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Tauchausbildung

Impressionen Tauchlehrer-Prüfung - Hurghada

Die erste Praxisausbildung und -prüfung für Tauchlehrer ** und Tauchlehrer *** 2015 findet in Hurghada statt.

Hier aktuelle Bilder und Berichte von dieser Veranstaltung


Samstag, der 21. Februar 2015


 Ein ganz normaler ägyptischer Wintertag. Bis sich eine unauffällig wirkende Condor-Maschine vom Startort Düsseldorf nähert. Nachdem insgesamt 12 TL**-Anwärter mitsamt Prüferteam erfolgreich in Hurghada, Ägypten gelandet sind, beginnen die ersten Herausforderungen: Eines der vielen Gepäckstücke findet den Weg zum Zielflughafen nicht. Es muss improvisiert werden. Dank der umfangreichen Vorbereitungen aller Teilnehmer (natürlich!) nur eine kleine Aufgabe, die umgehend gelöst werden kann.


Erster Tauchtag (22. Februar)


Den ersten Tauchgängen steht nichts mehr im Wege. Während sich die gesamte Gruppe mental auf die 1000m Konditionsübung eingestellt hat, entscheidet das Wetter anders. Wegen Sicherheitsbedenken bei der Durchführung muss sich Theo schweren Herzens entscheiden, die Übung abzusagen – natürlich zum Leid der Teilnehmer ;-)

 „Getaucht wie gebrieft“ ist die offizielle Zielstellung für alle Gruppen; Die Realität weicht in manchen Punkten ab, das kennt man auch. Wenn dann trotz langer Tauchpause, neuer Ausrüstung, unbekanntem Gewässer und einer gehörigen Portion Prüfungsangst alle Tauchpartner wieder gesund und munter die Oberfläche erreichen, ist das schon Grund zur Freude. Dass allerdings die Vorstellungen an einen TL** noch ein wenig weiter reichen, lernen wir umgehend. Womit dann auch feststeht: Unsere Ausbilder Heike Gatermann (Tauchärztin), Theo Konken, Norbert Wotte und Maik Römhold sind nicht ohne Grund mit uns aufgebrochen. Die Ausbildungswoche hat begonnen!



Zweiter Tauchtag (23. Februar)


So, heid san ma do für den zwoaden Doag der Vorbereitung.“ Die Einführung zum Briefing lässt schon den Schluss zu, dass auch ein bayrischer Tauchsport-Kollege unter den TL2-Anwärtern ist – und auch gleich als Gruppenführer zum Tauchgang „Aufstieg unter Wechselatmung“ von den Ausbildern eingeteilt wird. Am Tauchplatz Stone-Beach festgemacht, geht es nach einem kurzen Referat ans Briefing der einzelnen Gruppen, bevor im 23°C „kalten“ Wasser abgetaucht werden darf – ägyptischer Winter halt. Als erster Tauchgang jenseits der 40 Meter sind alle  Teilnehmer gleich mit größerer Tiefe und einer anspruchsvollen Übung gefordert. Nach erfolgreich absolviertem Tauchgang steht in der folgenden Mittagspause ein Vortrag zum Thema „Delfine & deren Lebensgewohnheiten“ an, den Angela Ziltener von der Dolphin Watch Association äußerst interessant und kurzweilig gestaltet.

Nach diesem packenden Vortrag und einem leckeren Mittagessen an Bord geht´s los zum zweiten Tauchgang: Rettungsübung. Zieltiefe für den Tauchgang ist ca. 25m, Übung absolvieren; und dann den Tauchgang als entspannten Erlebnistauchgang fortsetzen. Als kleine Herausforderung wurde als Tauchplatz eine Lagune mit maximal 15m Tiefe gewählt – was die Teilnehmer erst unter Wasser feststellen dürfen. Nichts desto trotz werden alle Übungen durchgeführt, denn Improvisation unter Wasser ist bekanntlich unsere Stärke.


Dritter Tauchtag (24. Februar)


Ausrüstung auf dem Balkon trocknen? – Fehlanzeige! Auch in Hurghada kann es regnen. Wenn man also plötzlich auf dem Weg zum Frühstück durch Pfützen stapfen muss, könnte es am nächtlichen Niederschlag gelegen haben. Gut, sind wir ehrlich, bei 26°C Außentemperatur im Februar leicht zu ertragen.

