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Tauchausbildung

Impressionen Tauchlehrer-Prüfung - Hyeres

Die zweite Praxisausbildung und -prüfung für Tauchlehrer ** und Tauchlehrer *** 2015 findet in Hyeres statt.
Hier aktuelle Bilder und Berichte von dieser Veranstaltung


Freitag 22.05.2015 - Ankunft


Trotz der teils weiten Anreise mit Unter aus dem Norden Norwegens schafften es alle 13 Teilnehmer, 5 Prüfer und ein Arzt pünktlich zur Begrüßung auf Hansis Tauchbasis im schönen Süden Frankreichs. Nach dem Bezug der Unterkünfte auf dem Campingplatz Camping International und einer kulinarischen Stärkung ging es früh ins Bett um ausgeschlafen in die bevorstehende Prüfungswoche zu starten.


Samstag 23.05.2015


Frisch und erwartungsvoll ging es pünktlich um 10.00 Uhr mit der offiziellen Begrüßung und den Referaten über „Seemannschaft“, „Verhalten über und unter Wasser“ und „Seekrankheit“ los. Den Vorschlag der Ausbilder den SK „Problemlösen unter Wasser“ mit in den Kurs zu integrieren fand die Zustimmung aller Teilnehmer. Das Gute daran für uns: Alle TL**-Anwärter erhalten ihre Abnahmeberechtigung für diesen SK mit erfolgreich bestandener TL Prüfung. Nach einem Mittagsimbiss á la française (mit landestypischen Weizengebäckstangen) - der Rotwein musste noch bis nach dem Tauchen warten - ging es gestärkt auf unser Tauchboot, die Ar’Guevel. Auf dem Weg zum Tauchplatz wurden wir für das allseits beliebte Streckenschwimmen über 1000 m abgesetzt. Nachdem alle Teilnehmer erfolgreich die Tortur im überraschend kühlen Nass (16 °C) überstanden hatten, wartete nun endlich unser erster Tauchgang auf uns! Auf dem Programm stand Maske absetzen und ein Aufstieg unter Wechselatmung bis auf 5 m. Zusätzlich als Kür wurde ein Teil des SK „Probleme lösen“ integriert: Einhändiges Ab- und Aufsetzen der Maske.

Beim Aufstieg kam als neue, experimentelle Übung das setzen der Boje unter Fortführung der Wechselatmung hinzu. Zur Überraschung aller Versuchskaninchen reckten doch die meisten Bojen ihre rote oder gelbe Brust stolz weit über die Wasseroberfläche, während die Tiefenvorgabe gut gehalten werden konnte. Wird diese Übung ein neuer Standard in der TL** Ausbildung?


Sonntag 24.05.2015


Es ist ein sonniger Sonntagmorgen in Südfrankreich, aber an Beine Hoch legen ist nicht zu denken. Heute steht ein Wrack-Tauchgang auf dem Programm. Der im Rechteckprofil vorgesehene Tauchgang an der Michel C wird zunächst nach allen Regeln der VDST-Tauchgangsberechnung geplant. Auch wenn wir gerne nur den Zackis, Muränen, Congas und Co unsere Aufmerksamkeit geschenkt hätten, besteht die Aufgabe darin, den Flaschendruck zu verschiedenen Zeitpunkten während des Tauchgangs zu erfassen. Im Anschluss kann nun die tatsächlich verbrauchte Luftmenge bestimmt und mit der Berechnung verglichen werden. Fazit: Das individuelle Atemminutenvolumen aller ist ein gutes Stück unter der zur Berechnung angenommenen 20 Liter pro Minute. Nach einem Referat über eine alternative Berechnung der Reserve ist uns allen klar, dass wir auch damit sicher Tauchen können.

Unser zweiter Tauchgang führt uns heute an den großen OK-Felsen. Dort gibt es neben prächtigen Gorgonien, einen neugierigen Oktopus und eine Sepie zu bestaunen. Aber auch bei diesem Tauchgang wurde unser taucherisches Können bei Ventilmanagement und einem weiteren Teil des SK „Problemlösen unter Wasser“ auf die Probe gestellt. Mit Bravur konnten die meisten ihren Hauptregler zu- und wieder aufdrehen. Die Übung des SKs besteht darin, aus einem speziell präparierten Atemregler der bei normaler Atmung Wasser zieht, durch betätigen der Luftdusche zu atmen. Dies erwies sich als einfacher als gedacht.



