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Tauchausbildung

Sa., 12.07.2014, Tag 1

Fangen wir doch einfach mal mitten drin an. Zufrieden sind wir alle wieder an Bord der Mavi und freuen uns auf das leckere Mittagessen, das Hanne und ihre Crew für uns alle bereitet hat. Türkische Küche,  .... frisches Gemüse, Käse, Fladen, Hühnchen.  Alles mit türkischen Gewürzen verfeinert. Zunächst schmeckt es exotisch, aber mit jedem Bissen wird deutlich, warum die Mittelmeerküche berühmt ist. Wir sind alle schon richtig hungrig und haben uns den Imbiss verdient. Nur gut, dass genug für alle da ist. Natürlich gibt es auch einen kräftigen Nachschlag. 

Woher kommt der gute Appetit?

Alle TL1- , TL2- und TL3 Anwärter der diesjährigen Praxisprüfung des VDST haben bereits die erste Hürde hinter sich gebracht. Das Schnorcheln über eine gefühlte Strecke von 2 km.  Eigentlich kein Problem für niemanden von uns, allerdings ging es im freien Meer entlang einer Insel.  Immer noch kein Problem? Nun, die einen nennen es hohe Wellen, andere meinen, dass es nur eine leicht ondulierte Wasseroberfläche ist, was uns heute in der weitläufigen Bucht vor Kas geboten wurde. Jedenfalls pflügten wir durch teilweise tiefes Wasser, so dass der unsichtbare Meeresgrund keine Orientierung bot und die Wellen verhinderten die freie Sicht nach vorne.  Immer wieder geriet man vom Kurs ab und legte unnötige und Kraft raubende Strecken zurück,  die uns kein Stück näher an die Mavi brachten.  Das Feld zog sich auseinander und es dauerte eine Weile, bis dann tatsächlich alle wieder die Flossenleiter am Heck unseres Tauchboots empor stiegen.

Theo Konken und seine Mitstreiter, Reiner Kuffemann, Dr. Karen Ackermann, Norbert Wotte, Hanne Bahnsen haben gerufen und es folgten 20 TL- Anwärter.

In der späten Nacht nach langem Flug und noch längerer Busfahrt entlang der Küste kamen wir im malerischen Kas an, gönnten uns ein kleines Getränk und fielen todmüde ins Bett. Es war 09.00 Uhr in der Früh, wir saßen endlich beim leckeren Frühstück in unserem Hotel Linda und wurden im Anschluss von unseren Ausbildern begrüßt. Theo schilderte den Ablauf der anstehenden Tage und gab  schon jetzt den einen und anderen Tipp. Anschließend, geführt von den „alten Hasen“, ging es geschlossen zum Hafen und dort erwartete uns Hanne auf der Mavi, die uns in das Boot einwies.

Das Mittagessen ist vorbei, Theo hält einen kleinen Vortrag zum Thema Seemannschaft und vergisst nicht das berühmte Bilgenschwein zu erwähnen. Dann wird es wieder ernst und er spricht über die Vorteile der aktuellen Ausrüstungskonfiguration. Vor diesem Hintergrund haben wir alle Gelegenheit, noch schnell das eine oder andere an unserem Gerödel zu richten. Dann geht es auch schon an den 1. Übungstauchgang. Die Gruppen sind bereits eingeteilt, die Gruppenführer stehen fest. Unter den prüfenden Blicken der Ausbilder erfolgt das Briefing und als Besonderheit wird das DTG mal nicht an Bord angelegt, sondern ins Wasser gereicht um sich dann dort aufzurüsten. Hier gilt es, nicht vom Boot abzutreiben und immer in Reichweite der Tauchpartner zu bleiben. Natürlich beweist jetzt jeder, dass er den Wasser-Nase-Reflex unterdrücken kann und dann kommt noch der Bleicheck. ...... Alles o.k! Es geht in die Tiefe und um euch Daheimgebliebene etwas neidisch zu  machen, wir haben unendliche Sicht und das alles bei 28 Grad Wassertemperatur.

