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Tauchausbildung

Impressionen Tauchlehrer-Weiterbildung - Korfu 2017

Hier einige Impressionen vom Ausbilderseminar SK Abnahmeberechtigung "Sporttauchen in Meeresgrotten" auf Korfu vom 17.06. - 24.06.2017. Vielen Dank für die vielen Fotos der VDST-Taucher.


Tag 1 - Die Ankunft

Der Wecker reißt mich um halb zwei morgens unsanft aus dem Schlaf. Nicht, dass ich besonders viel oder tief geschlafen hätte, die Vorfreude auf die anstehende Woche ist einfach zu groß. Das Tauchlehrerseminar Grottentauchen auf „Korfu“ steht an und somit eine vollkommen neue Welt in Sachen Tauchen für mich, der ich mit gemischten Gefühlen von Neugierde, Respekt bis leichter Nervosität gegenüberstehe.

Nach einem entspannten Flug treffen wir auf Korfu ein und werden vom Team der Tauchbasis Korfu Diving in Empfang genommen und mit dem Shuttle zum Hotel gebracht. Mein erster Eindruck auf der Fahrt: Umwerfend schön.

Wer nach milden Mittelmeertemperaturen, mediterranem Klima und zerklüfteter Postkartenlandschaft im Bilderbuch sucht, wird dort mit großer Wahrscheinlichkeit ein Bild von Korfu finden.

Ich habe von diesem Seminar gehört, da ich beim Tauchen in Kas Nadine und Thorsten im Jahr zuvor traf, die mir völlig begeistert davon erzählten.

Am Ziel angekommen beziehen wir die gepflegten Apartments und ich lerne langsam die gesamte Crew kennen.  Paul May, der zu diesem Seminar geladen hatte, nimmt uns in Empfang und alle stellen sich in lockerer Runde vor. Mit dabei alles alte Hasen, Volkmar Lehnen (TL4, speziell ausgebildet im Höhlentauchen),Theo Konken (Bundesausbildungsleiter des VDST, ebenfalls TL4) und eben Paul, der die Ausbilder Crew komplettiert und ebenfalls ein TL4 ist. Bei dieser geballten Kompetenz und natürlichen Lockerheit weicht meine anfängliche Nervosität vollkommener Urlaubsentspannung.

Nach der kurzen Runde des Vorstellen hält Paul im improvisierten Seminarraum (deren Hotelzimmer) den ersten Vortrag und gibt uns Einblicke in das, was uns in den nächsten Tagen erwarten wird.  Gespannt schauen wir anschließen den von ihm produzierten Film über Grottentauchen auf Menorca und allen wird klar: Hier sitzt jemand, der das Thema Grottentauchen seit mittlerweile zwanzig Jahren mit einer unbändigen Faszination und Leidenschaft verfolgt. Das steckt an und schürt die Begeisterung für den nächsten Tag. 

Um 20:00 Uhr gibt es Essen und ich bin sehr gespannt auf die Geschichten der drei Vollbluttaucher aus über 30 Jahren Taucherfahrung. 

 
 
 
 

Tag 2 - Der Einstieg

Im Gegensatz zum Abfahrtstag habe ich nach unserem gestrigen gemeinschaftlichen Abendessen geschlafen wie ein Stein. Teilweise der vortäglichen Erschöpfung, teilweise dem Mythos geschuldet. Wem Mythos nicht geläufig ist: Griechisches Bier, gut gekühlt aus pfandlosen Dosen getrunken, eine gute Wahl des abendlichen Erfrischungsgetränks. Hervorragend ausgeschlafen, war mein Plan, morgens um 6:00 Uhr mit einer Schwimmrunde im Meer in den Tag zu starten. Leider war das Bett zu bequem und so beginne ich um 8:00 mit dem Frühstück auf der Terrasse. Genügend Zeit also, denn um 9:30 Uhr ist das Treffen an der Tauchbasis angesetzt.

