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Tauchausbildung

Impressionen Tauchlehrer-Weiterbildung - Korfu 2018

Hier einige Impressionen vom Ausbilderseminar SK Abnahmeberechtigung "Sporttauchen in Meeresgrotten" auf Korfu vom 16.06. - 23.06.2018. Vielen Dank für die vielen Fotos der VDST-Taucher.


Die Anreise

Der Wecker klingelt diesmal um genau 2:30.

Zwei. Uhr. Dreißig. Ich kann nicht sagen, ob ich aufgeregt oder voller Vorfreude bin, dazu bin ich viel zu müde.

Acht Stunden später. Auf unser Gepäck wartend stehe ich, wie schon letztes Jahr prophezeit, abermals in Korfu am Flughafen. Wieder amüsiere ich mich herrlich über Gruppenidentifikationsmerkmale der anderen deutschen Touristen: Sie bestehen auch dieses Jahr aus beträchtlichen Bier geformten Bäuchen, der zumeist männlichen Teilnehmer. Neu sind allerdings die oft zu klein geratenen, in deutschlandfarben markierten Strohhüte. Da war ja was - ach ja, Weltmeisterschaft. Meine von mir mitgebrachte Freundin Christine reißt mich aus meiner Sozialstudie.

Wir werden von Achillion Diving eingesammelt und machen uns auf die Fahrt zu unserem Zielort. Ich würde Christine gerne die wunderschöne Insel zeigen, leider ist diese zusammen mit unseren Mitreisenden zwischen Gepäckstücken eingeklemmt und kann das Fenster nur partiell sehen.

Am Zielort angekommen treffen wir auf den Rest der Gruppe und werden herzlich von Paul begrüßt. Nach kurzer Ansprache stellen sich alle Seminarteilnehmer vor und erzählen kurz, warum sie gerne auf Korfu Grotten erkunden wollen. Die Gruppe ist bunt gemischt und alle verstehen sich auf Anhieb.

Ich habe mittlerweile Gold absolviert und darf mich also als *** Taucher betrachten, was meiner Aufregung nur wenig Abbruch tut.

Zu gespannt bin ich wieder auf die Grotten und was sie dieses Jahr an Überraschungen bereithalten. Bleibe ich dieses Jahr wieder stecken? (Spoiler: Ja) Habe ich aus dem letzten Jahr gelernt und kann mein Wissen umsetzen? Bald werde ich es erfahren. Dieses Jahr steht noch eine weitere kleine Aufgabe an, da ich den Theorieteil bereits letztes Jahr absolviert habe und die Tauchplätze kenne, soll ich dieses Jahr für den VDST zusammen mit Lena als Modell fungieren. Als Modell, ich. Meine Hoffnung ist, ich verbrauche durch das ständige Baucheinziehen weniger Luft.

Abends gehen wir alle zusammen essen und die zwei Stunden Schlaf der Vortags fordern nun mit aller Macht ihren Tribut.


Ein Wiedersehen

Meine Hand wird nach allen Regeln der Kunst nassgesabbert und ich kraule Bienes Bauch, bis diese umfällt und sich auf die Seite dreht. Das Wiedersehen mit Biene, dem Basishund, hätte ich mir doch etwas herzlicher vorgestellt, hatten wir letztes Jahr doch eine sehr streichelintensive Beziehung. Ich mag Biene aber sehr und kraule, wie mir geheißen, weiter. Simone, Bienes Besitzerin und Tauchbasisleitung, erzählt mir, Biene wäre es gar nicht gut gegangen. Sie hätte ein Schilddrüsenunterfunktion und wer nicht versteht, warum ich darüber Tränen gelacht habe, dem sei ein sehr schöner Song selben Namens von Funny Van Dannen ans Herz gelegt. Die ausgebliebene stürmische Begrüßung ist somit also entschuldigt.


Binäres Bootfahren

Tag 1 - Tauchgang 1

Die Gruppe ist sehr groß und so teilen wir uns auf zwei Boote auf. Die Barakuda und ein Schnellboot, das seinem Namen alle Ehre macht. Norbert erwähnt etwas über die falsche Trimmung des Motors, ich bin mir aber nicht sicher, ob dies mit der noch schnelleren Fahrt zu tun hat.

In meiner Gruppe sind Norbert, mein Buddy Lena, Theo und Ralph.

