VDST/HTSV TL1 Prüfung 2019, Südfrankreich

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Zum siebzehnten Mal in Folge veranstaltet der VDST eine Tauchlehrerprüfung in Südfrankreich – zusammen mit dem VDST Divecenter „Divin Giens“ von VDST Ehreninstrukteur Hansi Hähner. Neben drei Bundesprüfungen ist es für den HTSV die vierzehnte TL1 Prüfung im Auftrag des VDST.

Die Tauchgründe gehören mit zu den Besten im gesamten Mittelmeerraum – Wracks und Fische satt säumen die anspruchsvollen Tauchspots. Getaucht wird ausschließlich mit Geräten mit getrennt absperrbaren Ventilen – so dass die Übungen des Tauchens im Kaltwasser zu Hause optimal angepasst werden können.

Wir gratulieren zur bestandenen TL1 Praxisprüfung:

Maximilian Fischer, Florian Diehr, Peter Golde, Benjamin Ihrig, Dominik Kalbfleisch, Kerstin Krautschneider, Maxim Levin, Benedikt Niesterok (Rostock), Michael Stenzel, Christian von Hoffmeister (Berlin)

Ein besonderer Dank geht an das Team vom VDST DiveCenter Divingiens, VDST Ehrenistrukteur Hansi Hähner, Gigi und Horsti Wirtz sowie an das Ausbilderteam: TL4 Volker Maier, TL3 Carsten Schneider, TL3 und Arzt Dirk Michaelis – als Gastausbilder Frank Hartig aus Innsbruck. Die Leitung hat Frank Ostheimer.

 

CO2 und Plastikmüll

Aus dem Hessischen sind es rund 1100+ km in das schön gelegene Hyeres. Fast alle reisten in Fahrgemeinschaften mit dem PKW an. Ein Teilnehmer aus Berlin nutzte den Zug in den Süden – ein Teilnehmer aus Rostock nutzte aufgrund der sehr großen Entfernung das Flugzeug – somit konnten nahezu alle Teilnehmer ihre komplette eigene Ausrüstung nutzen – auch die eigenen Tauchgeräte.

Schon seit vier Jahren sponsert der VDST eine Edelstahl Wasserflasche für jeden Teilnehmer und jeden Ausbilder. Wir können damit den täglichen Wasserbedarf aus großen Behältern zapfen und sparen erheblich Plastikmüll ein.

 

1. Tag

Am Anreisetag trafen wir uns abends kurz zu einer Vorstellungsrunde. Jeder durfte sich und seinen taucherischen Hintergrund kurz vorstellen. Seitens der Ausbilder gab es noch wertvolle Informationen zum Ablauf der Praxisprüfung. Daneben wurden Freiwillige zum Schreiben des Blogs und eine Versorgungsgruppe gefunden und der nächste Tag organisiert, an dem bereits getaucht werden sollte.

Text : Benjamin Ihrig und Florian Diehr

Fotos: Frank Ostheimer

 

2. Tag: Ausrüstungscheck und erster Tauchgang

Nach dem detaillierten Check und gegenseitigem Vorstellen der Ausrüstung jedes Teilnehmers gab es von Maxim und Michael die Präsentationen zu den Themen “Sicherheit an Bord” und “Sicherheit im Wasser”. Einzelne Ausrüstungen wurden noch verfeinert – sodass alle den VDST Ausrüstungsempfehlungen entsprachen. Alle hatten zwei getrennt absperrbare Ventile und konnten ihre eigenen Kaltwasserregler nutzen. Zudem gab es von “Doc” Dirk Michaelis wertvolle Infos zum Thema Dekompression.

Nach kurzer Ausfahrt standen zunächst 1000 m Schnorcheln in ABC-Ausrüstung auf dem Plan. Anschließend konnte endlich getaucht werden. Nach dem Check des Wasser-Nase-Reflexes, der Bleimenge und dem obligatorischen Bubble-Check wurde am Spot “Rabbat” ein erster gemütlicher Tauchgang zur Eingewöhnung gemacht. In den vielen Felsen und Spalten warteten Muränen, Gabeldorsche und Krustenanemonen darauf entdeckt zu werden. Am Ende des Tauchganges setzte jeder Teilnehmer seine Boje.