Mit dem Tauchgepäck beladen, erklimmen wir die kurze Strecke hoch zur Basis, wo uns Ralf, Simone und der Basishund Biene erwarten. Unsere Brevetkarten werden eingesammelt und wieder bemerke ich eine leichte Nervosität in mir aufsteigen. Unsere Gruppen werden eingeteilt und ich bin mit Theo, Nadine, Thomas und Olaf unterwegs. Werner übernimmt bei diesem Tauchgang als erfahrener TL2 die Gruppenführung.

Beim Zusammenbauen unserer Geräte erklärt Theo in meiner Gruppe und Volkmar in der anderen kurz, worauf wir achten sollten und gibt hier und da Optimierungstips. Die Stimmung ist bereits sehr kumpelhaft und alle freuen sich auf den ersten Tauchgang. Wir zwängen uns in unsere Anzüge, prüfen alles auf Funktion und warten auf das Briefing unserer Gruppe. Hauptkredo der Woche ist, Zitat Theo: “Wir sind hier bei keiner Prüfung und wir wollen hier alle meinen Spaß haben, also keinen Stress.“ Alle lachen und nach einer ausgiebigen Erklärung der angestrebten Tauchsituation geht es auf zum frisch renovierten Schiff.

Über die Inhalte der gereichten Lösung, die Theo mir mit dem Satz: “...hier, für die Maske“ in die Hand drückt, kann ich nur mutmaßen aber ich bin mir ziemlich sicher, etwas von Babyshampoo und Mundwasser vernommen zu haben. Das Zeug sollte er sich definitiv patentieren lassen, denn beschlagene Brillen gab es nie, und ich hatte oft einen sehr angenehmen Minzgeruch in der Nase.

Das erste Ziel des Tages liegt nur 5 Minuten von der Basis entfernt. Wir erreichen den Tauchplatz, Maske auf, Atemregler rein, ab ins Wasser.  Was uns bereits am ersten Tauchgang erwartet, ist nach Aussage von Paul nur ein kleiner Einstieg und Vorgeschmack auf das, was wir in den kommenden Tagen erleben sollen. Ich bin Feuer und Flamme. Es geht direkt auf 25m runter, durch den „hohlen Zahn“, eine Tunneldurchquerung bei der sofort klar wird, um was es hier geht. Weiter geht es über ein Plateau, dessen Decke aus porösem Gestein besteht, durch die unsere zuvor produzierte Atemluft aufsteigt. Wunderschön.

Wir tauchen in die Garnelengrotte wo Mengen von Glasgarnelen zu finden sind, ein Bärenkrebs klettert an der bewachsenen Felswand hoch und posiert für diverse Fotos.  Die Felswand zur Rechten, lassen wir dem Bärenkrebs seine Ruhe und ziehen weiter Richtung Ankerseil. Eine letzte Grotte zieht uns in ihren Bann und dann sind wir schon wieder zurück an Bord.

Eine schnelle Nachbesprechung und wir stürzen uns auf das Mittagessen.

Um 14:30 Uhr treffen wir uns erneut an der Tauchbasis zum zweiten Tauchgang des Tages. Diesmal geht es zum Himmelsloch, eine Grotte, dessen Decke eingestürzt ist. Hier tauchen wir auf und ich finde erst mal keine Worte. An dieser Stelle verzichte ich auf den Versuch, das Erlebte in Worte zu fassen und habe Fotos eingefügt, da ich immer noch sprachlos bin.

 
 
 

Tag 3 - Warum Batman unrealistisch ist

Der dritte Tag startet wie gehabt um 8 Uhr mit einem opulenten Frühstück, denn um 9:30 Uhr ist wieder Treffen an der Tauchbasis. Mein Körper hat mittlerweile das ständige Schwanken des Schiffs übernommen und so habe ich leichten Seegang als ich auf die Terrasse trete.

Die heutigen Tauchgänge sind nicht so tief, allerdings etwas technischer und uns stehen Übungen bevor bei denen wir trainieren mit welcher Technik wir verunfallte Buddys aus engen Höhlen befreien bzw. retten. Gestärkt durchs Frühstück und nach ausgiebiger Begrüßung von Basishund Biene, baue ich mein Equipment zusammen und mache mich mit meiner zugeteilten Gruppe auf den Weg zum Schiff und damit auf eine halbstündige Anfahrt zum ersten Tauchplatz: die Dukatenhöhle. Absprache ist, wir lassen uns auf 35m sinken und suchen den Eingang zur Grotte.