Beim Auslaufen ist der Himmel aber wieder aufgeklart. Auf dem Weg zum ersten Tauchplatz können wir dem Tauchkollegen Christoph zum Geburtstag gratulieren. Der erste Tauchspot mit mehr als 40m Tiefe bietet uns die besten Voraussetzungen für die Übung „Aufstieg ohne Flossenbenutzung“ - wie bei TL2 Anwärtern zu erwarten, klappt diese Übung bei allen. Schildkröte und Blaupunktrochen begleiteten uns.


Für die zweite Übung sucht der Kapitän eine schöne Lagune aus. Auch dort fanden wir die besten Voraussetzungen zur „Fuchsjagt“. Alle schaffen auch dies ohne Probleme. Beim Austauchen können wir uns am Fischreichtum der Lagune erfreuen. Am Bord zurück gibt es frisch gebackenen Geburtstagskuchen aus unserer Schiffskombüse – ein perfekter Tauchtag.

Als krönenden Abschluss des Tages werden wir durch Auditor Martin Denison (European Underwater Federation) gelobt: „Der VDST ist dem gewohnt hohem Niveau bei der Ausbildung wieder einmal mehr als gerecht geworden.“ Die besten Voraussetzungen zum Start in die morgen beginnende Prüfungsphase.



Bei aller Freude über gelungene Vorbereitungstauchgänge gibt es am Abend dann doch noch einen Wehrmutstropfen: Die besonders lieb gewonnene Deko-Bier Bar direkt an der Tauchbasis wird von einem Abrissfahrzeug dem Erdboden gleich gemacht. Offensichtlich haben unsere Bemühungen zur Umsatzerhöhung nicht gefruchtet.


Vierter Tauchtag (25. Februar)


So langsam neigt sich die Vorbereitung dem Ende entgegen. Heute steht der letzte Vorbereitungstauchgang „Tieftauchgang mit Luftmanagement“ an. Während uns die Aida Momo zum Tauchplatz Abu Ramada Cave fährt, führen die Tauchgruppen jeweils eine Luftverbrauchsberechnung zur Bestimmung des Umkehrzeitpunktes durch.


In Sternformation lassen wir uns in die Tiefe sinken. Auf der Zieltiefe angekommen vertreiben wir uns die Zeit mit Maske Ausblasen und dem Knüpfen von Knoten. Als die Tauchcomputer die Deko anzeigen, beginnen wir mit dem Aufstieg. Nach dem Luftcheck tauchen wir paarweise unter Atmung aus dem Hauptregler des Partners höher.

Einige Male wechselt der Hauptautomat den Luftnehmer. Gar nicht so einfach das Luftmanagement. Nach Absolvieren der Dekostufen wird am Ende des Tauchganges noch obligatorisch die Boje gesetzt und ausgetaucht. Ein Blick auf die Finimeter lässt uns den Tauchgang lächelnd beenden - alle Gruppenmitglieder kommen mit mindestens 50bar aus dem Wasser.

Schnell geht es ans Umziehen und die Nachbriefings, damit das wie immer köstliche Essen an Bord nicht kalt wird. Wir gönnen uns eine wohlverdiente Pause ohne weitere Aktivitäten.

Nach der Pause hören wir noch ein Referat über das Herz-Kreislaufsystem und anschließend das Referat über den nächsten Tauchgang „Rettung eines handlungsunfähigen Gerätetauchers“ – womit es dann auch ernst wird: Dies ist unser erster Prüfungstauchgang! Zum Glück tauchen wir an einem super Tauchplatz, nicht sehr tief, jedoch sehr schön. Neben Blaupunktrochen, Muränen, Trompeten-, Krokodils und Clownfischen, sowie einem kapitalen Napoleon gibt es auch noch einen riesigen Steinfisch zu bestaunen. Auch ein kleines Wrack quert unseren Weg. Die geplante Übung geht uns dann dank der intensiven Vorbereitung gut von der Hand. Leider geht auch dieser Tauchgang wieder viel zu schnell zu Ende.

Auf der Rückfahrt zur Basis sprechen wir noch über die grundsätzliche Erstversorgung nach einem Tauchunfall und die Vor- und Nachteile verschiedener Sauerstoffsysteme werden intensiv diskutiert. Damit findet ein ereignis- und dabei erfolgreicher Tauchtag seinen gelungenen Abschluss.


