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Tauchausbildung

VDST-Fact Finding Mission, Ägypten (März 2013)

Wege finden - Fact Finding Mission am Roten Meer

Ein Team des VDST machte sich zusammen mit Wissenschaftstauchern und Wissenschaftlern auf nach Ägypten, um bei einer „Fact Finding Mission“ herauszufinden, welche konkreten Möglichkeiten es am Roten Meer für Forschungs- und Jugendprojekte gibt. 

Mehr dazu gibts im Bericht im sporttaucher 3/2013


„Für Wissbegierige“

Die „Fact finding mission“ bot auch für das Ressort Scientific Diving viele Anschluss- und Schnittstellen für zukünftige Projekte und Zusammenarbeit mit ägyptischen Kollegen. So bietet zum einen das geplante Jugendcamp im nächsten Jahr 2014 eine gute Möglichkeit, um den Schülern aus Deutschland und Ägypten Aspekte des wissenschaftlichen Arbeitens unter Wasser näher zu bringen. Kartierung der Riffe, den Gesundheitszustand verschiedener Korallen dokumentieren, die Beobachtung der Fluoreszenz – „das Leuchten der Korallen“ - dies sind nur Auszüge davon, was die Jugendlichen erkunden sollen. Die Sensibilisierung für das Ökosystem Meer und hier besonders des Korallenriffes, genau diese Aufgabe verfolgen wir damit.

Diesen Grundgedanken teilen auch unsere Kooperationspartner von HEPCA, die sich dem Schutz der marinen und terrestrischen Umwelt im und am Roten Meer verschrieben haben. Durch ihr breites Wissen und ihre aktuellen Forschungen vor Ort ist eine Zusammenarbeit zwischen HEPCA und dem VDST-Ausbildungsbereich eine enorme Bereicherung. So werden Experten dieser Umweltorganisation, die sich zum Beispiel mit dem Verhalten von Delfinen oder auch dem Migrationsverhalten von Meeresschildkröten oder Seekühen beschäftigen, unser Jugendcamp aktiv mitgestalten. Noch in diesem Jahr wird ein geplanter Workshop zu „Biodiversität, Umweltschutz und künftige Forschung – das Rote Meer von Morgen“ eine optimale Plattform sein, um Ergebnisse sowie Forschungsbedarf zu diskutieren.“

Christin Müller, Geo-Ökologin, Ressort Scientific Diving


Internationale Jugendbegegnungen - „Absolut sicher“

Für die VDST-Jugend untersuchten wir mehrere Hotels in Marsa Alam und Safaga auf ihre Tauglichkeit, ein VDST-Scientific-Dive-Camp zu beherbergen.  Während dieses Camps sollen ägyptische und deutsche Jugendliche in gemischten Forschungsgruppen Riffe auf Fischbestand, Korallen und Pflanzen unter Anleitung seitens des Fachbereiches Umwelt und des Ressorts Scientific Diving untersuchen und auswerten. Weiterhin erhalten sie kurze Vorträge zu meeresbiologischen Themen und machen Ausflüge in die Wüste sowie zu verschiedenen Forschungsprojekten mit  Delfinen, Dugongs und Schildkröten.

Unsere Wahl fiel auf das Shams Alam Beach Resort in Marsa Alam, das ideale Verhältnisse für ein solches Camp bietet. Es besitzt drei Hausriffe, die über ein eigenes Jetty erreichbar sind. Die angesprochenen Forschungsprojekte liegen alle im Umkreis von einer Stunde und sind somit leicht erreichbar. Während der gesamten Woche untersuchten wir auch sehr genau die Sicherheit im Lande und achteten auf jedes Detail, um einen ruhigen Ablauf des Camps und die Sicherheit aller Teilnehmer zu gewährleisten.  Alle Ausflüge mit dem Fahrzeug, ganz speziell mit dem Jeep circa 40 Kilometer tief in das Wadi Gamal verliefen ohne jegliche Sicherheitsprobleme. Mein persönliches Fazit: Man sah weniger Militär und Polizei auf der Straße und wir fühlten uns zu jeder Zeit absolut sicher. So sicher wie noch nie in Ägypten.

Hans Kudis, VDST- Fachreferent für Internationale Jugendbegegnungen


"Näher untersuchen" - rezente und fossile Riffe in Ägypten

Universität Stuttgart: „Seit geraumer Zeit führt das Biologische Institut Exkursionen und Geländepraktika zu den Themen rezente und fossile Riffe in Ägypten durch. Um das Bild der Saumriffe im Roten Meer weiter abrunden zu können, erschien es uns nötig, auf dem Ägyptischen Festland nach geeigneten Lokalitäten für Exkursionen zu suchen. In der HEPCA fanden wir einen kompetenten Ansprechpartner nicht nur für die biotechnischen, sondern auch für die verfahrens- und energietechnischen Lehr- und Forschungsfelder unserer Fakultät. So wurden uns während der „Fact finding Mission" nicht nur die Projekte zu den Delfinen und Dugongs vorgestellt, sondern auch die erste Recycling-Anlage für Plastikmüll.