Es ist ein Gewöhnungstauchgang. Wir nehmen die Gelegenheit wahr, uns mit dem Handling des Equipments vertraut zu machen und das Gefühl für TAUCHEN zu entwickeln. Es soll ja auch Spaß machen. Wir erreichen 38m Tiefe, begrüßen Flötenfische, Zackenbarsche, kleine blaue Schnecken und eine große Putzlappenschnecke. Wer sie gesehen hat, weiß was gemeint ist. Jetzt geht es, einmal ohne Computer (!) auf eine gefühlte Tiefe von 5m und der Tauchpartner kontrolliert,  ob es stimmt. Obligatorisch setzen wir zum Ende des Tauchgangs unsere Bojen und der eine oder andere kann nachvollziehen, warum dies zur hohen Schule des Tauchens gehört.

Alle sind wieder an Bord, leuchtende Augen, glückliche Gesichter und Taucherlatein. Es folgt das Nachbriefing und die konstruktive und wohlmeinende Kritik unserer  Ausbilder,  die alles in allem zufrieden wirken.

Es ist jetzt gleich 19.10 Uhr, das gemeinsame Abendessen ruft und wir werden den heutigen Tag in warmer, lauer Luft mit einem Kaltgetränk beenden.

Morgen melden wir uns wieder.

Text: Bernd Wald & Manfred Schlüter
Fotos: Karen Ackermann & Theo Konken


So., 13.07.2014, 2. Tag

Das alte Coast-Guard Boot wurde vor wenigen Jahren als Tauchattraktion auf ca. 20m Tiefe versenkt. Ein Wintersturm hatte dafür gesorgt, dass das imposante Ungetüm in die Tiefe gerutscht ist und nun ein ideales Ziel für unsere TL-Ausbildung darstellt.

„Wir werden zunächst das Wrack antauchen und uns in Ruhe ansehen. Danach werden wir den Aufstieg entlang des Riffs unter Wechselatmung demonstrieren.“ Soweit die uns gestellte Aufgabe. Natürlich sollen wir auch dabei den Spaßeffekt nicht vernachlässigen.  Also, los geht´s!

Die eingeteilten Gruppenführer briefen die Teilnehmer, es wird sich aufgerödelt, das Equipment gecheckt und Sprung ins Wasser. Ein kurzer Bubble-Check auf 3m und der Gruppenführer gibt die Richtung vor. Um Luft zu sparen tauchen wir in zunächst niedriger Tiefe und stoßen dann zum Wrack hinab. Etwa in 30m Tiefe taucht es schemenhaft hervor aber wir haben noch weitere 15m, ehe wir die Kiellinie des Stahlkolosses erreichen. Es folgt eine ausgiebige Besichtigung und natürlich zeigt der eine oder andere Computer Deko an. Es beunruhigt uns nicht, schließlich ist jeder Aufstieg ein Deko-Aufstieg. Der Gruppenführer wird mit eindeutigen Zeichen zum individuellen Luftvorrat informiert und er managt, dass die Taucher mit dem größeren Luftvorrat ihren Hauptatemregler dem Buddy reichen. Parallel zueinander tauchen die Partner den Hang langsam hinauf. Nach Erreichen der Wechseltiefe wird der Regler getauscht und die Übung wird auf ca. 15m erfolgreich abgeschlossen. Das Wrack haben wir mittlerweile weit hinter uns gelassen. Wir genießen Flora und Fauna auf unserer letzten Wegstrecke zur Mavi und reiten dabei die Deko ab. Der Gruppenführer signalisiert „Mavi über uns“,  aber unsere Ausbilder meinen, dass wir nochmals eine Boje setzen müssen. Okay, kein Problem!