Wir sind unterwegs zum Klosterfelsen und nachdem wir den Eingang gefunden haben, geht es über den Hohlen Zahn zur Garnelenhöhle. Wieder werden wir beim Aufstieg von tausenden flirrenden Glasgarnelen begleitet. Ich habe einen neuen Ausrüstungsgegenstand und die Garnelen scheinen gerne in dessen Rampenlicht zu stehen. Die GoPro wird von ihnen direkt ins Visier genommen und belagert. Ich muss unweigerlich an Jaques denken: Eine sprechende, französische Garnele aus dem Pixar Film „Findet Nemo“.

Dieses Jahr ist die Sicht besser als letztes Jahr, was eventuell daran liegt, dass wir als erstes am Spot sind. Wir sind ja immerhin mit einem 175 PS starken Schlauchboot unterwegs. Das Boot multipliziert das Gefühl des Abenteuertauchens übrigens mindestens mit dem Faktor 10. Ich habe bei der Rückfahrt riesigen Spaß, da unser Captain scheinbar nur zwei Zustände kennt: Vollgas oder aus!


Tag 1 - Tauchgang 2

Der zweite Tauchgang führt uns zum Himmelsloch. Dies war schon letztes Jahr ein Highlight für mich. Die Lichtverhältnisse sind perfekt und der Einfluss von Süßwasser beschert uns an einigen Stellen einen „Unterwasserspiegel“.

Zurück auf der Basis werde ich bellend erwartet, jedenfalls rede ich mir ein, dass Biene mit dem Bellen mich meint und mich vermisst hat. Jedenfalls steht Biene in der Basis und freut sich über die obligatorischen Streicheleinheiten.

Nach dem opulenten Abendessen am Sonntag sitzen wir bei einem Dekogetränk zusammen und lauschen wieder den Geschichten der Urgesteine und was sie in ihrer Laufbahn schon so alles erlebt habe. Ich bin immer wieder erstaunt, dass ich nach so langer Zeit immer noch neue Geschichten höre, die mich faszinieren.

Ich lerne Jo kennen, Lenas Vater, TL3, er unterstützt Theo und Paul mit seinem Fachwissen über das Grottentauchen. Nach einem weiteren schönen Abend und einer Einheit Verdauungs-Nachtschwimmen, falle ich in einen Elfen- (oder Oger-?) gleichen Schlaf und freue mich auf den nächsten Tag.

 
 

Dagobert D. - das Vermächtnis

Tag 2 - Tauchgang 1

Kaffee. Heute Morgen bedarf es zwei großer Becher, um meine Lebensgeister aus ihren Katakomben in den benötigten Schwung zu bringen. Silvia, Pauls Frau, hat selbstgebackenes Brot mitgebracht und da Christine gestern die Umgebung erkundet hat, darf ich Silvias Brot mit griechischem Schafskäse und selbstgemachter Feigenmarmelade oder wahlweise korfiotischem Honig genießen.

Ich werde wohl nicht umherkommen, ein weiteres Stück Blei einzupacken.

Mit etwas zu viel Mageninhalt finde ich mich kurze Zeit später auf der Basis ein und es gibt  ein kurzes Briefing über die Highlights des Tages.

Heute steht zuerst die Dukatenhöhle auf dem Plan: Diese bekam ihren Namen von ihrem Entdecker, der immer wieder davon erzählt hat, dass er dort eines Tages einen verlorenen Schatz finden würde. Bisher hat sich dies jedoch noch nicht ergeben, aber auch ohne goldene Entlohnung sind wir mehr als begeistert von der einmaligen Beschaffenheit der Grotte.

Einige der Teilnehmer sind der Meinung, der Reichtum befände sich unter den zahlreichen Feuerborstenwürmern. Ich vermute allerdings, da hat sich jemand einen Spaß mit mir erlaubt. Die Gruppe ist mittlerweile super eingespielt und der Tauchgang absolut entspannt. Feuerborstenwürmer habe ich heute nicht angefasst, auch wenn es verlockend war.

Nach dem Sicherheitsstopp geht es zurück auf unser Speedboot und innerhalb von rasanten 10 Minuten zurück zur Basis. Von Biene keine Spur. Ohne meine Basisfreundin gekrault zu haben, kehre ich etwas enttäuscht zurück zum Apartment und dem Laptop.


Tag 2 - Tauchgang 2

Mittlerweile schwanke ich etwas, was allerdings weniger auf das Mythos zurückzuführen ist, sondern wahrscheinlich eher auf die rasanten Fahrten mit dem Gummiboot und unserem Captain Dimitri.