Nach den ersten Erfahrungen mit dem neuen Anzug habe ich heute 2kg Blei mehr eingepackt, somit geht das Sinken ziemlich schnell. Das Team ist sehr gut ausgebildet und wir finden uns völlig Stressfrei beim Einstieg in die Dukatenhöhle ein. Theo macht den Anfang, Thomas als Gruppenführer bildet die Nachhut und achtet darauf, dass alle mitkommen. Beim Aufstieg auf 18m zum Ausgang werden wir von unzähligen Glasgarnelen begleitet, die auf den umliegenden Felsen liegen wie ein Teppich.  Nach dem Verlassen der Grotte sammeln wir uns und es geht entspannt auf 10m weiter zur Fledermaushöhle. In dieser tauchen wir auf und erschrecken die dort ansässigen Namensgeber mit den Tauchlampen. Ich muss zwangsläufig darüber nachdenken, dass Batman total unrealistisch ist, denn eigentlich müsste der immer ein total dreckiges Auto haben so wie es hier aussieht.

Eine weitere Grotte, in der es einen Abstecher in ein engeres Abteil gibt, und danach zurück zum Schiff und somit an Land, um das Mittagessen zu genießen. Beim neuen Italiener um die Ecke gibt es mittags für jeden kühle Getränke und die Pizza Dean. Wir fragen uns, ob Dean Martin Namenspatron war, sind uns aber nicht sicher, ob dieser überhaupt Italiener war. Die Steinofenpizza jedenfalls kann sich als solche bezeichnen lassen und ist sehr zu empfehlen.

14:30 Uhr, selber Tag. Da der Großteil unserer Ausrüstung auf dem Schiff blieb, haben wir leichtes Spiel. Anzüge an, die wieder gefüllten Flaschen an Bord und die reichlich gesättigten Körper über die Reling gewuchtet. Wieder fahren wir ca. 30min zur Sonntagshöhle, in deren vorderen Teil die oben erwähnten Übungen stattfinden sollen. Das Profil der Grotte hat Paul uns bereits am Vortag im Vortrag hinreichend erklärt und welche Attribute diese Grotte teilweise zur Höhle machen. Die Grotte hat zwei Teile in denen man auftauchen und die dortige Luft atmen kann. Also ähnlich wie beim Himmelsloch, nur eben ohne Loch.

Dies ist in dem Fall auch die Herausforderung, denn im zweiten Abteil tauchen wir auf und Theo fordert und nach einer kurzen Einführung dazu auf unsere Lampen auszuschalten. Gesagt getan. Das Ergebnis ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend, denn die plötzliche Stille und die absolute Dunkelheit verdeutlicht mir sehr schnell, sehr eindeutig, warum man immer mit mindestens drei Lampen ein solches Terrain betaucht und warum eine gute Ausbildung so wichtig ist. Das ist definitiv nichts für Anfänger. Wir schalten unsere Lampen wieder ein und ich bin ziemlich froh, wieder etwas zu sehen, auch wenn es in diesem Fall tatsächlich bei „etwas“ bleibt, denn der Süßwassereinfluss im Salzwasser macht die Sicht zu einer undurchsichtigen Brühe. Wieder auf ca. 7m Tiefe wird die Sicht erneut glasklar und wir tauchen zum zweiten Teil der Höhle und treffen, wie bereits gemunkelt, den dort ansässigen Bewohner.

In unserem Fall eine ca. 1,5m lange Mönchsrobbe, welche den losen Boden durch ihr Hin- und Her-Schwimmen ziemlich aufwirbelt. Nach ein paar Augenblicken ist sie über uns und durch den Ausgang verschwunden. Zurück bleibt eine ziemlich schlechte Sicht. Ich denke an die zweite Gruppe und es tut mir etwas leid, dass die unseren neuen Robbenfreund nicht gesehen haben und für das Chaos was er hinterlassen hat.