Mittagspause und obligater Vortrag zum Nachmittagstauchgang. Was sollte gemacht werden? Die TL demonstrieren das Retten eines leblosen Tauchers an die Wasseroberfläche. Der Gruppenführer sucht ein geeignetes Plateau in 10m Tiefe und hintereinander  wird die Rettung in Vorführqualität geübt. Jetzt kommt wieder der Spaß. Wir entdecken fliegende Fische mit weitgespreizten Flügeln. Balzverhalten? Die Flügelspitzen schimmern im brasilianischen Türkisgrün. Faszinierend! Es geht zurück zur Mavi und an der Oberfläche werden die 100m zum Schiff zurückgelegt,  indem der „leblose Taucher“ unter Weisung des Gruppenführers transportiert wird. Die eigene Erfahrung lehrt, dass es für den „leblosen Taucher“ kein Zuckerschlecken ist, von den anderen an Bord gebracht zu werden. Egal, Hauptsache ein Leben ist gerettet.

Jetzt möchten wir noch unseren Mittaucher Wolfgang Mehl vorstellen.  Er repräsentiert die EUF (European Underwater Federation).

Nachtrag: Es waren doch keine fliegenden Fische! Unsere Ausbilder schauten sich die Bilder an und klärten auf: „Das sind Knurrhähne“. Wir fanden sie trotzdem toll.

Drücken wir alle der deutschen Mannschaft die Daumen.

Text: Bernd Wald & Manfred Schlüter
Fotos: Theo Konken


Mo., 14.07.2014, 3. Tag

Morgen treffen wir uns eine halbe Stunde später an Bord“. Diese Ansage von Theo Konken passte in unsere Abendplanung und so fanden wir uns pünktlich um 21.00 Uhr im „Ehl-i Keyf“, einem gemütlichen Freiluft-restaurant unweit des Hafens zum Public Viewing. 40 begeisterte Fußballfans vergaßen eine Zeitlang die wichtigste Sache der Welt und freuten sich mit der deutschen Mannschaft.

Sariot Adassi Duva, so wird die Steilwand genannt,  an der wir am heutigen Morgen den Aufstieg ohne Flossennutzung demonstrierten. Die Buddies positionierten sich gegenüber, signalisierten ok und stiegen über Lungen-tarierung kontrolliert auf, während sie von den beiden Mittauchern vorbildlich gesichert wurden. 25m, Wechsel der Akteure und der Aufstieg wurde bis auf 10m fortgesetzt. Alle waren zufrieden und nun ging es daran, die Landschaft zu entdecken und das Riesenexemplar einer Karettschild-kröte zu bewundern. Allmählich näherten wir uns der Mavi und das „Boje setzen“ war schon Routine.


Nach dem Mittagessen wurde die freie Zeit genutzt und wir alle verfolgten die Ausführungen und Demonstrationen unseres Verbandsarztes Dr. Konrad Meyne zur Thematik „Wiederbelebung“. An dieser Stelle wollen wir es nicht versäumen uns bei Theo Konken zu bedanken, der Konrad als „Patient“ zur Verfügung stand.

Jetzt erst einmal zu unseren beiden TL-1 Anwärtern,  die wir an dieser Stelle namentlich erwähnen möchten. Dies sind:

 Sandra Geiger von den Inseltauchern Nürtingen-Zizishausen und

Heidi Völkel vom TC Octopus Siegen. Morgen erfahrt ihr, wer unsere TL-2 Anwärter sind.


Di., 15.07.2014, 4. Tag

Man kann deutlich merken, dass Hauptsaison ist. Im malerischen Kas sind die pittoresken Gassen, Hinterhöfe und Plätze bis tief in die Nacht  belebt. Besucher aus aller Herren Länder streifen durch das Städtchen und genießen das bunte Leben, das gute Essen und die (Life-) Musik  von Klassik über Jazz bis hin zum Hip Hop, die aus den Bars und Restaurants klingt. Allerdings, wir sind Taucher und deswegen ist es selbstverständlich, dass wir spätestens gegen Mitternacht in unseren Betten liegen. Wir wollen schließlich die folgenden Tauchgänge mit allen Sinnen und hellwach genießen dürfen.


