Sanft geweckt von den Sonnenstrahlen, beginnt der dritte Ausbildungstag für TL1-AnwärterInnen und Ausbilder bei bester Laune um 9 Uhr an der Tauchbasis mit dem Briefing zum anstehenden Ausbildungstauchgang „Wracktauchgang“. Michael erläutert die Besonderheiten, die beim Tauchen an Wracks zu beachten sind, und erklärt die besonderen Aufgaben, die die TL-Anwärter-Gruppen während und vor allem zum Ende des Tauchgangs zu erledigen haben: Boje setzen und anschließendes Austauchen in horizontaler Lage in Sternformation. Da verschiedene Quellen zum Tauchplatz, dem Wrack „Michel C“, sehr unterschiedliche Angaben zur Tiefe des Wracks bereithalten, bekommen wir vom Doc Dirk gleich noch die Zusatzaufgabe, die tatsächliche Tiefe während des Tauchgangs festzustellen.
Angekommen am Tauchplatz, beginnen wir den Tauchgang wegen leichter Strömung mit einem zügigen Abstieg zum recht gut erhaltenen Bug der „Michel C“, dem tiefsten Punkt des Wracks, und bestimmen die Tiefe: knapp 41 Meter! Danach beginnt die Erkundung des Wracks, geführt von den Ausbildern, die die zwei Tauchgruppen begleiten. Das 1866 gebaute und 1900 gesunkene Stahl-Dampfschiff ist über die Jahrzehnte ziemlich in sich zusammengesunken. Dennoch bieten die Überreste zahlreichen Meeresbewohnern einen geeigneten Lebensraum – und uns Tauchern viel zu entdecken: Schon nach wenigen Flossenschlägen schaute uns ein stattlicher Conger mit großen Augen aus einem Rohr an, und nicht viel weiter drehten die ersten Zackenbarsche ihre Kreise um die Schwärme unzähliger kleinerer Fische. Der Bewuchs der umliegenden Felsen mit roten Gorgonien hat auch vor der „Michel C“ keinen Halt gemacht, sodass sich uns ein überaus farbenfrohes Bild bietet!
Bedingt durch Tauchtiefe und Luftvorrat müssen wir uns leider schon nach 15 Minuten von diesem Schauspiel verabschieden und den Aufstieg beginnen. Wie gebrieft wird nach dem Setzen einer Boje durch ein Gruppenmitglied der Aufstieg durch die TL1-AnwärterInnen in Sternformation durchgeführt. Für einige von uns ist diese Art des Aufstiegs neu, jeder erkennt aber sofort die Sinnhaftigkeit: eine ständige optische Orientierung während eines Blauwasseraufstiegs und die Möglichkeit, bei eventuellen Tarierproblemen eines Gruppenmitglieds jederzeit unverzüglich eingreifen zu können! Sicher an der Oberfläche angekommen, werden wir von unserem Tauchboot wieder an Bord genommen und treten gut gelaunt und unter lautem Geschwätz über das gerade Erlebte die Rückfahrt zum Hafen an.
Nach der Mittagspause ging es weiter mit dem Briefing zum Nachmittagstauchgang. Aufgaben für die TL1-AnwärterInnen bei diesem Tauchgang: Orientierung ohne technische Hilfsmittel und Luftmanagement. Nachdem die Tauchgruppen 15 Minuten vom Ausbilder geführt worden sind, müssen sie als Gruppe den Weg zurück zum Boot finden – ohne die Nutzung des Kompasses. Darüber hinaus soll der Restdruck bei allen Gruppenmitgliedern in etwa gleich hoch sein. Da die Flaschengrößen der einzelnen TaucherInnen zwischen 14 und 24 Litern liegen, stellte vor allem das Luftmanagement eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar, die nur dadurch bewältigt werden konnte, dass in verschiedenen Konstellationen der Gruppenmitglieder immer wieder der Hauptregler an der Longhose an eine/n Tauchpartner/in abgegeben wurde.
Tauchplatz waren Sec Pascal und Sec Mourraine – Unterwasserberge, welche bis auf eine Tiefe von ca. 17 Metern aufragen und Lebensraum für eine Vielzahl von Meerestieren und Fischarten bilden. In der herrlichen Nachmittagssonne und bei spiegelglatter See sind wir ins Wasser gesprungen, wegen leichter Strömung folgte der sofortige Abstieg zur Spitze des Secs, von wo aus die Ausbilder die Führung übernahmen. Jedes Gruppenmitglied war gebrieft worden, sich die Umgebung möglichst gut einzuprägen, da es ja unsere Aufgabe war, im zweiten Teil des Tauchgangs zurück zum Boot zu finden. „Leider“ bot der Tauchplatz jedoch viel Ablenkung: Muränen, teilweise in Gruppen, starrten aus zahlreichen Felsspalten, stattliche Zahnbrassen jagten durch Sardinenschwärme, Zackenbarsche drehten gemächlich ihre Runden oder lagen entspannt auf kleinen Felsvorsprüngen. Dennoch haben wir das Ziel des Tauchgangs nicht aus den Augen verloren und sind nach ca. 35 Minuten wieder an der Ankerboje, an der unser Tauchboot festgemacht war, angekommen. Um noch mehr Routine zu bekommen, haben wir vor dem Austauchen reihum die Bojen gesetzt und sind dann unter Einhaltung von Dekostufen und Sicherheitsstopp kontrolliert ausgetaucht. Zur großen Freude aller konnte sogar das Luftmanagement als Erfolg verbucht werden – die Restdrücke aller TL-AnwärterInnen lagen nahezu alle im vorgegebenen Zielbereich.
Nach diesen zwei weiteren erlebnis- und erkenntnisreichen Tauchgängen haben wir den Tag in gewohnter Weise ausklingen lassen: An der langen Tafel im Stammrestaurant wurde geschmaust, gequatscht, gelacht und ein wenig gefachsimpelt, bevor wir uns in die Unterkünfte zurückzogen und Morpheus für die Nacht das Zepter übergaben.