Fünfter Tauchtag (26. Februar)


Heute möchte uns Theo etwas Besonderes bieten: Ein Drift-Tauchgang in Kombination mit der Übung „Aufstieg unter Wechselatmung“ entlang des Riffes; also zwei Prüfungstauchgänge in einem. Während der Kapitän uns zum Tauchplatz „Police Station“ am Small Giftun Island bringt, lauschen wir dem Referat, das uns mit der Tauchgangsdurchführung und allen Sicherheitsaspekten vertraut macht. Dann heißt es: Noch zehn Minuten bis zum Absetzen. Alle Gruppen stehen fertig angerödelt und bereit zum Absprung am Heck. Mit geradezu militärischer Präzision erfolgt dann der negative Einstieg. Norbert ist stolz auf uns! In drei bis fünf Metern Tiefe formieren wir uns in der gebrieften Gruppeneinteilung. Der freie Fall auf 40+ beginnt. In der Zieltiefe empfangen uns fantastische Fächerkorallen. Nur eines lässt zu wünschen übrig – die Strömung. Also werden doch die Propeller angeworfen. Kurz vor Ende der Nullzeit beginnen wir paarweise mit der Übung. Da dies mittlerweile Routine geworden ist, können wir parallel das schöne Riff genießen. In zehn Metern Tiefe beginnt dann der touristische, beziehungsweise konditionelle Teil des Tauchgangs. Immerhin erwartet uns das ankernde Boot erst in einer Entfernung von etwa einem Kilometer. Unter maximaler Ausnutzung der vorhandenen Gasvorräte – Stichwort Luftmanagement – genießen wir die Highlights der Riffwand. Frei schwimmende Muränen, Barrakudas, eine äsende Karettschildkröte sowie herrliche Korallenformationen sind nur einige der Höhepunkte.


Nach einer viel zu kurzen Verschnaufpause über Mittag beginnt schon das nächste Referat zum zweiten Tauchgang: Tieftauchgang mit Luftmanagement. Pünktlich zum Beginn des Gruppenbriefings um 13:43 gibt Theo mal wieder den Ton an: „Ich will um 14:00 im Wasser sein, und wehe ich muss auf irgendjemanden warten!“ Die besondere Herausforderung dabei ist natürlich nicht das Briefing, sondern die Schlange vor der Herrentoilette. Wer möchte schon in seinen Anzug pinkeln? Entgegen aller Erwartungen sind die drei Gruppen pünktlich um 14:00 im Wasser. Nach kurzem OK und Blasencheck geht es wieder ab ins Blau. Auf dem Weg zur Zieltiefe werden wir von zwei großen Muränen, einem Kofferfisch und einer Reihe von Rotfeuerfischen förmlich flankiert. Mit dem Erreichen der geforderten Deko-Pflicht beginnen wir den Aufstieg. Währenddessen können wir die Fauna eines weiteren wundervollen Riffes genießen. Mustergültig tauchen wir den Tauchgang aus.

Die erste Halbzeit der Prüfungstauchgänge ist geschafft!


Sechster Tauchtag (27. Februar)


Tag der Entscheidungen! Heute werden zwei der letzten drei Prüfungstauchgänge stattfinden. Wir alle wissen das und sind dementsprechend hoch konzentriert. Das Wetter meint es gut mit uns – der Wind schläft, die Sonne lacht. Mitten im Briefing dreht plötzlich das Boot: Haisichtung auf Backbord! Ein Grauer Riffhai gibt uns die Ehre und kreist gut sichtbar direkt neben uns. Als der Hai wieder in die Tiefe verschwindet nehmen wir wieder Kurs in Richtung Süden zu unserem Ziel „Sharm Moawd“. Pünktlich um 10:30 Uhr hat dann das Boot geankert und kurze Zeit später gleiten wir das Riff hinab. Übungsbeginn zum Aufstieg ohne Flossenbenutzung ist wie gewohnt auf 40+. Einige Minuten später stellen wir fest: Heute erwartet uns hier keine Schildkröte im Flachbereich - wir geben uns mit herrlichen Fischschwärmen und einigen Grotten zufrieden.