Bis 09:00 Uhr wird gefrühstückt und um 09:25 Uhr  hat unser TLvD an Bord die Vollständigkeit der Truppe und des Equipments gemeldet. Der Vormittagstauchgang führt uns zu einer nach unten führenden Öffnung des Unterwassergebirges. Nur kurz verharren wir in 15m Tiefe an der Felsenkante. Jetzt wird ausgeatmet und,  Archimedes sei Dank, wir sinken hinab. Auf 40m atmen wir tief ein. Dazu ein kurzer Luftstoß in unser Jacket. (nur um die Neugier aller neugierigen Tauchanfänger zu wecken: Wir befinden uns jetzt im „hydrostatischen Gleichgewicht“. Näheres werden euch eure TL gerne erklären.)  Dicht über dem Grund nähern wir uns dem Ausgang einer Grotte und schwenken ab. Rechte Schulter die in die Tiefe führende Steilwand und nach wenigen Minuten finden wir den Zugang zu einer weiteren Grotte, die tief und dunkel in das Massiv hineinragt.  Voller Neugier betauchen wir diese Attraktion und bewundern bizzare Felsformationen, die auch in dieser Tiefe Lebensgrundlage unterschiedlichster Flora und Fauna bilden.  Unser Gruppenführer bleibt aber aufmerksam und fragt Restluft und Dekoanzeige ab. Klar, in dieser Tiefe bleibt es nicht aus, dass unsere Tauchcomputer Signal geben, dass  wir weiter oberhalb zur Dekompression verweilen müssen. Unser Gesamtluftvorrat ist aber ausreichend. Wo es nötig ist, managt der Gruppenführer Luftspenden und wir alle erreichen nach einem beeindruckenden Tieftauchgang unter Einhaltung aller Sicherheitsregeln die 5m Tiefe zum obligatorischen Safety-Stopp und entern die Mavi.

Damit ist auch geklärt, was Inhalt und Zweck dieses Ausbildungstauchgangs  ist, nämlich das taucherische Vorstoßen in große Tiefen unter Einhaltung aller Sicherheitsregeln. Dazu gehörte heute auch die vorherige Berechnung unseres Luftvorrats. Es muss immer genug Atemgas für einen sicheren Aufstieg unter Beachtung der Deko-Stopps vorhanden sein.  Wie ihr gelesen habt, es hat bei allen gut geklappt.

Der Nachmittagstauchgang gab uns Gelegenheit, die für Taucher versenkte DC3 zu besuchen. Den Flieger finden wir auf etwa 20m Tiefe, wo er vor wenigen Jahren von den in Kas ansässigen Tauchbasen in gemeinsamer Aktion versenkt wurde.  Der Tauchplan lautete: Erst geht`s runter zum Flieger zum Sight-Seeing. Dann wird der TL3- Anwärter, der als Co-Ausbilder fungiert, das Zeichen zur erneuten Fuchsjagd geben und wenn diese erfolgreich beendet ist, wird die Gruppe in das „Off“ geführt. Die TL-Anwärter sollen anhand natürlicher Orientierung zur DC3 zurück finden.

Sight-Seeing kann jeder, also keine Probleme. Fuchsjagd?  Haben wir doch erst gestern gemacht. Also auch ohne Beanstandung gemeistert. Orientierung:  Alle Gruppenmitglieder haben verinnerlicht, dass das eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Somit wurde sich untereinander verständigt und zielsicher tauchte die DC3 am Horizont auf.  Auch diese Aufgabe wurde zur Zufriedenheit der Ausbilder  gelöst.  Der Luftcheck zeigte uns, dass noch Zeit war,  das imposante Flugzeug in weiteren Einzelheiten zu erkunden und dann ging es hinauf zur Mavi.

Nach dem Debriefing war allen klar, dass es keine Beanstandungen gab. Es müsste vielleicht noch die eine Stellschraube etwas angezogen oder die andere Stellschraube etwas gelockert werden, aber alle haben den Tauch-gang  erfolgreich hinter sich gebracht. Es herrschte gelöste Stimmung. Dies war unser erster Prüfungstauchgang und alle haben ihn bestanden.  Wir sind guten Mutes, dass es so weiter geht.

