack liegt in 37m Tiefe und auch zu diesem Wrack wurde uns wieder eine interessante und unterhaltsame Geschichte zum Untergang von Basis TL Guido erzählt. Das Wrack liegt aufrecht auf dem Grund, wurde aber über die Zeit von Sediment teilweise bedeckt. Deutlich zu erkennen war der Trefferschaden durch die Alliierten auf der Steuerbordseite. Am Heck befindet sich noch das Notsteuerrad, das perfekt erhalten ist und wunderbar mit durchsichtigen Seescheiden bewachsen ist. Die Sichtweiten waren im Flachbereich eher bescheiden, besserten sich aber in der Tiefe deutlich. Nach absolvieren der Dekostopps ging es mit der Übung los. Da dieses Wrack weiter entfernt war, verlängerte sich die Fahrt dorthin, was zur Verschiebung des nachmittäglichen Blocks führte.

Am Nachmittag ging es weiter mit dem Vortrag von Falko Höltzer, der die Besonderheiten des Rebreathertauchens in Verbindung mit gemischten Tauchgruppen erklärte. Wie versorgt ein Rebreathertaucher einen Tauchpartner mit Luft und umgekehrt? Diese Besonderheiten wurden im drauffolgenden Tauchgang praktisch geübt, wobei sowohl der „offene“ als auch der Rebreathertaucher die „ohne Gas Situation“ simulierten.

Zuvor wurde die Verbringung eines verunfallten Tauchers an Bord eines Schlauchboots mit verschiedenen Techniken geübt und die Rettung eines verunfallten Tauchers an die Oberfläche.

Bei der Tageszusammenfassung, die wir bei Sonnenschein um 22:00 Uhr auf der Terrasse der Tauchbasis durchführten, wurde die Wichtigkeit der korrekten Briefings in gemischten Tauchgruppen betont.

Morgen geht es mit einem ähnlich Interessanten Thema weiter, das sich um Kaltwassertauchen dreht.

 

Text: Falko Höltzer

Fotos von: Florian Kustermann, Frank Ostheimer

 
 

05.07.2019 - Tag 6

Norwegen begrüßte uns heute mit blauem Himmel und Sonnenschein. Unsere Schiffe „Viking Fjord“ und „Pirat“ brachten uns morgens an das Doppelwrack „Ferendale“ und „Parat“. Als anspruchsvolle Übung für die Sicherheit bei Tauchgängen in kaltem Wasser trainierten wir den Umgang bei gleichzeitigem Verlust von Maske und Regler. Ein Situation, die immer wieder passiert, wenn ein Taucher den Flossen eines Tauchpartners zu nahe kommt. Bei dieser Übung greift die rechte Hand unter dem Mitteldruckschlauch des Hauptreglers hindurch und nimmt Maske und Regler gleichzeitig vom Gesicht. Das Wiedererlangen von Regler und Maske sowie das Aufsetzen und Ausblasen der Maske erfolgt einhändig – die andere Hand bleibt so immer frei zum Festhalten von Leine oder Mittaucher.

Auch am Nachmittag standen die Themen Atemregler-Vereisung und Ventilmanagement auf dem Programm. Frank Ostheimer gab einen Einblick zu den Hintergründen der VDST Ausrüstungsempfehlung und Fabian Möller berichtete vom Feldtest (Vereisungstest) neuer Kaltwasseratemregler in Hemmoor. Beim anschließenden Tauchgang wurde das Verschließen des rechten Ventils sowohl in Ruhe, als auch im Blasenschwall eines abblasenden Reglers und nach einer schnellen Schwimmstrecke mit schneller Atmung durchgeführt – eine typische Situation für eine Vereisung. Auch diese Übung erfolgte im austarierten Zustand mit gleichzeitiger Aufmerksamkeit für die Tauchgruppe.

Zur Abschlussrunde am Abend erklärte uns Konrad Meyne den neuen VDST Neurocheck. Uwe und Fabian ließen den Tag Revue passieren und fassten die wesentlichen Erkenntnisse und Ereignisse in gemütlicher Runde zusammen.

Morgen folgt der letzte Wracktauchgang.

 

Text: Fabian Möller

Fotos: Peter Leopold, Gulen Dive Resort, Fabian Möller

 

 


06.07.2019 Tag 7 - Der Abschluss

„Eine wunderbare Woche geht zu Ende – wir haben alle unendlich viel hinzu gelernt und wir können dem VDST nur empfehlen, diese Art der Tauchlehrerausbildung unbedingt beizubehalten....“ so drückte es Uwe Etzien aus Rostock als Sprecher der Teilnehmer aus.

Am Vormittag stand noch das Wrack der „Bandak“ auf dem Programm: ein Schlepper mit 38 m Länge, der auf der Steuerbordseite direkt am Fels liegt – ein wunderbarer Abschlusstauchgang. Die TL3-Anwärter hatten sich für dieses Wrack besondere Übungen ausgedacht; u.a. das Erkunden des Wracks und das Zählen der Spanten sowie die Prämierung des besten Abschlussbildes unter Wasser.

Wir gratulieren zur bestandenen Praxisprüfung:

zum VDST TL3: Fabian Möller und Georg Schmidt (NRW), Julian Ostheimer (Hessen), Falko Höltzer (Sachsen)

zum VDST TL2: Dominik Hartmann (Hessen), Oliver Pfeiffer und Horst Erik Gutzmann (SH), Carsten Hutmacher (Baden), Dirk Preuß (Sachsen), Florian Kustermann (Niedersachsen), Hendrik Simon (Bremen), Uwe Etzien (M-V)

Ein besonderer Dank geht an:

-  die Ausbildercrew: Dirk Michaelis, Hagen Engelmann und Peter Leopold - der extra aus Tromsö (Nordnorwegen) angereist war und mit die weiteste Anreise hatte....

-  an Konrad Meyne für die medizinische Betreuung und

-  an die Basiscrew: Monica, Oerjan, Isabel, Katrin und Basis VDST TL Guido.

-  und an Peter Krause von der VDST Geschäftsstelle für die Unterstützung des Blogs.

 

„Es schreit nach Wiederholung!“

 

Mit sportlichen Grüßen

Frank Ostheimer

Leiter der Prüfung

 

Fotos: Basis TL Guido, Gulen Dive Resort, Falko Höltzer, Frank Ostheimer

 
 
 

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