Wir würden uns freuen, zukünftig die HEPCA in ihrem Einsatz für die Umwelt nicht nur von Seiten der Biowissenschaften, sondern auch von Seiten der Verfahrens- und Energietechnik zu begleiten und wissenschaftlich zu unterstützen.

Während unseres Aufenthalts in Ägypten hatten wir zu keiner Zeit auch nicht die leisesten Bedenken bezüglich unserer Sicherheit. Ganz im Gegenteil, die Kontrollstellen machten einen bei weitem geringeren martialischen Eindruck als dies noch zu Zeiten des alten Regimes der Fall war. In den Städten wie Hurghada, Safaga und Marsa Alam gab es nicht die geringsten Anzeichen von Demonstrationen oder Ausschreitungen. Daher würde ich die Sicherheitslage am Roten Meer als absolut unbedenklich einschätzen.“

Ralph-Walter Müller, Diplom-Geologe, Geschäftsführer der Fakultät Energie-, Verfahrens- und Biotechnik der Universität Stuttgart


FAIRDiver

„Für FAIRDiver war das Ziel der „Fact Finding Mission Red Sea“ der Abgleich des bisherigen Konzepts von Markenparameter, Zielgruppen und strategischer Kommunikation mit dem tatsächlichen Marktbedürfnis am Beispiel der realistischen und krisengeprägten Tourismussituation in Ägypten. Hier war es absolut richtigvor Ort zu sein, zumal keinerlei Einschränkungen oder Probleme aufgrund der aktuellen politischen Lage auftraten.

Die persönlichen Erfahrungen in den Interviews durch vielseitige Ortstermine und die konstruktiven offenen Gespräche mit Vertretern aller Anspruchsgruppen (wie Hotelmanager, Taucher, Tauchbasenbetreiber, Nationalpark-Ranger und NGO-Mitarbeiter ebenso wie Wissenschaftler) haben für FAIRDiver ein essentielles und facettenreiches Bild gezeichnet. Dieses Bild ermöglicht uns nun, nicht nur ein differenziertere Einschätzung der aktuellen Tourismussituation, es dient auch zur profilgenauen Positionierung der Marke an sich, die wir nun in die Kommunikations- und Medienplanung umlegen und in Form von konkreten Projekten – wie das geplante VDST-Jugendcamp – umsetzen können.“

Cornelia Michel, Projektleitung FAIRDiver


Ausgezeichnet - mit dem Environmental Excellence Award

Mit der ursprünglichen Absicht, ein Bojensystem zu schaffen, das Schiffe davon abhält, an Riffen zu ankern und somit wertvolle Meeresorganismen zu zerstören, wurde am Roten Meer Anfang der 1990er Jahre die Hurghada Environmental Protection and Conservation Association (HEPCA) gegründet. Heute ist die HEPCA eine führende Non-Profit- und Nichtregierungsorganisation, die sich aktiv für die Erhaltung des Lebens im Roten Meer sowie auch an Land einsetzt. Waren es anfänglich 100 Bojen, die verlegt werden sollten, sind es bis heute über 1.500 Bojen, die im Roten Meer installiert sind. Die HEPCA hat damit das größte Mooring-System der Erde geschaffen.

Für eben dieses Engagement wurde ihr Geschäftsführer, Amr Ali, nun mit dem Environmental Excellence Award ausgezeichnet. Überreicht wurde ihm der Award am Dienstag von HRH Prinz Turki bin Nasser bin Abdul Aziz, Präsident für Meteorologie und Umweltschutz und HE Generalsekretär der regionalen Organisation für die Erhaltung der Umwelt des Roten Meeres und des Golfs von Aden "PERSGA" und in Anwesenheit des Ägyptischen Umweltministers Herrn Dr. Khaled Fahmy.