Wir folgen dem Gruppenführer gen Ausgang und treffen uns mit den anderen am Eingang der Grotte zu gemeinschaftlichen Rettungsübungen. Nachdem alle Übungen absolviert sind tauchen wir zurück zum Schiff und tauschen unsere Erfahrungen über das eben Erlebte aus.

 
 
 
 
 

Tag 4 - Dr. Max Hahn und die Tabellen

Die mittlerweile zur morgendlichen Routine gewordenen Rituale hinter mir, sitze ich mit meinem Equipment und den Anderen auf dem Schiff und schaue Biene zu, wie sie sich auf den Rücken dreht und faul ihre Beine in den Himmel streckt und uns hinterher schaut. Beim morgendlichen Kraulen des Basishundes habe ich heute offensichtlich gespart. Morgen früh wird das nachgeholt, denke ich und höre Paul zu, der damit beginnt uns vom heutigen Tauchziel zu erzählen. Ich frage mich, woher er diese Energie und seinen Enthusiasmus  nimmt. Die Begeisterung mit der er von den Tauchplätzen und ihrer Erkundung erzählt, ist immer wieder ansteckend und ich merke, wie die Frequenz meines Pulses zunimmt.

Volkmar instruiert die zweite Gruppe und alle machen sich bereit für den 5. Tauchgang der Woche. Wir erkunden heute den „Odysseus Fels“ inklusive des Max Hahn Riffs und der dazugehörigen Grotte. Dr. Max Hahn, der als Physiker unter anderem an den Dekompressionstabellen mitwirkte, wird hier mit einer Gedenktafel gewürdigt. Später erfahre ich von Paul, dass Max Hahn nicht nur viel zur Entwicklung des modernen Tauchsports beigetragen hat, sondern auch einer seiner Ausbilder war.

Wir folgen Volkmar und Theo auf 42m zum Grotteneingang und um diese mehr oder weniger elegant zu durchqueren. Weiter geht es über ein Plateau auf 17m und nach ca. 100m Flossenschwimmen finden wir auf 8m den Eingang zum so genannten „Tor der Tiefe“.

Mir kommt Pauls Erklärung über den Mythos hinter dem Namen der Grotte in den Sinn und mir wird klar, dass ich mich an einem Abgrund befinde, der nach mehreren Hundert Metern in völliger Dunkelheit verschwindet. Das Gefühl von „Open Water“ beschreibt die Tauchsituation meiner Meinung nach am besten. Die im Dunkeln verschwindende Steilwand zur Linken und das Fehlen einer Grundsicht ist überwältigend schön. Ich muss mich an dieser Stelle etwas zurückhalten mit der Beschreibung in Superlativen, denn ich werde sie ganz sicher für den zweiten Tauchgang dieses Tages, verwenden: das „Blue Eyes“ und das „Super Blue Eyes“.

14:30 selber Tag, hockend vor einem sabbernden Basishund.Ich gebe mein Bestes, um Biene die vormals verkürzte Krauleinheit nachzuliefern.Ich tätschele ihr den Kopf und mache mich daran unsere erneut gefüllten Flaschen zum Schiff zu tragen.

Der zweite Tauchgang des Tages geht zum „Blue Eyes“ und zum „Super Blue Eyes“. Volkmar und Theo erklären, das Volkmar mit seiner Gruppe zum Blue Eyes taucht und Theo zum Super Blue Eyes. Anschließend werden die Gruppen getauscht. Ich bin in der Gruppe von Theo und es geht auf zur Grotte. In ca. 20m Tiefe geht es durch einen ziemlich engen Einstieg in den Aufstieg auf 6m. Pauls Erklärung kommt mir in den Sinn: „...die Rechte Seite ist sehr eng und da passt man nicht durch“. Ich schwimme rüber nach links, nun funktioniert das mit dem Aufstieg besser. Ich erwische mich dabei, dass ich vergesse zu atmen, unter Wasser sicherlich nicht die beste Idee, aber es verschlägt mir in dem Moment einfach den Atemrefelx, so beeindruckt bin ich von dem Anblick und der Situation an sich.

