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Tauchausbildung

TL2-Prüfung auf Korfu, 13.-20. Oktober 2018


Tag 1: Der steinige Weg…

Nachdem am Samstag alle Teilnehmer schlussendlich eingetroffen sind, stellten wir uns der ersten Herausforderung: Der Transport der Ausrüstung über den steinigen Strand und teilweise durchs Wasser hinauf zur Basis „Corfu Diving“. Schlussendlich kamen alle Gepäckstücke heil und trocken an. Nachdem die Basis bezogen war, wurden wir offiziell vom Ausbilderteam begrüßt und auf die bevorstehende Woche eingestimmt. Einige Teilnehmer nutzten die Nacht zur Anreise, sodass der Abend frühzeitig ausgeklungen ist und wir die Betten unserer Unterkunft austesteten.


Tag 2: Meeresgrotten sind keine Höhlen!

Simone, die Chefin der Tauchbasis, gab uns eine Einweisung in die älteste VDST Auslands-Tauchbasis weltweit. Vom Strand aus starteten wir, um unserem Belastungstest über 1.000m Schwimmen zu absolvieren. Durch die Brandung an den Felsen vorbei ignorierten wir den Lockruf der Sirenen und schwammen dem Ziel entgegen: einem altem Plastikkanister, der als Boje dient. Kurz danach kam auch die Barrakuda, unser Tauchschiff, welches wir auf der Strecke eiskalt überholt haben.

Nach der Strecke kam die Tiefe. Alle tauchten unter gegenseitiger Sicherung zur geforderten Tiefe und erfreulicherweise auch wieder auf. Um schnellstmöglich den dritten Abschnitt des Tages anzutreten, den ersten Tauchgang an der „Klosterwand“, legten wir zügig unser Gerät im Wasser an. Vor dem Abtauchen prüften wir gegenseitig die richtige Bleimenge und den Wassernasenreflex. Zu unserer Überraschung fiel der Reflex bei allen negativ aus. Nach dem Abtauchen durchquerten wir gruppenweise einen Felsbogen und unsere Tauchlampen ließen eine erste Grotte erstrahlen.

Auf dem Rückweg konnten noch weitere Grotten durchtaucht werden. Besonders im Gedächtnis bleiben wird uns der Blasenwald, als wir schließlich über die von uns besuchte Grotte hinwegtauchten.

Vierter und letzter Abschnitt des Tages war das „Himmelsloch“. Eine beeindruckende Grotte mit Süßwasserzufluss und der Möglichkeit aufzutauchen und die durch ein Deckenloch eintretenden Sonnenstrahlen zu genießen. Eine Fuchsjagd-Übung rundete den Tauchgang ab.

 

Tag 3: Die Entdeckung des Fuxiums

Vormittags musste der geplante Ausflug zum „Odysseus Felsen“ aufgrund des Wellengangs leider entfallen. Stattdessen stand „Donalds Place“ auf dem Programm  ̶  mit den steilen Felsen bestens geeignet für die geplante Übung Aufstieg unter Wechselatmung.

Vor dem Tauchgang fand Till ein neues Element, das bereits erwähnte „Fuxium“, mit der chemischen Formel H2O3. Dafür nehme man zwei Heikes und drei Ollis und packe sie in eine Tauchgruppe. Till, wir schlagen Dich für den nächsten Nobelpreis vor.

Aufgrund der Tiefe von 40+ Metern fiel dieser Tauchgang kürzer aus als die vorherigen. Die Übungen klappten dennoch wieder bei allen Gruppen. Am Schluss stand noch eine Übung aus dem Spezialkurs „Problemlösung“ auf der Tagesordnung: zu bewältigen war der Totalausfall des Haupttariermittels. Daher musste der Auftrieb durch dosiertes Befüllen der Signalboje hergestellt werden. Auch das bekamen nach „Vorturnen“ durch die Prüfer aller Anwärter hin, mehr oder weniger schnell und wir ritten auf unserer Boje wie auf einer Poolnudel dem Tauchboot entgegen.

Der zweite Teil des Tages gestaltete sich durch das welligere Meer sportlicher. Ein Teil der Kandidaten musste zunächst ihr Boot schwimmend erreichen, um dieses entern zu können. Nachdem alle an Board waren gings los in Richtung Tauchplatz „Skeloudi“. Dieser Tauchgang war geprägt durch die Ventilmanagement-Übung und die Rettung eines simuliert verunfallten Tauchers. Eine Gruppe behauptet auch eine Schildkröte gesehen zu haben. Der Autor dieses Blogs hält dies für Seemansgarn. Abgerundet wurde der Tag durch ein Kurzreferat zum Thema Seemannschaft.