Montag 25.05.2015


Tagesausfahrt, Hurra! Ein weiterer Wracktauchgang wartet auf uns: Die Donator. Ein Norwegischer Frachter, der am 10.10.1945, 6 Monate nach Kriegsende auf eine Mine gelaufen war, nachdem er um den Mistral zu entkommen, in Küstennähe Schutz gesucht hatte. Bei der Detonation wurde der komplette vordere Teil abgerissen. So liegt die Donator in einer Tiefe von 48 m auf Sandgrund. Durch die oft starke Strömung am Wrack hat sich dort ein wundervolles, artenreiches Meeresbiotop gebildet. Die Donator zählt zu den schönsten Wracks im Mittelmeer und wir dürfen dort tauchen. Aber nicht nur Spasstauchen ist angesagt, sondern eine weitere Aufgabe wartet auf uns: Sobald ein Gruppenmitglied einen Flaschendruck von 100 bar erreicht hat, soll der Aufstieg am Bojenseil eingeleitet werden. Zuvor wechselt derjenige mit dem geringsten Flaschendruck an den Hauptautomat des Gruppenmitglieds mit dem höchsten Flaschendruck. Dann wird bis an die Oberfläche mit allen Dekostops ausgetaucht. Fazit: Alle hatten genug Luft im Gepäck, um im Notfall einen sicheren Aufstieg zu gestalten.

Danach geht es ins nahegelegene Naturschutzgebiet Port Cros, welches als erstes Naturschutzgebiet unter Wasser weltweit erklärt wurde. In einem Piratenhafen a la „Pipi Langstrumpf im Taka Tuka Land“ wird sich an einem, von unserer hervorragend organisierten Verpflegungsgruppe, vorbereiteten Mittagssnack gestärkt und in der wohlverdienten „Dekopause“ im Sonnenschein entspannt. Danach folgt der zweite Tauchgang mit der Übung „Fuchsjagd“. Der Jahrzehnte lange Schutz der Unterwasserwelt zeigt sich an der enormen Masse und Artenvielfalt der Meeresbewohner. Neben uns Füchsen tummeln sich viele Barrakuda Schwärme, Stachel Makrelen und jede Menge Zackis so groß wie Hausschweine im Wasser.


Dienstag 26.05.2015


Uns ist allen klar: TL-Prüfungen ohne Rettungsübungen gibt es nicht. Daher steht heute Vormittag das große Retten auf dem Programm. Nach Referat und Briefing geht es an einen vermeintlich ruhigen Tauchplatz. Zu Beginn des Tauchgangs demonstrierte jeder in Vorführqualität und High Definition die Rettung eines bewusstlosen Tauchers. Am Ende des dünungsreichen Tauchgangs wird ein Gruppenmitglied vom Ausbilder „abgeschossen“ und von der restlichen Gruppe an die Oberfläche, ans Boot und an Bord gebracht. Dort wartet schon unser Arzt auf uns, der mit immer wieder neuen Kommandos à la „Atmung vorhanden, aber bewusstlos“ oder „Jetzt atmet er nicht mehr“ schnelles und vor allem korrektes Handeln, ob mit Beatmungsbeutel, Sauerstoffflasche oder AED, von uns verlangt. Eins sei gesagt, allen „Verunfallten“ geht es wieder gut.

Rettungsübung geschafft! Jetzt wird erst mal auf der Basis mit einem leckerem Mittagsimbiss gechillt. Jedoch nicht besonders lang, da es der nächste Tauchgang in sich hat: Im Rahmen des SK „Probleme lösen unter Wasser“ stehen fünf verschiedene Übungen in einem Tauchgang auf dem Programm. In unserem „Funpark“ sollen verschiedene problematische Situationen unter Wasser gelöst werden. Dabei sollen wir mit plötzlichem Verlust des Bleis oder des Tariersystems zurechtkommen, uns aus einem Netz/Seil befreien, eine Boje unter Notatmung setzen und einen abblasenden Inflator durch abziehen des Mitteldruckschlauchs entschärfen. Ob auf Boje reiten oder vor sich sie als umgedrehtes U zu halten, mit beiden Methoden ist es möglich, den Verlust des Tariersystems zu ersetzen. Auch die anderen Übungen konnten wir schnell und sicher bewältigen.