Wir tauchen durch die untere Öffnung zurück zum Eingang der Grotte und treffen auf Volkmar. Der Vormals besprochene Wechsel der Gruppen findet ohne Probleme statt und wir schwimmen mit Volkmar zum Blue Eyes. Die Grotte fängt bei 10m an und zieht sich bis auf 30m Tiefe. Wir finden uns irgendwo in der Mitte ein und bereiten uns darauf vor, die Grotte durch den unten liegenden Ausgang zu verlassen. Zum zweiten Mal in diesem Urlaub verweise ich auf die beigefügten Bilder, denn ich denke diese beschreiben unsere Erlebnisse besser als ich das selbst mit den besten Superlativen je könnte.

Nach dem gemeinsamen Abendessen schlendern wir noch etwas durch die Gegend und erreichen nach kurzer Zeit den Hafen. Hier liegen die Schiffe dicht an dicht und wir entdecken auch unsere „Barakuda“, genießen die Stille, lassen den friedlichen Hafen auf uns wirken und ich denke an die Erlebnisse des heutigen Tages, während mich schon jetzt die Vorfreude auf den folgenden beschleicht.

 
 
 
 
 

Tag 5 - Wunschkonzert

Morgens 9:15 Uhr Tauchbasis. Ich bin heute früh dran und begleite Volkmar den Weg über den Strand zur Tauchbasis. Als ich unsere Jackets aus dem Trockenraum schleppe, denke ich daran, dass es unsere letzten beiden Tauchgänge für diese Woche sind. Ich bin stehen geblieben und schaue auf den Horizont auf dem sich blitzend die Sonne spiegelt und auf die „Barakuda“.

Ich spüre etwas Warmes, Nasses an meiner Kniekehle, das mich losreißt aus meinen Gedanken. Biene steht neben mir und benutzt mein Bein als Salz-Leckstein. Ich begrüße die Hundedame und muss mit Wehmut daran denken, dass heute ja schon Mittwoch ist und somit nur noch 3 Tage vor uns liegen.

So langsam trudelt der Rest der Truppe ein, alle sind entspannt und haben gute Laune. Wir flaxen beim Anziehen über zu kleine Anzüge für zu große geratende Menschen und lachen über die ein oder andere Anekdote aus vergangenen Tagen. Paul hat uns bei der gestrigeren Nachbesprechung gefragt welche Tauchplätze unsere liebsten seien und welche wir anfahren würden, würde man uns die Wahl überlassen. Es brauchte nicht lange um einstimmig die Entscheidung zu treffen, am heutigen Tag erst „Blue Eyes" und "Super Blue Eyes“ anzufahren und danach das Himmelsloch.Zu beeindruckend waren beide Tauchplätze.

Olaf, Thorsten, Thomas, Theo und Werner sind mit Kameras ausgerüstet und so wird kurzerhand beschlossen neues Material für den VDST zu erzeugen. Alle kennen nun die Tauchplätze und ihre Tücken, wissen worauf sie zu achten haben und können sich ganz in Ruhe perfekt in „Pose“ schmeißen.

Vor mir taucht Thomas durch die Öffnung beim „Super Blue Eyes“ und positioniert sich auf der linken Seite mit seiner Kamera. Mein Plan, elegant wie ein Delfin mit einer graziösen Drehung auf die rechte Seite durch das Loch, völlig entspannt vorbei an Thomas, dabei nicht in die Kamera schauen, keinen unnötigen Flossenschlag, Profi eben.

Als ich oben und unten mit jeweils eine Schulter zwischen Boden und Decke steckenbleibe bemerke ich, mein Plan könnte Lücken haben. Ich habe mich zwar, wie geplant auf die Seite gedreht um wichtige Technik vor Kollision mit der Decke zu schützen, allerdings nicht bedacht das meine Schulterbreite zum Problem werden könnte. Mit der Eleganz eines Güterzugs ziehe ich mich zum Aufstieg, hinauf zum Ausgang und vorbei an Volkmar, der mit Theos Kamera bewaffnet darauf wartet uns beim Verlassen der Höhle auf digitale Speichermedien zu verewigen.