 
 

Tag 4: Ein Plan ist nur dann gut, wenn er geändert wird

Heute war der erste Tag, an dem wirklich vier Gruppen tauchen gehen konnten. Theo war wieder gesund und es ging zum „Odysseus Felsen“. Der Sage nach ist Odysseus hier zurückgekommen und aus Wut darüber, dass er eine Sirene mit nach Hause gebracht hatte, ließ Zeus Odysseus Schiff versteinern (so reagieren halt Väter, wenn der Sohn das erste Mal mit einer Freundin nach Hause kommt).

Die Wellen, die der Blitz verursachte, spürte man immer noch. Mindestens einem Teilnehmer verübelten die Wellen den Spaß an der Ausfahrt. An diesem „versteinerten Schiff“ kann man nun gut den Tieftauchgang mit Luftmanagement üben. Natürlich durfte dabei eine Grotte nicht fehlen. Zuerst schauten wir uns aber alle die Max-Hahn-Gedenktafel an. Max Hahn wurde nach seinem Tod hier bestattet, eine Tafel erinnert an ihn.

Drei Gruppen fanden sich etwas tiefer unterhalb des Grotteneingangs wieder und begannen vom Ausbilder vorgegebene Übungen. Tills Knotenkunde wurde leider zu früh durch das Erreichen der Nullzeitgrenze beendet. Leider konnte keiner der Teilnehmer seinen schönen Knoten vollenden. Jede Gruppe stieg dann unter Luftmanagement wieder auf.

Durch Tafel, Grotte, noch einer Grotte und Luftmanagement war der Tauchgang zügig beendet und alle Gruppen wurden von den Booten aufgefischt. Leider konnte man sich das Boot nicht aussuchen, welches einen abholte, aber der Plan wäre gewesen, in das Boot einzusteigen aus dem man auch ausgestiegen ist. Das sorgte im Nachhinein noch für etwas Verwirrung. Aber alle Gruppen kamen erfolgreich zurück. Das Ziel des Tauchgangs mit 50 Bar aufzutauchen ist von allen Gruppen ziemlich genau erreicht worden.

Am Nachmittag stand die Übung Navigieren ohne Hilfsmittel und Retten eines Tauchers aus einer Grotte auf dem Plan. Leider lahmte ein Boot (einer der beiden Motoren ging nicht mehr) und so wurde die Grotte gestrichen und wir fuhren wieder zum gestrigen Nachmittagstauchplatz. So einfach war das aber nicht. Die Ausrüstung musste komplett auf die gute alte Barrakuda (alte Schiffe gehen nicht kaputt) verfrachtet und die Teams wie vormittags auf die Boote verteilt werden. Wer schon einmal auf einer Tauchlehrerprüfung gewesen ist weiß, dass die Teams bei jedem Tauchgang neu gemischt werden. Also galt für die Personen auf der Barrakuda: ins Wasser springen, um Platz zu machen. Und für die Mitfahrer des „Gummiboots“ (warum es Gummiboot heißt, weiß keiner. Es sieht aus, wie ein Hartschalenboot und hat zwei ziemlich dicke Motoren) hieß es, erst von Boot zu Boot zu klettern, dann die Ausrüstung anzulegen, ins Wasser zu gehen und zur richtigen Gruppe zu stoßen. Aber alle haben ihre Gruppe gefunden.

Der Ausbilder gab den Kurs eine Zeit lang vor. Danach musste die Gruppe das Boot wieder erreichen. Auch dies wurde von jeder Gruppe erfolgreich gemeistert. Begleitet wurden die Gruppen von Barrakudas. Einige sahen auch Drachenköpfe, eine Muräne und Nacktschnecken.

Der Abend klang mit einer medizinischen Fortbildung zum Thema fünf Minuten Neurocheck aus.

 
 
 

Tag 5: Fünf Engel für Theo

Ab heute wurde es ernst. Keine folgenlosen Übungen, sondern waschechte Prüfungstauchgänge standen auf dem Plan. Faktisch änderte sich aber nichts, außer dass es jetzt Zensuren gab. Ein bisschen aufgeregter waren trotzdem alle.