Zum Schluss noch unsere TL2-Anwärter:

Heiko Bade (OSC Braunschweig), Thomas Bödecker (TG Waspo Hannover), Olaf Hafemeister (TSC Langeberg, Velbert), Matthias Schiffer (TSC Mülheim a.d.Ruhr), Marc Cieslarczyk (TSG Biber Bochum), Andreas Kellert (TSA Sterkrade im TC 69, Oberhausen), Alexander Kurz (BTC Bingen), Nadine Schneider (BTC Bingen), Miriam Kellner (TC Atlantis, Gimbsheim), Holger Braun (TC Hibaru, Isenbüttel), Rainer Bohnenstengel (TC Muräne Karlsruhe), Timo Reckwerth (TC Muräne, Karlsruhe), Roel van Doorne (DUC Stommeln, Pulheim)

Text: Bernd Wald & Manfred Schlüter
Fotos: Theo Konken


Mi., 16.07.2014, 5. Tag

Lass mich mal bitte meine melonensaftigen Hände abwaschen!“ Mit diesen Worten drängt sich Gunther Daniel zum Heck,  wo Nachzügler die Vorteile der beiden Süßwasserduschen genießen. Es ist Nachmittag, wir haben den zweiten Tauchgang hinter uns und erfrischen uns mit eben diesen saftigen Melonenschiffchen, die der Kapitän der Mavi und seine Mannschaft uns reichen.

Dies ist die Gelegenheit,  unsere Mittaucher vorzustellen, die  professionell aktuelle Bilder über und unter Wasser für Lehrmaterialien des VDST schießen:

Gunther Daniel, TL 2 (TC Seedrachen Homburg/Saar), Volkmar Lehnen (TL4, DUC Salzgitter-Bad), Bernd Denz-Gerlach (TL4, TSV Niedernhall)
sowie unsere beiden Fotomodelle Tanja Ringelmann (TL3, TC Stuttgart) und Jens Rauderwick (TL2,TG Papenburg).

Originalton eines TL-Anwärters: „Das ist ja richtige Maloche, was die da machen“.  Wir alle denken der hat Recht.

Wollen wir den heutigen Tag in aller Kürze Revue passieren lassen: Der zweite Prüfungstauchgang stand an. Wir durften es bereits üben, so dass wir alle den Aufstieg unter Wechselatmung aus großer Tiefe durchführen konnten. Unsere Gruppenführer brachten uns in die Zieltiefe 40m+ wo wir riesige Kornspeicheramphoren bewachsen mit Schwämmen vorfanden. Allmählich, unter Beachtung der Luftvorräte, wurden wir von den Gruppenführern in flachere Bereiche gebracht, so dass sich Deep – und Dekostopps wie von selbst erledigten. Nach ca. 45 Minuten fanden sich die Tauchgruppen unter der Mavi  ein, wo sie gemeinsam den Safety-Stopp abritten. Eine leichte Strömung trieb uns zur Leiter und alle freuten wir uns nach diesem erfolgreichen Tauchgang auf das leckere Mittagessen.

Der Nachmittags-TLVD übernahm das Kommando und organisierte die Vorbereitung zum zweiten Tauchgang. Die Aufgabe war klar, die Gruppen eingeteilt und die Ausbilder führten die Teilnehmer über eine Seegraswiese, dann über Felsen auf die Rückseite eines Riffs und .... die Aufgabe wurde zunächst einmal hinten angestellt, denn es gab etwas Besonderes zu sehen. Zwei Rochen patrouillierten in der Nähe. Zeitgleich gerieten die Tauchgruppen in große Schwärme von Ährenfischen, die von Flötenfischen attackiert wurden. Und dann schwebte noch eine „Putzlappenschnecke“ (den richtigen Namen wissen wir immer noch nicht) anmutig durch das Freiwasser und stand uns als Fotomodell zur Verfügung. Die Ausbilder signalisierten plötzlich, wo ist die Mavi? Das war nämlich die Aufgabe: Findet die Mavi unter Nutzung natürlicher Hilfsmittel auf kürzestem Wege! Die TL-Anwärter beratschlagen sich, zogen Landschaft, Strömung und Sonnenschein zu Rate und signalisierten die Richtung. Korrekt! Wir verfolgten den Weg und sahen nach wenigen 100 Metern den Schatten unseres Schiffs. Auf dem Weg dorthin nahm jeder Teilnehmer einmal die Maske ab und wurde ein Stück des Weges vom Partner geführt. Als das Ziel erreicht war wurden wir Taucher von Gunthers Fotogruppe erwartet und wir durften das Shooting des Tages life erleben. Routiniert erledigten die Gruppenführer das Debriefing und wir freuten uns auf den Feierabend.