Während die Barakuda mit erstaunlicher Geschwindigkeit kleiner wird und letztlich am Horizont  verschwindet, versuche ich mich krampfhaft am Gummiwulst des Schnellbootes festzukrallen. Das Mittelmeer scheint relativ seicht zu sein, unser Boot bäumt sich dennoch so stark auf, dass ich mich etwas um das im Bug liegende Equipment sorge. Ich sehe uns schon nach diversen Kameras und Flossen tauchen.

Wir kommen trotz heiterem Seegang heil und voll ausgerüstet an der Sonntagshöhle an.

Ich denke an mein erstes Erlebnis in dieser Höhle im letzten Jahr. Heute werden wir uns in die Situation versetzen, sich in einer Höhle ohne Lampe zu orientieren.

Wir tauchen gemütlich ab und sind nach einer kurzen Schwimmeinlage an unserem Ziel. Wir tauchen zusammen auf und treffen uns an der Oberfläche.

Nacheinander schalten wir die Lampen aus. Eine gespenstige Stille gepaart mit einer absoluten Dunkelheit tritt ein. Ich kenne dieses Szenario ja bereits, es ist aber wieder überwältigend. Die absolute Stille und die ständige Druckveränderung versetzen mich in einen unbeschreiblichen Zustand. Und wenn ich unbeschreiblich schreibe, meine ich das wirklich so: Ich habe versucht, es in Worte zu fassen. Hat nicht geklappt!

Norbert erzählt mir später, er habe in der Höhle seine Schwarzlichtlampe angeschaltet, was zu einem beeindruckenden Farbenspiel führte. Wir hatten auch welche dabei, aber natürlich vergessen, diese einzuschalten.

Nachdem wir die Höhle verlassen haben, trainieren wir die Rettungsübungen, die Theo und Paul beim Briefing erläutert haben. Ich bin sehr zufrieden, denn die Übung mit Lena klappt hervorragend reibungslos. Wir freuen uns und schauen Rainer und Heike beim Absolvieren der Übung zu.

Nachdem Theo alle Posen ausreichend auf Speichermedien gebannt hat, zieht unsere Gruppe weiter zum entspannten Teil. Wir treffen auf eine Sepia, die leider nicht so verspielt ist, wie viele ihrer Artgenossen. Also schauen wir ihr fasziniert bei ihrem Solo zu: Ein einmaliges Farbenspiel.

Nach lockerem Austauchen machen wir einen Sicherheitsstopp und finden uns an Bord ein. Eine weitere rasante Bootsfahrt später suche ich meine Basisfreundin, diese ist leider wieder nicht aufzufinden. So wasche ich mein Equipment mit Süßwasser und trete meinen Weg zum Apartment an. Bei einem gemeinsamen Abendessen tauschen wir unsere Erfahrungen des heute Erlebten aus. Ich glaube, später bekommt mein Kopf den Kontakt zum Kopfkissen nicht mehr mit, da ich bereits in einen steingleichen Schlaf gefallen bin.

 
 

Fußmassage

Tag 3 - Tauchgang 1

Das Wetter ist heute hervorragend. Das schnelle Frühstück und der Kaffee gleichermaßen. Ich packe meinen Kram zusammen und flitze Richtung Tauchbasis. Merke: FlipFlops, Strandschuhe oder ähnliches ist definitiv ein hilfreiches Gut bei der Überquerung des Strandes zur Tauchbasis. Da ich über eine Schuhgröße verfüge, über die manche sagen, dass sie Flossen obsolet macht, kann man nicht einfach in einen Laden laufen und sich neue besorgen. Meine alten sind letztes Jahr in Laos geblieben und der griechische Verkäufer im Strandladen gestern leidet vermutlich immer noch unter Lachkrämpfen. So finde ich mich reichlich fußmassiert an der Tauchbasis ein.

Unser heutiger Ausflug ist ein weiterer optischer Leckerbissen. Paul und Theo schaffen es, sich von Tag zu Tag mit der Qualität der angefahrenen Tauchplätze zu übertreffen. Nach dem Zusammenbauen meines Equipments sind wir wieder im Schlauchboot unterwegs, um den Odysseus-Felsen anzusteuern.

Der griechischen Sage zufolge landete Odysseus nach seiner langen Odyssee als letzte Station hier auf Korfu, wo er mit einer weiteren schweren Aufgabe konfrontiert wurde, bevor er nach Hause durfte: Sein Boot war zuvor von Poseidon zu Stein verwandelt worden und ist seither für immer am Meeresboden verankert. Die Geschichte wird noch heute stolz von den Korfioten erzählt. Heute in der Version unseres griechischen Captains.

