ABC  ABC
Umwelt

VDST-Klimaschutz-Strategie

Anlass des Projektes - Motivlage und Hintergrund

Tauchsport weiterhin im Trend – besonders in Korallenriffen!

Etwa 5,2 Millionen Bundesbürger gehen tauchen! Nur etwa 12 Prozent davon betreiben den Tauchsport ganzjährig und auch in unseren heimischen Gewässern. Der überwiegende Teil, so das Ergebnis einer Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach, geht ab und zu und vor allem im Urlaub tauchen! Das sind etwa 4,56 Millionen Bundesbürger (über 14 Jahre)! – Der Tauchsport findet damit eindeutig im Urlaub und zunehmend in tropischen Gebieten statt. Zu den Top-Destinationen gehören seit Jahren die Malediven, die Philippinen sowie Indonesien und Ägypten. Für die rund 77.000 Taucherinnen und Taucher im VDST trifft dies in gleicher Weise zu: ein Tauchgang in den tropischen Korallenriffen mit all den vielfältigen Formen, Farben und tollsten Begegnungen unter Wasser ist ein ganz besonderes Erlebnis Korallenriffe – die Regenwälder unter Wasser Korallenriffe gehören zu den artenreichsten Ökosystemen unseres Planeten. Etwa 500.000 Arten, so schätzt man, leben in den Riffen. Allerdings sind bisher nur etwa 100.000 Arten bekannt; die meisten davon sind also noch gar nicht entdeckt! Korallenriffe sind damit nicht nur die „Hotspots“ der Biodiversität, sondern von ihnen geht auch die Besiedlung angrenzender Lebensräume aus und neue Arten entwickeln sich verstärkt in den vielfältigen Kleinlebensräumen der Riffe. Riffe sind also bereits wegen ihres immensen Artenreichtums und ihrer komplexen ökologischen Zusammenhänge nicht nur bewundernswert, sondern verdienen auch einen besonderen Schutz! Darüber hinaus haben Riffe jedoch auch eine große allgemeine Bedeutung für den Menschen. Sie sind eben mehr als nur ästhetische und artenreiche Strukturen, die von Wissenschaftlern und Tauchern sowie Schnorchlern bewundert werden. Riffe bilden Sturmbarrieren. Vom Küstentourismus leben dank der Riffe weit mehr Menschen! Riffe bilden eine bisher nur erahnbare Ressource für pharmazeutische Produkte! Riffe sind möglicherweise sogar wichtige Klimapuffersysteme. Riffe sind von herausragender wirtschaftlicher Bedeutung für den Tourismus und die Fischerei und garantieren den Schutz der Küsten und Inseln!

(Korallenriff-) Tourismus als Einnahmequelle

So ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle der Malediven und erwirtschaftet 28 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und mehr als 60 Prozent der Einnahmen aus Devisengeschäften; mehr als 90 Prozent der Steuereinnahmen der Malediven stammen aus tourismusbezogenen Steuern und Einfuhrabgaben. In Ägypten beträgt der Anteil des Tourismussektors am Bruttoinlandsprodukt etwa 11 Prozent! Damit haben Korallenriffe eine enorme Bedeutung nicht nur als „Urlaubskulisse“ für die Besucher, sondern gerade auch als Einnahmequelle und Entwicklungshilfe für Entwicklungsländer.

Aber auch für den Standort Deutschland ist der (Fernreise-)Tourismus in die Riffgebiete ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor. Man denke nur an die Reiseveranstalter, Tauchausrüster, Tauchschulen und sonstige Wassersportgerätehersteller. Nicht umsonst ist eine der weltgrößten Messen für Wassersport, die „boot“ in Düsseldorf in Deutschland angesiedelt; das Tauchsportzentrum der „boot“ ist die weltgrößte Veranstaltung dieser Art!