 
 
 
 

14:30 Uhr Tauchbasis, Dusche. Ich weiß nicht warum aber ich muss mich nach dem Mittagessen per Wasserschlauch in meinen Anzug „spülen“. Wie bereits erwähnt fahren wir beim erneuten Verlassen des Hafens zum Himmelsloch. Diesmal bleiben wir länger an der Oberfläche in der Grotte und ich genießen das Lichterspiel wesentlich intensiverer als beim erste Mal. Alle mit Kameratechnik bewaffneten Taucher filmen und fotografieren was die eingesetzte Technik hergibt um all diese neuen Eindrücke zu verewigen.Ich werde mehrfach von Theo in diverse Positionen geschickt um für diverse Fotos zu posieren. Das erste Mal in diesem Urlaub, dass ich beim Tauchen schwitze.

 
 
 

Heute ist vor unserem gemeinsamen Abendessen noch ein kultureller Einschub geplant. Wir erklimmen zu Fuß den anliegenden Berg um auf dessen Spitze das Kloster der ansässigen, griechisch orthodoxen Mönche zu bewundern. Diese verkaufen dort selbst produziertes Olivenöl aus eigens angebauten Oliven. Ich erstehe eine Flasche und hoffe, es schmeckt besser als der regionale Wein.

Nach ausreichend abgelichteter Postkartenidylle finden wir uns bei dem kleinen, angrenzenden Restaurant ein, um bei einem gemeinschaftlichen Nationalgetränk der Sonne beim Untergehen zuzusehen. Es wir sich ausgiebig unterhalten und Olaf versucht mich davon zu überzeugen, dass wir erneut rausfahren um uns noch einmal das „Super Blue Eyes“ anzusehen, so begeistert ist er. Wir sind vollkommen infiziert vom Tauchen auf Korfu und den Grotten.

Nach dem Abendessen sitze ich mit Volkmar, Paul und Theo zusammen und wir lachen über Geschichten aus den alten Tagen, als TL-Prüfungen noch keinem wirklichen Regelwerk unterlagen.


Tag 6 - Die drei alten Männer und das Meer

Mein gespanntes Lauschen der Geschichten der drei Urgesteine und langjährigen Freunde sorgte dafür, dass der gestrige Abend doch länger wurde, als ursprünglich geplant. Dies hat zur Folge, dass erst der vierte Becher Kaffee meine Lebensgeister daran erinnert, meine Körperfunktionen auf ein gesellschaftsfähiges Niveau hochzufahren.So stehe ich um 9:30 Uhr, noch etwas unterschlafen, ein letztes Mal in diesem Urlaub auf der Basis und mache mich bereit, den letzten Part in vollen Zügen auszukosten. Ich halte nach meiner liebgewonnen Hundefreundin Ausschau und muss feststellen, dass diese entweder die Tauchbasis von außen bewacht oder ihre Lebensgeister noch nicht bereit waren, es meinen gleichzutun. Etwas geknickt durch die Nichteinhaltung unseres morgendlichen Begrüßungsritus, trage ich unsere Neoprenanzüge auf die „Barakuda“.

Heute benötigen wir keine Jackets, keine schweren Flaschen, keine Bleitaschen. Heute können wir uns entspannt an Bord ankleiden, denn für den letzten Ausflug genügt unsere ABC Ausrüstung und eben das besagte Neopren. Wir fahren eine Stunde an der Küste entlang, ich unterhalte mich angeregt mit Werner und schaue den anderen dabei zu, wie sie in Gedanken versunken auf die Weite des Ionischen Meeres blicken oder auf die steilen Klippen und ausgespülten Felsen der Küste.Ralf, der Kapitän der „Barakuda“, gibt uns in bestem Berliner Akzent zu verstehen, dass wir in fünf Minuten am vereinbarten Tauchplatz sind.