Es geht voran wir freuen uns auf den morgigen Tauchtag.

Text: Bernd Wald & Manfred Schlüter
Fotos: Theo Konken


Do., 17.07.2014, 6. Tag

Die Verfasser des Blogs sitzen in der Lobby und fragen sich, was sie den Daheimgebliebenen noch berichten sollen. Vor uns befindet sich eine Übersichtsaufnahme von Kas.  Wir stehen auf einem Berg, blicken auf das Meer und können in der Ferne Meis erkennen. Dort ist schon Griechenland. Unter unseren Füßen die Gassen und weiße Häuser mit roten Dächern des lykischen Städtchens. Der Hafen liegt voller Großsegler, Fischerkähne und natürlich auch Tauchbooten. Wir sehen den Ankerplatz der Mavi. Von unserem Hotel sind es nur 5 Minuten bis zur Planke,  die achtern zum flachen Deck  der Mavi reicht.


Unser TLvD meldet: „Alle Mann an Bord!“ Der Kapitän wirft den Motor an und es geht hinaus zum Canyon. Wir springen ins Wasser. Die Strömung zwingt uns dicht über Grund und wir nutzen Steine und Felsvorsprünge, um die Strecke von 20 Metern zum Einstieg in den schmalen Felsspalt,  den wir in 5 Meter Tiefe finden,  zu überwinden. Der Guide wirft einen Blick zurück, die Gruppe signalisiert ok und schon lassen wir uns in die Tiefe fallen. Schon befinden wir uns im Strömungsschatten. Wir können uns auf uns selbst konzentrieren und genießen die Schwerelosigkeit. Der Spalt öffnet sich zu einer Grotte. Kurze fragende Blicke? Natürlich,  dort wollen wir alle hinein. Der Gruppenführer sorgt für den geordneten Ablauf und so können wir tief in das Dunkel tauchen und beim Umdrehen ins offene Blau schauen. Es geht über sandigen Grund hinaus. Unmerklich erreichen wir eine Tiefe von 30 Metern und vor uns liegt ein riesiges Wrack. Der Baumwollfrachter wird umrundet und der Gruppenführer lotst seine Mittaucher zu einer geeigneten Stelle, die deutlich unterhalb 40 Metern liegt. Hier soll jeder eine kleine Aufgabe bewältigen und so werden Masken abgenommen und ausgeblasen oder Knoten geschlagen. Die Tiefe macht uns langsamer, aber wenn man sich konzentriert,  geht es. Der Gruppenführer fragt Luftvorrat und Deko ab. Natürlich, wir müssen uns langsam auf den Weg nach oben machen und der eine oder andere hat schon etwas weniger Luft. Der Gruppenführer hat die Übersicht und managt Luftspenden,  die wie nebenbei abgewickelt werden. Wir alle haben Handlungssicherheit und Routine gewonnen, so dass es ein problemloses Weitertauchen ist. Unser Tauchgang führt uns durch tausende kleiner Wasserblasen,  die vom Grund des Canyons aufsteigen,  quer hinüber auf die andere Seite des tiefen Felsspalts. Dort wird der Strömungsschatten genutzt,  um restliche Deko auszutauchen. Es folgt ein weiteres Vergnügen, denn nun geht es dicht über den Grund,  der etwa 6 Meter unter der Wasseroberfläche liegt,  zur Mavi. Die senkrecht stehende Sonne sorgt mit dem Wellenspiel für herrliche Lichteffekte,  in denen kleine Fische bunt leuchten. Der Tauchgang ist jetzt zu Ende und wir haben euch berichtet, wie wir unsere Aufgabe „Tieftauchen mit Luftmanagement“ alle erfüllt haben.