Text : Benjamin Ihrig und Florian Diehr

Fotos: Frank Ostheimer

 

3. Tag

Nach einer stürmischen Nacht konnte nur eine geschützte Bucht angefahren werden. In dieser Bucht liegt der Tauchspot “Ile de grande Rabaud”. Hier stand für die Teilnehmer die Rettungsübung auf dem Plan. Bei mäßigen Sichtverhältnissen (ca. 5 m) musste jeder Teilnehmer abwechselnd einen anderen in Vorführqualität retten. Nach ein paar fortgeschrittenen Schwimmtechniken (Helikopterturn und rückwärts schwimmen) wurde auf dem Rückweg zum Boot “spontan” ein Taucher bewusstlos. Diesen galt es nun zu retten und bis an Bord der „Ar Guevel“ zu bringen. Dort gab es noch ein paar medizinische Infos von Dirk. Abschließend wurde gemeinsam die HLW und stabile Seitenlage besprochen.

Nach dem Mittagessen stand der zweite Tauchgang an. Hier galt es am “Sec de Gendarme” das Versorgen eines Tauchers mit Atemluft aus dem eigenen Hauptatemregler zu üben. In einem zweiten Durchgang sollte während der Notatmung eine Boje gesetzt werden, was in den meisten Fällen aufgrund der Strömung ausfiel. Im Gegensatz zum ersten Tauchgang war die Sicht nun hervorragend und der Felsen bot einiges zu sehen. Neben roten und gelben Gorgonien, Flabelinas, Muränen und einem Meeraal, zeigte sich auch ein Schwarm großer Barrakudas.

Bei der Abschlussbesprechung demonstrierten die Ausbilder als Vorbereitung für den kommenden Tag die Zeichengebung bei einem Dekotauchgang. Ziel war, mit wenig Handzeichen eine klare Kommunikation unter Wasser zu ermöglichen.

Text : Benjamin Ihrig und Florian Diehr

Fotos: Frank Ostheimer

 

4. Tag: Port Cros

Mit dem Nationalpark um die Insel Port Cros wurde eines der Highlights der Region angefahren. Es ist weltweit der erste Unterwassernationalpark, der 1963 gegründet wurde. Seither hat sich die Natur unter Wasser wieder erholt und zu einer wahren Pracht entwickelt. Vorgelagert ist der Felsen “La Gabiniere”, an dem an diesem Tag zwei Tauchgänge in einer Tagesfahrt durchgeführt wurden.

Im ersten Tauchgang ging es zunächst nach Norden um den Felsen herum. Bei dem Tauchgang wurden wir von Barrakudaschwärmen, großen Zackenbarschen und Schwärmen weiterer Fische begleitet. In Tiefen bis 40 m wurde das Gasmanagement innerhalb der Gruppe geübt, mit dem Ziel, dass jeder Taucher mit dem gleichen Druck auftaucht. Ebenso auf dem Plan stand eine Fuchsjagd, bei der ein Taucher ohne Atemregler im Mund seinen Buddy, der in ca. 10 m Entfernung war, einholen musste, um von ihm mit Luft versorgt zu werden. Zum Ende setzte während der Deko- und Sicherheitsstopps jeder Taucher seine Boje.

Nach üppigem Mittagessen auf Port Cros ging es wieder zur Gabiniere – dieses Mal in die südliche Richtung zum ersten Prüfungstauchgang. Durch die günstige Strömung konnten wir dort einen angenehmen Drift-Tauchgang durchführen. Erneut wurden wir von Schwärmen an Fischen begleitet und begegneten auch dem ein oder anderen kapitalen Zackenbarsch. Auch frei schwimmenden Muränen begegneten wir. Gegen Ende stand wieder Boje setzen auf dem Programm, allerdings dieses mal während ein Mittaucher mit Luft aus dem eigenen Hauptatemregler versorgt wird.

Abends nutzte der tags zuvor angereiste Arzt Frank Hartig die Gelegenheit, um die TL 1-Anwärter zum Thema “Awareness” zu informieren. Auch welche Faktoren für die Dekompression wirklich relevant sind, legte er den Teilnehmern dar.