Heute fuhr die eine Hälfte der Teilnehmer mit der Barakuda zu einer Grotte und die andere Hälfte mit dem „Gummiboot“ zu nahegelegenen Tauchplätzen. Für die Teilnehmer auf dem Gummiboot zwar nicht so spektakulär, dafür aber wesentlich entspannter, weil die Fahrt nur 10 Minuten dauerte. Diese Gruppe war mit dem Flaschenabbauen nach dem Tauchgang und den Nachbriefings also bereits fertig, als die Gruppe der Barakuda mit einem großen Lächeln in den Gesichtern ankam.

Die Barakuda fuhr das „Blue Eye“ an, doch nicht beide Gruppen an Board bekamen es zu sehen. Theo konnte die fünf Engel, die ihm heute zugeteilt wurden, mit der Grotte beeindrucken, und so betauchten sie das „Blue Eye“ sowohl auf dem Hinweg, als auch auf dem Rückweg. Theos Mädels revanchierten sich damit, dass sie ihm drei Langusten und ein Tritonshorn präsentierten. Der Männertrupp aus der anderen Gruppe lernte, dass es nicht so schlimm ist, mal eine Grotte nicht zu finden. Schließlich passiert das sogar einem TL3 noch gelegentlich mal. Als Übung stand für alle Gruppen der Aufstieg unter Wechselatmung an der Topographie an. Um auch im Spezialkurs „Probleme lösen“ voranzukommen, setzten wir am Ende der Übung auch die Signalboje noch unter Wechselatmung.

Am Nachmittag noch einmal das gleiche Spiel: die einen fuhren los, die anderen bereiteten entspannt ihren Tauchgang vor. Auch die Gruppe „Gummiboot“ bekam eine Grotte. Der Tauchplatz war der gleiche wie am ersten Tag. Laut Briefing sollte Norbert zuerst Katja die Grotte zeigen und die anderen vor der Grotte warten. Durch eine Verwechslung waren dann aber doch alle sofort in der Grotte. Und zurück gings dann auch noch einmal. Die „Fuchsjagd“ verlief unauffällig. Dann durften wir noch einmal testen, wie das Retten eines bewusstlosen Tauchers aus einer Grotte funktioniert: einfacher als gedacht konnten alle Teilnehmer auch diese Übung erfolgreich abschließen.

Die Barakudagruppe fuhr zur „Sonntagshöhle“. Hier war es absolut unmöglich den Grotteneingang nicht zu finden und alle erfreuten sich an den drei Abschnitten dieser prachtvollen Grotte. Im letzten Abschnitt konnten wir auch auftauchen und das Gefühl genießen, nach Ausschalten unserer Lampen in nahezu vollkommener Dunkelheit (warum müssen Tauchcomputer eigentlich so hell sein?!) in einer Meeresgrotte zu sein. Auch diese Gruppen bewältigten die oben genannten Übungen mit Leichtigkeit und die Anspannung sank spürbar, als wir alle unsere ersten positiven Bewertungen erhielten.

Gestern wurde nach Redaktionsschluss der Neurocheck durch eine erfreulicherweise bestandene Medizin-Nachprüfung ersetzt und so rundete dieser Programmpunkt den heutigen Tag ab


Tag 6: Aufstieg unter Fehlsichtigkeit

Vormittags stand der „Tieftauchgang mit Luftmanagement“ auf dem Programm. Beide Boote fuhren wieder unterschiedliche Tauchplätze an. Die Teilnehmer, die gestern mit dem „Gummiboot“ unterwegs waren, durften heute mit der Barakuda fahren. Eine Gruppe der Barakuda erfand dabei – nicht ganz freiwillig – eine neue Übung für TL2-Anwärter: den Aufstieg unter Fehlsichtigkeit. Diese Übung funktioniert wie folgt: Man setze eine Gruppe ausschließlich aus Tauchern mit optischen Maskengläsern zusammen und lasse diese auf 40 m Tiefe die Masken reihum wechseln. Nun muss nur noch Wottis Signal zum Zurückwechseln durch die Anzeige der aktuellen Dekompressionspflicht untergehen, und schon steigt die Gruppe mit fremder Maske unter Luftmanagement auf 25 m auf. Das Ablesen der Tauchcomputer und der Finimeter wurde eine Herausforderung. Dennoch zeigten alle Finimeter am Ende dieser Übung exakt (!) 50 bar an.