Korallenriffe und ihre Baumeister sind bedroht – besonders durch Klimawandel

Doch die Korallenriffe sind bedroht! 20 Prozent der Korallenriffe sind bereits komplett verloren, mehr als die Hälfte der verbliebenen Riffe ist stark bedroht und über 30 Prozent der Riffbildenden Korallenarten sind ebenfalls vom Aussterben bedroht! Neben den bisher immer und auch zu Recht erwähnten mechanischen Störungen durch Taucher und Schnorchler sind es aber vor allem die Erwärmung und Ansäuerung der Ozeane durch Treibhausgase, insbesondere Kohlendioxid, die die Korallenriffe in drastischer Weise bedrohen! Bedingt durch den Anstieg der Wassertemperaturen bleichen Korallen aus und verlieren ihre lebensnotwendigen Symbiosepartner (einzellige Algen) und durch die Versäuerung der Meere sinkt die Kalkbildungsrate und Korallenriffe können nicht mehr wachsen und damit kleinere Schäden selbst ausgleichen. Eine neuere Studie zeigt dies für das Korallendreieck in Indonesien, das artenreichste Meeresgebiet der Welt, das 30 Prozent der weltweiten Korallenriffe, 76 Prozent aller Riffbildenden Korallenarten und mehr als 35 Prozent aller Korallenfischarten sowie lebensnotwendige Laichplätze für wirtschaftlich wichtige Fischarten wie zum Beispiel Thunfisch beinhaltet. Wenn die Riffe dort durch den Klimawandel zerstört werden, wird die Nahrungsmittelproduktion in der Region um 80 Prozent zurückgehen und die Lebensgrundlage von mehr als 120 Millionen Menschen entzogen, so eine aktuelle WWF-Studie.

Klimawandel und Tourismus?

Spätestens seit der Veröffentlichung des vierten Sachstandsberichtes des Internationalen Klimarates (IPCC) im Jahre 2007 wird die globale Erwärmung auch mit der Tourismusbranche in Verbindung gebracht und innerhalb der Tourismusbranche als wichtiges Thema wahrgenommen! Dabei zeigt sich ein ambivalentes Bild für den Touristen: einerseits ist der Tourist als Treibhausgasemittent ein wesentlicher Mitverursacher des Klimawandels, und anderseits wird er ein Leidtragender der direkten und indirekten Folgen der globalen Erwärmung sein!

Beides trifft im Besonderen für den Tauchsport und die Korallenriffe zu!

Es wird geschätzt, dass der Tourismussektor durch Personentransport, Beherbergung und verschiedene Aktivitäten in den Destinationen rund 5 Prozent der globalen Kohlenstoffdioxid-Emissionen verursacht. Werden noch andere Treibhauseffekte neben den Kohlenstoffdioxid-Emissionen berücksichtigt, so könnte der Anteil des Tourismus am menschengemachten Klimawandel sogar bis zu 12 Prozent betragen und dabei können bis zu drei Viertel der tourismusbedingten Emissionen dem Flug- und Autoverkehr zugerechnet werden.

Klimaschutz und (Korallenriff-) Tourismus

Sollen nun die Taucherin und der Taucher auf die Fernreise verzichten? Oder Kohlenstoffdioxid-neutral durch eine entsprechende Abgabe fliegen? Welche Maßeinheit soll dem Ausgleich zugrunde gelegt werden? Ist die Kohlenstoffdioxid-Emission für eine Bewertung der Klimawirkungen des Flugverkehrs geeignet oder muss der Strahlungsantrieb (radiative forcing = RF) bzw. –index (RFI) verwendet werden? Oder geht es hier um die Änderung des Lebensstils, um nachhaltige Tourismuskonzepte oder gar um Klima(un-)gerechtigkeit?

Was soll und kann der VDST seinen Mitglieder aber auch den Sporttaucher generell in Deutschland hierzu empfehlen, wie sieht eine entsprechende Klimaschutz-Strategie aus? In der Klimapolitik spielt der Tourismus im Zusammenhang mit der Bedrohung der Korallenriffe bisher ebenfalls höchstens eine Nebenrolle! So genießt der Flugverkehr klimapolitische Ausnahmeregelungen! In der Tauchsport-relevanten Berichterstattung spielt der Klimawandel bisher nur eine untergeordnet Rolle. Vor wenigen Jahren wurde das Ausbleichen der Korallen sogar noch als nicht existierend abgestritten. Und auch heutzutage gibt es noch immer keine diversifizierende Berichterstattung zu diesem komplexen Thema.

Die intakte Natur (und Kultur und eine politische Stabilität) sind essenzielle Grundlagen des Tourismus auf der einen Seite. Auf der anderen Seite sind es die Touristen selbst, die die Einnahmen bringen aber auch durch die Reise selbst und ihren Aufenthalt den Klimawandel verstärken.

Wäre es also ein Fehler, vereinfacht zu sagen, dass der Taucher keinen Urlaub weit weg von Zuhause machen soll und damit den Flug vermeidet und einige Tonnen Treibhausgas einspart? Wären davon die Menschen in den Korallenriffregionen nicht doppelt betroffen? Gibt es einen Weg aus diesem Dilemma? Wie sieht dieser Weg aus? Wie sieht für den VDST eine dem Nachhaltigkeitsgedanken gerecht werdenden Empfehlung zu Tauchurlaubsfernreisen aus? Zur Beantwortung dieser Fragen soll eine Klimaschutz-Strategie mit Handlungsrelevanz für die einzelne Sporttaucherin, den einzelnen Sporttaucher entwickelt und kommuniziert werden.