Seit vielen Jahren unterstützt der VDST die Projekte der HEPCA und steht dabei u.a. in engem Kontakt mit Amr Ali. Franz Brümmer, Präsident des VDST und seit Jahren auch Vorstandsmitglied der HEPCA gratuliert Amr Ali herzlich im Namen des gesamten VDST: “Amr Ali verkörpert wie kein anderer das erfolgreiche Bemühen für effektiven Umweltschutz am Roten Meer, und zwar unter Wasser wie an Land! Ein Glücksfall auch für das Engagement von uns Tauchern. Insofern nahm Amr Ali hochverdient den wertvollen Preis entgegen. Ich freue mich darüber, gratuliere Amr und dem gesamten Team der HEPCA ganz herzlich und freue mich auch auf viele weitere gemeinsame Projekte in unserer bisher so erfolgreichen Zusammenarbeit.“

PERSGA ist eine regionale Organisation zur Erhaltung der Umwelt des Roten Meeres und des Golf von Aden. Sie widmet sich der Erhaltung der Küsten-und Meeresumwelt im Roten Meer, Golf von Aqaba, Golf von Suez, Suez Canal und Golf von Aden und den umliegenden Gewässern. Zu den PERSGA-Mitgliedsstaaten gehören: Dschibuti, Ägypten, Jordanien, dem Königreich Saudi-Arabien, Somalia, Sudan und Jemen.

Weitere Informationen zu HEPCA  |  PERSGA


Scientific Diving goes Madeira

Die alljährliche Konferenz (The European Conference on Scientific Diving) zum wissenschaftlichen Tauchen führte wissenschaftliche Taucher aus aller Welt im März 2017 auf die portugiesische Insel Madeira. Sie verbindet sowohl den Workshop „Research in Shallow Marine and Fresh Water Systems“ sowie das internationale Symposium on Scientific Diving. Die Veranstaltung soll all jenen eine Plattform bieten, die Methoden des wissenschaftlichen Tauchens als unumgängliches Werkzeug für ihre alltägliche Forschung nutzen – egal ob Jungwissenschaftler oder fest etablierte Größe der Forscherszene.

In diesem Sinne bot sich ein guter Anlass, die Blicke auch einmal über die eigene Uferlinie hinaus schweifen zu lassen und sich über laufende Projekte in der ganzen Welt zu informieren. Die Vorträge reichten von UW-Archäologie über naturwissenschaftliche Forschungsthemen in Bereichen der Biologie, Ökologie, Geologie bis hin zu computergestützten Vorhersagemodellen zu Fischbewegungen. Neben der Präsentation praxisnaher Projekte wurden auch Einblicke in die Ausbildungsstrukturen in Portugal sowie den strukturpolitischen Aufbau der US-amerikanischen Forschungsgemeinschaft (American Academy of Underwater Sciences) gegeben.

Wer beim „wissenschaftlichen Tauchen“ zu allererst an bunte Korallenriffe und versteckte Schätze in der Karibik denkt, wird bei der bildreichen Dokumentation der finnischen Projekte unweigerlich eine Gänsehaut bekommen. Besonders beeindruckend ist die Arbeit der skandinavischen Nachbarn mit Ihren Untersuchungen an Schiffswracks im finnischen Archipel. Dabei ist der Einstieg durch ein Eisloch obligat und der Trockentauchanzug Standardequipment.

Einen größeren Kontrast zu diesen Eindrücken als die Präsentation der marinen Forschung in den Korallenriffen der Malediven ist kaum vorstellbar. Der Hintergrund ist allerdings ein Ernstzunehmender. Mit steigenden Temperaturen und dem damit verbundenen CO2-Stress nimmt das Absterben der Korallen in Form der bekannten Korallenbleiche stetig zu. Besteht die Möglichkeit die variable Stressresistenz verschiedener Korallenstämme zu nutzen und somit dem Absterben möglicherweise Herr zu werden? Im Verlauf der zweitägigen Konferenz werden viele bekannte Fragen aufgeworfen und Neue formuliert. Diskussionsstoff ist reichlich vorhanden, sodass auch über die Abschluss-Session hinaus bis spät in die Nacht über unterschiedlichste Belange des wissenschaftlichen Tauchens debattiert wurde.

Und selbstverständlich kommen auch unsere deutschen Gefilde nicht zu kurz. Die aktuellen Ergebnisse zum laufenden Monitoring des Störmthaler Sees wurden von Christin Müller in einer interessanten und bildreichen Präsentation vorgestellt. Die Entwicklung vom sozusagen „neugeborenen See“ hin zu einem gut ausgebildeten Habitat mit verfolgen zu können, stellt eine Besonderheit dar, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Als Binnengewässer bildet das deutsche Untersuchungsgebiet eine Ausnahme zwischen all den exotischen marinen Tauchspots von subarktisch bis tropisch. Das Engagement der deutschen Wissenschaftstaucher findet bei den Kollegen aus aller Welt reichlich Lob, sodass wir nicht umhin können, uns insgeheim auch selbst ein ganz klein wenig auf die Schulter zu klopfen. Auch im Jahr 2017 wird es weitere Monitoring-Kampagnen geben, auf deren Ergebnisse wir bereits sehr gespannt sind.

Störmthal-Monitoring