„... und wir wünschen euch viel Spaß!“ Mit diesen Worten beenden unsere Ausbilder das Briefing zum Nachmittagstauchgang. Der Lobster-Point ist eine flache Bucht, die von einem Riff begrenzt wird. Davor finden wir Seegraswiesen, Sandflächen und glattgeschliffene Felsformationen. Diese Sandfläche ist genau richtig. Sie liegt 10 Meter tief und weist keine Pflanzen auf, die Schaden nehmen können. Hier demonstriert der Gruppenführer in Vorführqualität das „Retten eines handlungsunfähigen Tauchers“. Jeder einzelne Handgriff wird betont deutlich und langsam demonstriert, so dass unsere späteren Tauchschüler genau wissen, wie sie handeln müssen. Alle Teilnehmer wechseln durch und jetzt geht es,  das Riff zu erkunden. Ein Schwarm Flötenfische umkreist kleine Ährenfische, Zackis kreuzen unseren Weg und wir dümpeln in aller Ruhe zwischen den Felsen herum. Ich werde von meinem Buddy angestoßen, er deutet nach vorne und ein riesiger „Stahlhelm“ kommt gemächlich auf mich zu. Euch ist klar, es ist eine Karettschildkröte, gut einen Meter lang, die direkt auf unsere Tauchgruppe zusteuert und erst in Armeslänge zur Seite ausweicht. Wir alle halten die Luft an,  um das Tier nicht zu erschrecken und blicken ihr hinterher. Wieder mal so ein Erlebnis,  für das wir Taucher viel hergeben. Wir machen uns auf den Rückweg und routiniert werden Safety-Stopps ausgetaucht. Plötzlich, die Ausbilder haben sich mit den Co-Ausbildern abgesprochen, treibt der Ausbilder scheinbar leblos in 3 Meter Tiefe dahin. Sofort reagiert der aufmerksame Gruppenführer und gemeinsam mit den Mittauchern wird das Unfallopfer an die Wasseroberfläche gebracht. „Blei ab!“ und schon formiert sich die Gruppe, um den Verunfallten zur Mavi zu bringen. Die 150 Meter Strecke sind im Nu überwunden. Und was genau so wichtig ist, der Gruppenführer hat seine Mittaucher beisammen gehalten.  Zufrieden laden wir im Hafen die Druckluftflaschen in den bereit stehenden Pickup der Basis. Die Gruppe des TLvD räumt die Flaschen zum Kompressor und alle anderen nutzen schon die Zeit für eine kleine Erfrischung.

Was macht der Co-Ausbilder? Nun,  die Ausbildungsordnung schreibt vor, dass der TL3-Anwärter während der Ausbildung unter Beweis stellen muss, dass er die Eignung hat,  TL-Anwärter auszubilden. Nehmen wir dies nun zur Gelegenheit,  euch noch die TL3-Anwärter vorzustellen.

Andreas Woelffling (TC Berlin e.V.), Manfred Schlüter (TC Atlantis, Kaufbeuren), Bernd Wald (DUC-Stommeln, Pulheim) und Frank Schoppmeier (SCS Schwalbach e. V. aus Schwalbach).

Text: Bernd Wald & Manfred Schlüter
Fotos: Theo Konken


Fr., 18.07.2014, 7. Tag

Gratulation!! Theo Konken wird im Namen unseres Verbandes allen angetretenen TL1- und TL2-Anwärtern  am heutigen Abend im offiziellen Rahmen ihre neue Lizenz verleihen. Darüber hinaus werden sich die Landesverbände Berlin und Bayern über frisch gebackene TL3 freuen dürfen. Auch die beiden anderen TL3-Anwärter werden heute Abend den entsprechenden Einkleber in ihren Taucherpässen vorfinden. Sie haben als letzte Hürde noch die im kommenden Jahr anstehende Theorieprüfung vor sich. Wir alle sind überzeugt, dass sie dies dann auch noch hinter sich bringen werden und 2015 die Weihen erhalten werden.