Text : Benjamin Ihrig und Florian Diehr

Fotos: Frank Ostheimer

 

5. Tag: Wracktauchen

Nach dem täglichen Kurzbriefing des anstehenden Tauchgangs durch einen der TL-Anwärter brachte Hansi die Tauchgruppe zum Wrack der Donator. Ein kleine Besonderheit dieses Tauchspots ist, dass das Tauchboot nicht in der Nähe des Wracks festmacht, sondern die Taucher gruppenweise vom fahrenden Boot springen, sobald sie in der Nähe der Oberflächenboje sind. Bedingt durch die Tiefe des Wracks (bis zu 50 m) planten die Anwärter beim Wrack zu tauchen bis entweder 15 min Grundzeit oder 80 bar Flaschendruck erreicht werden. Bei moderater Strömung erreichten alle Gruppen sicher das Wrack der Donator und tauchten in dessen Strömungsschatten. Das Wrack, einer der Highlights der Cote-Azur, lockte mit sehr großen Korallen (rote und gelbe? Gorgonien), kapitalen Zackenbarschen und riesigen Fischschwärmen, in die jagende Barrakudas hinein stießen. Vor dieser Kulisse gingen die 15 min entsprechend schnell rum, und die Gruppenführer leiteten einen Freiwasseraufstieg ein. Auf etwa 20 m wurde pro Gruppe eine Boje gesetzt, um diese für den Bootsführer Hansi zu markieren. Anschließend wurde der Aufstieg fortgesetzt und die Dekostops sauber durchgeführt. Viel Wert wurde bei diesem Tauchgang darauf gelegt, in den letzten 5m eine Aufstiegsgeschwindigkeit von 1 m/min einzuhalten.

Nach einem Mittagssnack startete die Tauchgruppe zu den Grotten am westlichen Ende der Halbinsel von Giens. Dieser Spot hielt zwei Überraschungen bereit. Zum einen konnte man in einer der Grotten auftauchen und Fledermäusen im Flug zuschauen. Zum anderen konnte auch eine kleine Höhle betaucht werden. Daneben wurden auch die Fähigkeiten des Ventilmanagements im Falle einer Vereisung des Hauptatemreglers geprüft. Eine weitere Übung, die die Anwärter zu bestehen hatten, war der plötzliche Verlust von Maske und Regler. Hierzu rissen sich die Anwärter Regler und Maske vom Kopf und mussten im Anschluss zügig auf den Zweitregler wechseln, die Maske ausblasen und den Hauptregler wieder einfangen. Zum Schluss sollten die Gruppen eigenständig ohne technische Hilfsmittel das Tauchboot finden.

Text : Benjamin Ihrig und Florian Diehr

Fotos: Frank Ostheimer

 

6. Tag

An diesem Tag standen die Apnoeübungen und die Rettungsübung auf der Agenda. Bedingt durch Westwind wurde die geschützte Bucht vor der Insel Grand Rabaud angesteuert. Dort bauten die Ausbilder drei Stationen auf, an denen die Anwärter die folgenden Übungen zu bestehen hatten: 25 m Streckentauchen in 5m Tiefe, dann das Knoten eines Palsteks; 10 m Tieftauchen, dort den Namen auf eine Tafel schreiben, 60 s Zeittauchen mit Ortsveränderung von ca. 10 m.

Zusätzlichen Anspruch bekamen die Übungen, da die Anwärter diese in kompletten dicken Anzügen sowie Geräteflossen zu machen hatten.

Nach kurzer Verschnaufpause machten sich die Gruppen bereit zur Übung “Rettung eines verunfallten Tauchers”. Bei dieser Übung wurde von den Anwärtern der sichere Transport eines handlungsunfähigen Tauchers an die Oberfläche und von dort an und auf das Boot gezeigt. Dort angekommen, demonstrierten sie die Erste Hilfe nach einer spontanen Fallbeschreibung durch den Taucharzt Dirk Michaelis.

Am Nachmittag wurde der Spot “Escampo” besucht. Dort wurde der Aufstieg unter Wechselatmung und kontrolliertem Stopp in vorgeschriebener Tiefe demonstriert. Daneben lockte der Spot mit wunderschönen Krustenanemonen und einer kaminartigen Höhle, die betaucht werden konnte.

Am Abend gab es für die Anwärter Feedback und Verbesserungsvorschläge zur Rettungsübung seitens Doc Dirk und passend dazu einen Vortrag von Frank Hartig zum Thema “Kommunikation und Performance under Fire”. Frank riet den Anwärtern in Notfallsituation keine verbalen Weichmacher (könntest, würdest, vielleicht, …), klar gerichtete Befehle (–> Personen direkt ansprechen) und verbale Rückmeldeschleifen (“Ja, ich hole den AED”) zu verwenden, um die Kommunikation in solchen Situationen zu beschleunigen und zu vereinfachen.

Text : Benjamin Ihrig und Florian Diehr

Fotos: Frank Ostheimer

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