Am Felsen vorbei, springe ich wenige Meter später voller Ehrfurcht von Bord, denn wir besichtigen auf ca. 14 m Tiefe die Max Hahn-Tafel. Ich hoffe, Max Hahn ist jedem Leser ein Begriff. Falls nicht: Er ist maßgeblich für unsere heutigen Dekotabellen verantwortlich und wurde hier, als einzige genehmigte Seebestattung, beigesetzt.

Wir verlassen Max und suchen den Eingang zur Grotte/Höhle, finden diesen auf ca. 42 m. Diese Grotte ist eine Ausnahme, denn man hat keine Sicht nach draußen. Somit befinden wir uns hier per Definitionem in einer Höhle. Wir sammeln uns und nach kurzem Check geht esunter der Wand hindurch in eine Art Schornstein, in dem es deutlich spürbar ist, wie es sich in einer engen Höhle anfühlt. Mein Puls steigt beim Blick nach Links merklich. Da geht es weiter und viel tiefer in die Höhle. Wir sollen uns aber rechter Schulter zum Ausgang begeben. Der Blick in diese Richtung fährt meinen Puls wieder runter. Wunderschönes Blau... und der Ausgang! Wir sammeln uns und sind  voll mit Adrenalin. Also ich zumindest. Lena wirkt wie immer total entspannt, lacht und wir setzen an zur zweiten Runde.

Nachdem wir den Kamin zum zweiten Mal durchquert haben, ziehen wir weiter Richtung des kleinen Durchbruchs, durch den kleinere Personen problemlos durchpassen. Grazil wie immer quetsche ich mich durch und es geht zum Austauchen.


Tag 3 - Tauchgang 2

Der Tauchgang und das opulente Mittagessen haben mich in einen Tiefschlaf versetzt. Nur schwer nimmt mein Körper Fahrt auf. Ich stehe total neben mir. Eingefunden auf der Basis, bin ich immer noch dem Einschlafen nah, was erst eine unvorhersehbare, eiskalte Dusche behebt. Theo lacht, stellt das Wasser ab und legt den „Einspühlschlauch“ beiseite.

Biene steht neben mir und schaut mich ungläubig an. Ich bin mir sehr sicher, gesehen zu haben, wie sie mit den Augen rollt. Sie trottet die Treppe hinauf, um sich auf ihrem Plateau zu positionieren, wo sie einerseits im Weg rumliegt, andererseits aber auch alle im Blick hat.

Fertig ausgerüstet geht es im gewohnt zügigen Tempo auf zum Tauchspot: Dem Blue Eye und dem Super Blue Eye. Zwei sehr schöne, offene Grotten, in denen wir entspannt Fotos schießen und den Anblick der beiden großen Öffnungen genießen. Wir stoßen auf die ein oder andere Languste und tauchen weiter den Hang entlang. Wir erkunden die Umgebung ausgiebig und tauchen langsam aus. Der ein oder andere mag sich über die etwas kurze Beschreibung wundern. Ich finde allerdings nicht die richtigen Worte und kann nur jedem empfehlen diesen Tauchspot selbst zu erleben. Es ist wunderschön.

Zurück an Bord sieht der Himmel bereits sehr dunkel aus. Uns macht das nicht so viel aus, sind wir doch sehr schnell wieder an der Basis. Kaum dort angekommen, bricht der Himmel auf, als wäre uns Apollo nicht mehr wohlgesonnen. Wir machen uns etwas Sorgen um die Barakuda, denn das Gewitter ist in unmittelbarer Nähe der Küste. Regen auf Korfu: Das gab es - laut Paul - in all den Jahren des Seminars nicht. Zum Glück ist die Klimaerwärmung nur eine Erfindung der „Fake News“.

Ich erschrecke etwas, als ich Biene finde. Der massige Hund sitzt stock steif neben der Toilette und bewegt sich keinen Zentimeter. Ich hocke mich zu ihr und kraule ihr den Kopf. Hat dieser wirklich eindrucksvolle Hund Angst vor Gewitter? Es scheint so. Sie entspannt sich etwas und so verbringe ich einen Großteil des Unwetters neben Biene hockend auf der Basis-Toilette.