Mittwoch 27.05.2015


Nachdem gestern Südwest-Wind das Meer etwas aufgewühlt hatte, ist das Wasser heute nahezu spiegelglatt. Auf dem Programm steht ein Aufstieg von 30 auf 20 Meter unter Wechselatmung. Am Tauchplatz der Vapeur angekommen, wird zunächst ein Grundgewicht mit Boje gesetzt. Dann starten die Gruppen nacheinander zum Wrack. Jede Gruppe macht zu Beginn des Tauchgangs insgesamt zwei Aufstiege, da anfangs die Stickstoff-Sättigung am geringsten ist.

Nach Beendigung der Übungen wird das Wrack genau unter die Lupe genommen und in den Spalten der eine oder andere Conga, Moränen und Krebse entdeckt. An der Oberfläche angekommen, werden wir von unserem Tauchboot – der Ar’Guevel – eingesammelt und zurück in den Hafen gebracht. Mit einem wie immer hervorragenden Mittagsimbiss wird die heute recht lange Pause eingeläutet. Jetzt heißt es entspannen und Kräfte für den nächsten Tauchgang sammeln.

Zuvor wird noch ein Referat über die Ursache der Vereisung von Atemreglern (den Joule-Thomson-Effekt) gehalten. Der zweite Tauchgang des Tages führt uns an einen Sec (einen Unterwasserfelsen), der als Orientierungstauchgang ohne Kompass durchgeführt wird. Dabei übernimmt der Ausbilder für 10 Minuten die Gruppenführung und versucht durch Drehungen, Kurven und Hakenschlagen das Wiederfinden des Tauchboots zu erschweren. Aber nicht mit uns J. Nach einem tollen Tauchgang mit freischwimmenden Muränen, Oktopoden und schön bewachsenen Steilwänden navigiert jede Gruppe zielsicher die Ar’Guevel an. Bei Oberflächenströmung schafften es nicht alle an der vorgesehenen Leiter ins Boot zu steigen. Um das Thema Strömung nochmal zu vertiefen, wird in einem Kurzreferat das Verhalten beim Ein- und Ausstieg aufgefrischt.


Donnerstag 28.05.2015


Mit einem strahlend blauen Himmel starten wir in einen weiteren Tagesausflug. Am Morgen bringt uns die Ar Guevel zu unserem ersten Tauchziel des Tages: Le Grec (der Grieche). Nicht weit von der Donator, die wir schon zwei Tage zuvor betaucht hatten, ereilte die Le Grec im Jahr 1945 das gleiche Schicksal und lief auf eine Wassermiene. Dabei riss der komplette Bug ab und liegt etwas entfernt neben dem Rumpf. Pech für die Le Grec, gut für uns Taucher, denn unter Wasser auf knapp 50 Metern haben sich jede Menge Meeresbewohner das Wrack zu ihrem Zuhause gemacht. Während des Tauchgangs können diese in vollen Zügen genossen werden. Die Aufgabe bei diesem Tauchgang lautet von den Ausbildern vorgegebene Knoten unter Wasser nach zu binden. Ob Palstek, Achterknoten, Kreuzknoten, einfacher oder doppelter Schottstek, jeder Knoten wird in kürzester Zeit zur Beurteilung dem Ausbilder überreicht. Nachdem alle Gruppen wohlbehalten an Bord gelangt sind, wird der Hafen im Naturschutzgebiet Port Cros angefahren. Hier erwartet uns ein ausgiebiges Mittagsmenü auf der VIP-Terasse.

Am Nachmittag manövriert uns Kapitän Hansi zielsicher zur Absprungstelle des zweiten Tauchgangs, ein Drift-Tauchgang an der Gabiniere. Unterwasser hat man das Gefühl als gäbe es hier mehr Fische als Wasser. Wo man hinblickt ist alles Vertreten was Rang und Namen hat: Unzählbare Zackenbarsche, Barrakudaschwärme, Moränen und Zahnbrassen. Highlight des Tauchgangs sind gleich mehrere Meeresspinnen, die laut Hansi nur zu dieser Jahreszeit im flacheren Wasser anzutreffen sind, um beim Speeddating die Richtige zu finden und Nachwuchs zu zeugen. Das restliche Jahr halten sie sich dann in Tiefen bis zu 200 Metern auf. Nach ca. 60 Minuten im kühlen Nass erreichen alle Gruppen das Ankerseil. Auf dem „Sonnendeck“ der Ar Guevel wird die Rückfahrt in den Heimathafen mit Rouge und Rosé versüßt.