Der Ablauf an Bord hat sich mittlerweile eingeschliffen: Tauchgerät für den zweiten Tauchgang fertig machen, Mittag essen, Nachbriefing, Protokoll schreiben und dann in der mittlerweile angenehm warmen Sonne bis zum nächsten Referat ein wenig verweilen. Zum Briefing sind somit bereits alle Nitrox-Flaschen analysiert und die Ausrüstung fertig montiert. Jeder weiß genau, was wann zu tun ist. Der vorletzte Prüfungstauchgang „Orientierung nach natürlichen Gegebenheiten“ bahnt sich an. Der Kapitän hat „Abu Hashish South“ für uns ausgewählt: Flacher Sandgrund, viele Ergs, keine Wellenlinien. Uns bleibt nur die Sonne als verlässliche Orientierungshilfe. Die Gruppen werden von ihren Ausbildern im Zick-Zack Kurs durch das „Labyrinth“ geführt. Dann erhalten die Gruppen die Führung zurück. Orientierung ist eine Teamaufgabe, und wir sind natürlich gute Teams. Trotz ausgiebigen Genusses der Unterwasserwelt mit frei schwimmenden Muränen, tollen Korallenformationen und herrlichen Fischschwärmen steigen alle Gruppen nach etwa 50 bis 60 Minuten wieder direkt am Boot auf. Die Aufgabe ist erfüllt.


Nun steht nur noch ein Prüfungstauchgang aus und unsere Ausbilder weisen noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass der letzte Tauchgang auch noch zur Prüfung gehört. Zurück an Land bleibt der Absatz an Dekobier entsprechend überschaubar.


Siebter Tauchtag (28. Februar)


Willkommen auf der Zielgeraden. Am heutigen, letzten Tauchtag erinnert uns der Wind einmal mehr daran, dass wir immer noch Februar haben. Fünf Beaufort sind angesagt – die Überfahrt ist rau – wir sind seefest! Zu unserem Glück ankert der Kapitän im Strömungsschatten von Small Giftun, wo der letzte Prüfungstauchgang „Tieftauchgang“ durchzuführen ist. Ein letztes Mal lauschen wir einem Referat. Unsere Tauchärztin Heike hat Hochkonjunktur; sechs Tauchtage mit elf Tauchgängen haben ihre Spuren hinterlassen. Nichtsdestotrotz erhalten wir alle ihr OK. Nach der Tauchgangsvorbesprechung heißt es also anrödeln und ab ins kühle Nass (es sind „nur“ 22°C). Trotz der allgemeinen Anspannung gibt sich niemand eine Blöße, alle Prüflinge liegen im grünen Bereich, wie uns Theo stolz verkündet!

Da wir einmal am Roten Meer sind, entscheiden wir uns dazu, noch einen entspannten Abschlusstauchgang mit unserem Tauchboot anzuhängen. Unser neues Ziel „Erg Somaya“ ist schnell erreicht, diesmal sind kurz vor vierzehn Uhr vier Tauchgruppen im Wasser. Um den Ansprüchen eines entspannten Abschlusstauchganges gerecht zu werden, haben wir alle Prüfer in eine eigene Gruppe gesteckt. Trotz der allgemeinen Erwartungen erreichen auch sie nach einiger Zeit wieder gemeinsam das Tauchboot. Warum nicht immer so? J

Wie gebrieft, entwickelt sich der Tauchgang zum krönenden Abschluss. Neben wunderschönen Korallengärten  mit Schwärmen von Fahnenbarschen verabschieden uns mehrere Muränen sowie eine Familie kapitaler Napoleons. Was will man mehr!?

Wieder zurück an der Mole heißt es: Rasch duschen und umziehen, denn um 18:00 Uhr hat Monika, die Chefin unserer Tauchbasis „Jasmin Diving Center“, uns zum Abschlussessen eingeladen. Getreu dem Motto: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen; stürzen wir uns nicht gleich auf das angerichtete Mahl, sondern warten den offiziellen Teil ab. Mit einen treffenden Spruch für jeden Prüfling werden die Pässe und Urkunden durch Theo feierlich überreicht. Dann eröffnet Monika das Buffet. Uns erwarten großartige arabische Delikatessen. Während wir die letzten Tage Revue passieren lassen, wird viel geschmunzelt und gelacht. Bei heiterer Stimmung lassen wir den Abend und unsere Prüfungswoche ausklingen. Aus einer Gruppe Prüflinge ist ein eingeschworener Haufen geworden.

In Anbetracht der ereignisreichen letzten Tage und der persönlichen Entwicklung eines jeden einzelnen von uns gilt unser ganz besonderer Dank unseren äußerst engagierten und motivierten Ausbildern, mit  denen wir alle Probleme und Fragestellungen auf Augenhöhe besprechen konnten. Wir danken Dr. Heike Gatermann, Maik Römhold, Norbert Wotte und natürlich ganz besonders Theo Konken für die großartige Zeit.