Heute Morgen traten wir zum letzten Prüfungstauchgang an. Da es guter Brauch ist, dass wir alle unmittelbar nach jedem Tauchgang ein Feedback von unseren Ausbildern erhalten,  waren wir alle guten Mutes. Niemand musste befürchten, dass etwas auf der Kippe stand. Allerdings, auch die heutige Prüfung durfte nicht „versemmelt“ werden. Dann hätte sich alles noch zum Schlechten wenden können. Deshalb gingen wir den heutigen Vormittag noch einmal mit voller Konzentration an. Dies hatte sich dann gelohnt. Das Ergebnis:  Siehe oben!  Der Aufstieg ohne Flossenbenutzung wurde von einer sehr großen Wasserschildkröte begleitet und wir hatten den Eindruck, dass auch sie mit unseren gezeigten Leistungen zufrieden war.  Eine doch recht heftige Strömung konnte den Verlauf der Übung nicht groß stören. Wir wussten alle, wie man damit umgehen  muss und zum Abschluss der Übung und des Sightseeings ließen wir uns nach dem Safety-Stopp zur Flossenleiter der Mavi treiben.

Schade, die Zeit war spannend und kurzweilig. Jetzt ist alles vorbei.

Taucherunfall!!!  Unweit der Mavi, Steuerbord, wird ein einzelner Taucher kurz an der Oberfläche gesichtet. Er gestikuliert wild, geht wieder unter.  Der TLvD reagiert: Sofort werden Gruppen eingeteilt. „Zwei Mann auf`s Oberdeck als Beobachtungsposten, 4 Mann mit ABC ins Wasser! Ihr schnorchelt sofort in Richtung des Hilfesuchenden. Gebt uns Signal, wo wir ihn und seine Mittaucher finden!“ Andere Kameraden werden eingeteilt, springen mit kompletter Ausrüstung ins Wasser und hoffen,  in etwa 5m Tiefe die Hilfesuchenden von weiteren Rettungstauchern übergeben zu bekommen.  Alle haben wir nur noch Restluft, etwa 50 bar. Was tun?  „Nehmt andere DTG`s als Stage mit, dann sind es schon 100 bar, die  zur Verfügung stehen! Damit kommt ihr bis zum Grund und sicher wieder nach oben!“ So machen sich als letzte die „Rettungstaucher“ auf den Weg. Sie haben von den anderen bereits signalisiert bekommen, dass da eine ganze Gruppe Taucher leblos auf dem  Felsengrund liegt. Sie werden in die Höhe gebracht. Dort bewältigen andere Taucher die Resthöhe von -5m bis zur Oberfläche. Gemeinsam mit den ABC-Tauchern werden die Verunfallten  zur Mavi gebracht. „Wir pellen sie aus der Ausrüstung! Nur so bekommen wir sie an Bord.“ Gut, dass wir einen Arzt dabei haben. Er hat bereits  alles vorbereitet und kann die Erstversorgung einleiten. Unterstützt wird er von Tauchern, die an Bord geblieben sind. Der Kapitän hatte bereits über Funk Hilfe angefordert und wir können froh sein, dass alle wieder an Bord zurück sind und machen uns umgehend auf den Weg zum Hafen.    Ende der Übung.

Das war das erste Mal, dass ein solches Szenario durchgespielt wurde. Die kritische Analyse ergab, dass vieles noch zu verbessern war. Doch wir glauben, dass wir auf dem richtigen Weg sind und für den „Worst Case“, den sich niemand wünscht, einen Ansatz zur erfolgreichen Rettung verunfallter Taucher  entwickeln konnten. Weitere Übungen in anderen Konstellationen werden folgen und wir hoffen, dass der VDST letztlich ein sinnvolles Handlungskonzept entwickelt haben wird.

Mit diesem letzten Bericht beenden wir unseren Blog. Wir sind in den Tagen zu einer Gemeinschaft zusammen gewachsen,  in der sich jeder auf jeden verlassen konnte. Wir hoffen,  uns im Laufe der Zeit wieder mal zu treffen. Anlässe gibt es genug. Gemeinsame Fortbildungen auf Bundes- und Länderebene finden ja regelmäßig statt. Freuen wir uns auf ein Wiedersehen.

Text: Bernd Wald & Manfred Schlüter
Fotos: Theo Konken