Das Unwetter lässt etwas nach und verschwindet schließlich gänzlich. Wir treten unseren Weg zum Apartment an. Klitschnass dort angekommen, sehen wir in der Ferne endlich die Barakuda. Diese ist in Küstennähe immer weiter gefahren und hat es schließlich unbeschadet zum Anlegeplatz geschafft.

 
 
 

Für jeden nur ein Kreuz

Tag 4 - Tauchgang 1

Ich werde von der Seite angestuppst und kraule in Gedanken einen großen braunen Hundekopf. Biene reißt mich aus meinen Gedanken und guckt mich mit großen Augen an und es scheint fast so als würde sie sich für den gestrigen Klobeistand bedanken wollen. Es kann aber auch sein, dass ich ihr Verhalten schon wieder fehlinterpretiere. Ich werde aus diesem Hund einfach nicht so richtig schlau. Ich dachte, es wär’ Liebe, doch es war Schilddrüsenunterfunktion...

Weil wir immer noch nicht wissen, wo genau das Kreuz des Südens liegt und wie es aussieht, haben wir es uns heute zur Aufgabe gemacht, dies zu ändern. Natürlich werden wir dabei auf dem zulässigen Abstand und auf unserer maximalen Tiefe von 40m bleiben.

Erneut am Odysseus Fels angekommen, verliert die Gruppe eine Bleitasche und wir müssen erst von Bord Nachschub besorgen. Eines unserer Teammitglieder war hier schon oft, taucht aber heute aus Krankheitsgründen zum ersten Mal. Wir schwimmen im Wasser, machen einen kurzen Check, ob bei allen alles ok ist und schauen, ob wir gemeinsam abtauchen können. Es gibt ein paar Komplikationen mit dem Druckausgleich. Beim zweiten Anlauf klappt dann aber alles reibungslos und wir lassen uns im Freiwasser auf 39m fallen. Vor uns taucht der riesige Torbogen der Grotte auf, die wir gleich besichtigen wollen. Wir sammeln die Gruppe und Theo checkt, ob es allen gut geht und weist nach rechts in den Abgrund. Dort unten liegt es: Das Kreuz des Südens. Eigentlich nicht großartig spannend, haben sich doch nur alte Schiffstaue und ein rundes Objekt zu einer Art Kreuz verbunden. Leider kann man von unserer Position aus nicht alles erkennen, aber man sagt, es sei wunderschön bewachsen.

Wir setzen unseren Tauchgang auf 40m fort, Theo schickt mich als ersten durch die Grotte und ich tue wie mir geheißen. Mir folgt mein immer entspannter Buddy Lena und dann der Rest der Truppe.Wir setzen unseren Tauchgang über ein Plateau fort und finden uns an einer Steilwand ein, um bis zum Sicherheitsstopp auf 5m locker auszutauchen.


Tag 4 - Tauchgang 2

Weil es alle so schön fanden, fahren wir auf Wunsch von allen noch einmal zum Blue Eye und Super Blue Eye. Diesmal ist alles wesentlich entspannter, denn alle kennen den Spot und freuen ich wieder auf zwei Runden durch die Felsformationen.

Abends wollen wir die Mönche in Paleokastritsa und ihr Kloster besuchen, leider spielt das Wetter nicht mit. Es spielt quasi gegen uns und das so richtig. Nachdem Zeus erst den Odysseus Felsen in den Sturmwolken hat verschwinden lassen, schickt er hiernach ein gewaltiges paar Blitzebündel hinterher. Kurz: Es bricht ein lautes und eindrucksvolles Unwetter aus. Die Donnerschläge werden hier von quietschenden Schreien begleitet. Diese kommen wohl von den männlichen Kursteilnehmern, sonst kann ich mir diese akustische Begleiterscheinung nicht erklären. Zum Glück sind diesmal beide Boote im Hafen und so kann ich mich in Ruhe an diesen Text setzen und auf das gemeinschaftliche Abendessen warten.

 
 
 
 

Der dunkle Glücksbringer

Tag 5 - Schnorcheltrip

Heute ist der letzte Tag unserer Reise. Ich bin wehmütig und etwas traurig. Christine ist leider krank und kann am Schnorcheln nicht teilnehmen. Ich hatte ihr im Vorfeld viel davon erzählt und wollte ihr unbedingt die Grotten zeigen, um sie nachhaltig fürs Tauchen zu begeistern. Im Nachhinein hat sie mir erzählt, das wäre gar nicht nötig, angefixt sei sie eh schon.