Freitag 29.05.2015

Wir haben es fast geschafft, der letzte Tag steht auf dem Programm. Nach einem kurzen Referat über das Betauchen von Grotten geht es auf den Weg zum passenden Tauchplatz: Les Grottes. An diesem wunderschönen Tauchplatz sind insgesamt drei Grotten zu finden. Neben den in den letzen Tagen oft gesehenen Unterwasserbewohnern wie Sepien, Oktopoden und Conger sind in den Grotten auch über Wasser Highlights wie Stallaktiden oder Fledermäuse zu finden. Nach diesem Tauchgang wird das Prüfungsende mit Rosé und Rouge direkt an Bord begossen.

Obwohl alle nach den Strapazen der letzten Woche etwas geschlaucht sind, lässt sich keiner den freiwilligen Tauchgang am Nachmittag entgehen. Während ein Teil nach Saint Tropez zum Wrack der Rubis (ein U-Boot, welches nach Dienstende ehrenhaft versenkt wurde) aufbricht, fährt ein anderer Teil mit Hansi zum wunderschönen Tauchplatz Escampo.

Mit gegrilltem Ferkel und anderen Köstlichkeiten vom Grill wird unser letzter, gemeinsamer Abend eingeläutet. Nun beginnt der letzte offizielle Teil dieser Prüfungswoche: Frank Ostheimer lässt als Leiter der Prüfungskommission die Woche Revue passieren und dankt von Herzen allen Ausbildern und der Tauchbasiscrew für die tolle Leistung und die vielen gewonnenen Erfahrungen. Der VDST kann sich über insgesamt 13 neue Tauchlehrer (zwei TL* und elf TL**) freuen. Auch die frischen Tauchlehrer würdigen die Arbeit der Ausbilder mit einem flauschigen Handtuch mit aufgesticktem Prüfungslogo. Hansi und Horsti (die gute Seele der Basis) werden natürlich nicht vergessen. Sie bekommen beide ebenfalls ein Handtuch. Zusätzlich wird Hansi eine mit dem Logo der Tauchbasis bemalte und mit Bildern von den Ausbildern und den frisch gebackenen Tauchlehrern verzierte Leinwand als Andenken an die tolle Woche überreicht.

Theo Konken ehrt die Tauchbasis mit einer Urkunde des VDST und seiner eigenen Einschätzung einer „sau-geilen VDST-Tauchbasis“ . Bei Hansi steht nicht nur VDST drauf - hier ist nur VDST drin. Er verspricht, dass es in zwei Jahren eine neue Bundesprüfung in Hyeres gibt.

Als schon keiner mehr mit ihm rechnet, erscheint der Meeresgott Poseidon, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Horsti hat. In urkölschen Dialekt warnt er die Pflümlis (zu deutsch: Pfläumchen) seinem Reich und seinen Geschöpfen immer mit Respekt zu begegnen. Auch der erste Schluck des „Dekoweins“ sei ihm zu spendieren. Nachdem alle das Versprechen abgegeben haben, ist der offizielle Teil beendet und bei dem einen oder anderen Glas Wein, Bier oder Wasser wird noch bis lang in die Nacht die erfolgreiche Prüfungswoche begossen.

Wir gratulieren zur bestandenen Praxisprüfung:
TL1: Helen Krippner und Dennis Wütscher
TL2: Heiko Ambach, Katharina Czarnecki, Timo Dörr, Matthias Landwehr, Helmut Müller, Julian Ostheimer, Jürgen Spaar, Ilka Willand, Herwarth Ziegler
TL3: Bernd Rose, Till Fuxius

Wir danken den Ausbildern: Ira Nahe, Carsten Schneider, Peter Leopold, Dirk Michaelis, Theo Konken und Frank Ostheimer

Für den Text: Timo Dörr und Matthias Landwehr
Bilder: Bernd Rose, Theo Konken und Frank Ostheimer


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