Wir ziehen die schwarzen Strampelanzüge an, schnappen Blei, ABC Ausrüstung, springen von Bord und finden uns vor dem Eingang der Grotte ein. Theo instruiert uns und erklärt die Besonderheiten dieses Schnorchel-Erlebnisses. Wir bleiben alle eng bei einander und schwimmen in die Grotte. Die ausgespülten Felsen erinnern mich ein wenig an Jabba the Hut von Star Wars. Ich muss lachen und schlucke salziges Wasser. Verdient, war Jabba doch auf der dunkelen Seite.

Theo und Thomas suchen die Grottenwände nach dem Eingang ab, leider bleibt uns der Apnoepart verwehrt, da der Eingang unter Sand begraben liegt. Wir nehmen den Haupteingang und gelangen abermals in eine Grotte, abermals ausgewaschener Stein und schon wieder dieser Gedanke über Jabba. Es ist wunderschön hier. Wir lassen uns treiben und genießen die Umgebung. Türkises Wasser schwappt an den Wänden der Grotte auf und ab und ich bin so tiefenentspannt, wie lange nicht mehr. In einiger Entfernung zum Grotteneingang werden einige vom Apnoefieber gepackt und Olaf beweist, dass man keinen Bleigurt benötigt, um in einem 7mm dicken Anzug auf 7m Tiefe abzutauchen.

Wir klettern wieder auf die „Barakuda“ und treten unsere letzte Fahrt Richtung Hafen an. Dort wartet schon eine ziemlich große Hundedame auf versäumte Streicheleinheiten. Es wird noch einmal ausgiebig gestreichelt und verabschiedet. Das gemeinschaftliche Abendessen wird auf den Mittag vorverlegt, danach geht es hoch zur Tauchbasis.

Hier hat Volkmar einen Leinenkurs vorbereitet. Wir lernen, was beim Abtauchen einer Leine in einer dunklen Höhle wichtig und zu beachten ist. Ich gehe mit Olaf als Buddy den Kurs mit geschlossenen Augen ab und taste nach den angebrachten Leinenmarkern. Dabei versuche ich mir vorzustellen wie es wäre, dies in einer engen Höhle bei völliger Dunkelheit zu tun. Eine sehr eindrucksvolle Erfahrung, bei der ich in einer realen Situation wahrscheinlich weniger entspannt wäre. Nach erfolgreichem Absolvieren treffen wir uns mit Paul zum letzten Gespräch. Alle haben Fragen vorbereitet, um das Gelernte noch einmal aufzuarbeiten.

Heute Abend gehen wir in einem angrenzenden Dorf essen und lassen den Abend entspannt ausklingen. Morgen ist frei und jeder hat einen Tag zur freien Gestaltung. Ich überlege Simone zu fragen, ob ich mit Biene spazieren gehen darf, verwerfe den Gedanken, möchte ich doch nicht als verrückter Hundenarr in Erinnerung bleiben. Wahrscheinlicher ist es also, dass ich mir einen Roller leihe, um die Schönheit der Insel auch über Wasser zu erkunden. Wenn auch nur für einen Tag. Tauchen geht leider nicht mehr. Dies verbietet der Tauchcomputer einen Tag vor dem Abflug.

Abflug... ich werde es hier sehr vermissen, habe aber Paul bereits meine Anmeldung für nächstes Jahr fest zugesagt. Für mich geht eine sehr schöne Woche mit vielen Endrücken und neuen Erfahrungen zu Ende. Wir haben sehr viel Wissen aufgebaut und Dinge gelernt, die ich mit Grotten vorher wahrscheinlich nicht in Verbindung gebracht hätte. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt und hoffe, einige von ihnen im weiteren Verlauf meines taucherischen Treibens bei der ein oder anderen Veranstaltung wiederzutreffen. Auf Wiedersehen Korfu, auf Wiedersehen Biene. Bis zum nächsten Jahr.

Eine Anmerkung des Verfassers dieses Texts: Es war in vielen Erzählungen der Basishund Biene gemeint und nicht Thomas Maya, dessen Spitzname ebenfalls Biene lautet.