Wir tragen unsere Ausrüstung zum Boot. Heute werden wir erst beim Schnorcheln das Innere eines Wals erkunden und direkt danach tauchen. Jegliches Equipment liegt an Bord bereit. Wir springen in ABC-Ausrüstung von Bord und sofort wird mir klar: Mir fehlt Blei, verdammt, ich brauche mit dem 8 mm Anzug tatsächlich 2 kg mehr als letztes Jahr. Ich schwimme zu Dimitri, fummele zwei weitere Gewichtseinheiten auf meinen Bleigurt und schwimme zum Rest der Mannschaft zum Grotteneingang.

Die Beschaffenheit des glatt geschliffenen Kalksteins lässt mich unweigerlich zurück an meine Kindheit und Centerpark-Rutschen denken. Das hier ist nur viel cooler. Es ist unbeschreiblich schön. Die vormals vergessenen Rotlicht-Lampen kommen nun zum Einsatz und tauchen die Szenerie in ein unheimliches Schimmern. Die Center Park-Stimmung verschwindet und ich muss beim Anblick der Zotten an das Innere eines Wals denken. Ok, ich war bisher noch nicht in einem Wal und hoffe, dies bleibt mir auch erspart. Aber müsste ich wetten: Ich würde sagen, so sieht ein Wal von innen aus.

Wir tauchen durch einen kleinen Durchbruch und finden weitere geschliffene Kaltwände. Zurück im Grotteneingang bleibt es mir nicht erspart, ein Erlebnis von meiner Tauchliste abzuhaken: Ich spüre einen wirklich schmerzhaften – äh – Schmerz und ich starre auf ein kleines schwabbeliges Gebilde, welches über meinen Daumen wabert. Ich meine gesehen zu haben, dass die kleine Feuerqualle lachend davon schwimmt. Um das noch einmal deutlich zu erwähnen:  Dieses wirklich verlockende Geschöpf habe ich nicht versucht aktiv anzufassen! Ich gehe davon aus, dass mein Arm und eventuell weitere Gliedmaßen umgehend amputiert werden müssen! Norbert legt mir später allerdings lachend Rasierschaum und seinen Nassrasierer auf den Tisch. Ich habe mir also das erste Mal in meinem Leben meinen Daumen rasiert. Dem Feuerquallen-Desaster um ein Haar (noch) lebend entflohen, geht es zu einem Tauchspot, von dem ich bereits letztes Jahr gehört habe. Ich erzähle immer wieder von der Qualle und verstehe einfach nicht, warum alle lachen.

Beim letzten Ziel angekommen, finde ich mich wieder mit der Elite der TLs wieder: Jo (TL3), Paul (TL4), Norbert (TL4), Theo (TL4) und Lena (TL2). In meiner bisherigen Taucherlaufbahn ist dies wohl der koordinierteste Tauchgang, den ich jemals erlebt habe. Das hohe Niveau ist beeindruckend. Alle kennen sich seit Jahren und sind ein so gut eingespieltes Team, dass es mir so vorkommt, als müsste ich gar nicht selbst tauchen. Unser Tauchgang hat mittlerweile das Niveau des Sporttauchens verlassen und gegen eine gewisse Marine-Präzision getauscht.

Dimitri sammelt uns wieder ein und wir fahren alle sehr zufrieden  in die Basis und bauen das letzte Mal unser Equipment auseinander. Morgen ist Freitag und es wird nicht getaucht. Wir haben ein Boot gemietet und ich werde der mittlerweile genesenden Christine die Highlights unserer Tauchgänge mit ABC-Ausrüstung zeigen.

 
 

Anmerkung des Chronisten

Ich hoffe, euch hat dieser Text gefallen und ich konnte euch einigermaßen vermitteln, welchen Spaß ich in diesem SK schon zum zweiten Mal hatte. Die, die mich persönlich kennen, wissen, die Qualle hat mir natürlich gar nichts ausgemacht, dies war lediglich ein stilistisches Mittel, um den Text interessanter zu gestalten (Anmerkung der Lektorin Christine: Ja ja!).

Es tut mir leid, dass wir diesen Blog nicht live schalten konnten, aber hier ist es so eine Sache mit dem Internet.

Danke an all die lieben Menschen, die ich kennenlernen durfte und bitte entschuldigt, wenn ich nicht alle erwähnen konnte. Es war eine wundervolle Woche, bei dem jeder Tag ein Highlight war.

Einige von euch treffe ich bestimmt auf der Boot oder auf SKs irgendwo auf der Welt wieder.

Ich wünsche euch alles Gute.

Euer Tobi