Die Gummiboot-Gruppe versuchte mit allen Mitteln die Bootscrew zu überzeugen, einen „echt geilen“ Tauchplatz anzufahren. Dies wurde jedoch aufgrund des angeschlagenen Motors des Gummibootes abgelehnt. Auch unser Angebot, wir könnten doch durch unsere starken Flossenschläge etwas anschieben wurde abgelehnt. Da sich in einer Gruppe Tauchlehrer selbstverständlich auch Inhaber von Bootsführerscheinen befinden, überlegten wir kurz, ob wir das Boot nicht einfach entern und selbst manövrieren sollten. Da unser Hauptaugenmerk aber ja immer noch das Erlangen der TL2-Lizenz war, entschieden wir uns dann, dass der nahgelegene Tauchplatz doch bestimmt auch ganz nett wird. Und tatsächlich: nach einigem Schwimmen erreichten wir eine Steilwand, an der wir ein paar Langusten und weitere spannende Dinge gefunden haben, an denen wir uns während der Luftmanagement-Übung erfreuen konnten.

Mittags gab es Fesselspielchen mit Till, aka Gruppenhäkeln aka Knotenkunde. Nachdem sich alle wieder befreit hatten ging es auf zum zweiten Tauchgang. Dieser führte die Barakuda-Gruppe zur Sonntagshöhle. Die Teilnehmer konnten die Begeisterung der gestrigen Besucher vollständig teilen. Nebenbei wurden auch noch zwei Rettungsübungen ausgeführt: zunächst als Sandwich aus der Grotte, dann die wohlbekannte Rettungsübung im Freiwasser.

Theos und Tills Gruppen besuchten währenddessen die „Klosterwand“. Auch wenn wir dort ja schon waren, sorgte dieser Tauchplatz erneut für Begeisterung. Und ganz klar, auch diese Gruppen haben natürlich die Rettungsübungen ausgeführt. Dies verlief souverän.

Am Abend unterhielten wir uns noch über die verschiedenen Dekompressionsmodelle und waren stolz, dass nach Prüfungstag zwei alle Teilnehmer sicher im grünen Bereich waren. Morgen noch einmal überzeugen, dann haben wir unser Ziel erreicht!

 

 

 

 
 
 
 

Tag 7: 15 frischgebackene TL2 lassen das Meer gefrieren

Der letzte Tag, die letzten zwei Tauchgänge stehen auf dem Programm. Herausforderung #1: wie kommen alle Taucher zum Tauchplatz? Da das "Gummiboot" nicht in der Lage war, den weit entfernten Tauchplatz zu erreichen, wichen wir auf ein kleineres Zodiac aus, auf welchem aber nur 6 Taucher Platz fanden. Daher wurde ein Shuttleservice durch das Zodiac errichtet, der die Taucher gruppenweise zum Tauchplatz und auch wieder zurück fuhr. Es ging wieder zum Odysseusfelsen und dort auf 40+ Meter. Zur Aufgabe stand die Planung und Durchführung eines Dekompressionstauchgangs mit zusätzlichen simulierten Dekostopps im Freiwasser. Kein Problem, gesagt, getaucht.

Nach den Debriefings wurden wir von Theo in den Freiluftseminarraum gerufen. Einige von uns vermuteten schon, was dort passieren würde. Alle Teilnehmer waren derart im grünen Bereich, dass ein Durchfallen jetzt schon nicht mehr möglich gewesen wäre. Theo ernannte uns also alle zum TL2 und änderte die Übung für den zweiten Tauchgang in "Durchführung eines Spaßtauchganges". Nachdem wir einen Moment brauchten, bis diese Message bei uns angekommen war, fielen sich alle in die Arme und gratulierten sich zur bestandenen Prüfung. Jetzt sind wir TL2 und wie Wotti schon zu Beginn der Woche weise festgestellt hat, damit so cool, dass das Meer gefriert.

Wir konnten also erfahren, wie es sich anfühlt, als echter TL2 zu tauchen. Es ging auch an einen dafür perfekten Tauchplatz: viel zu sehen, mehr als tief genug und Navigation funktioniert dort von allein. Wir tauchten in selbst gebildeten Gruppen, sahen allerhand marines Leben und genossen die abfallende Anspannung.

Für den Abend ludt der VDST seine frisch gebackenen TL2s zum Essen ins nahgelegene Dörfchen ein, wo wir unsere Erfahrungen noch einmal Revue passieren ließen und unser erreichtes Ziel feierten.

Wir bedankten uns beim Ausbilderteam, bestehend aus Theo Konken, Dr. Till Fuxius, Norbert "Wotti" Wotte und Katja Paravicini, unserem medizinischem Support Dr. Heike Gatermann sowie bei allen, die uns auf unserem Weg unterstützten und die letzten Tage und Wochen für uns da waren.